Achilles' Spezial Fans aus Elchistan

Dank Bundestrainer Jürgen Klinsmann und seiner Crew weiß inzwischen jeder deutsche Fan alles über das Team des heutigen Achtelfinalgegners Schweden. Doch was zeichnet die Anhänger der Blau-Gelben aus? Warum sind die trinkfesten Sverige-Jünger eine derart beliebte Fangruppe? 


Von den vielen bunten Wellen, die in den letzten beiden Wochen über die Hauptstadt schwappten, war die schwedische die angenehmste. Auch wenn ihre elf kickenden Landsleute zeitweilig wie vollgepackte Ikea-Regale über den Rasen rummsten, waren die Fans in gelb und vor allem blau stets von wohltemperiert guter Laune.

Schwedische Fans: "Bitte zwölf große Bier"
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Schwedische Fans: "Bitte zwölf große Bier"

Der Mensch aus dem Land des Inbusschlüssels wird hauptsächlich in Busladungen angeliefert. Es gibt zwei Modelle: die mit einer 7 auf dem Rücken und die mit der 10. Der Schwede weiß sich zu benehmen. Er sagt immer: "Bitte zwölf große Bier."

 Wenn er zuviel davon trinkt, was außerhalb Schwedens eigentlich täglich der Fall ist, dann übergibt er sich nicht etwa auf das Trottoir, sondern erbricht sich artig in den hinteren Rabatten eine Grünanlage. Was man vom Briten nicht immer sagen kann.

Der Bewohner von Elchistan ist ein Familienmensch. Er kommt mit Kindern und Frau zur WM. Wobei die Gattin des Schweden leider nicht ganz jener Ulla entspricht, die unsere Väter früher so gern in den Unterhaltungsfilmen sahen, weil sie nichts trugen außer Zöpfen, Ringelsocken und aufgemalten Sommersprossen.

Die brachial existierende WM-Schwedin hat mehrheitlich eine patente Kurzhaarfrisur, ist Mitte 50, ungemein drahtig und sieht so aus wie die stellvertretende Pacemakerin beim Walkingclub Jönköping. Trulla statt Ulla.

Im Stadion ruft der Schwede gern und laut "Heja Sverige", was so klingt wie "He, Ihr Zwerge" und damit in der Vorrunde exakt den Sachverhalt auf dem grünen Rasen traf, vor allem gegen Paraguay.

Dass der Schwede als Brasilianer Nordeuropas gilt, kann nur daran liegen, dass die anderen Skandinavier noch eine Spur gelassener sind. Immerhin: Die Untertanen von unserer Silvia sind Großverdiener. Das sieht man im Stadion am Pfandbecherverhalten.

Der Schwede denkt: "Heja, vier Euro 50 für ein Erfrischungsgetränk, das genauso wenig nach Bier schmeckt wie das Zeug zuhause, das ist aber ein Schnäppchen. Da nehme ich gleich mal zwei. Und für mein kurzhaarige Frau noch zwei dazu." Dass im Preis ein Euro fürs Pfand enthalten ist, entgeht ihm glatt. Weil die Gattin nur Wasser trinkt, kommt der Schwede so auf vier Bier pro Halbzeit.

Woran unterscheiden sich nun Deutsche und Schweden im Stadion? Der Schwede hat in der Pause die Hände leer und geht erstmal pinkeln. Der Deutsche hat die ganzen arglos weggeworfenen Becher der Schweden zu einem Turm gestapelt und geht am Bierstand Pfand kassieren. Schade, dass Ihr Schweden rausfliegt. Wir werden Euch wirklich vermissen. Der Argentinier gibt seinen Pfandbecher bestimmt ab.

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