Achilles' Spezial Nachhilfe fürs Finale

Zinedine Zidanes Altherrenriege Frankreich oder Deutschland-Bezwinger Italien? Wen wünschen wir uns als Fußball-Weltmeister? Für welches Blau sollen wir heute Abend ab 20 Uhr brüllen? Der total objektive Achilles-Test gibt einige Anregungen.


Spielerpersönlichkeiten: Nichts gegen Eisenfuß Gattuso und den unitalienisch schlecht angezogenen Buffon, aber die beiden sind chancenlos gegen den besten Alten und den dynamischsten Jungen des Turniers. Zidane und Ribery sind eine generationsübergreifende Zugewinngemeinschaft. 1:0 für Frankreich.

Deutsche Beteiligung: Bayern-Malocher Willy Sagnol von WM-Beginn an in Frankreichs Startelf. 2:0 für Frankreich.

Französischer und italienischer Fan: Wer jubelt am Sonntagabend?
AFP

Französischer und italienischer Fan: Wer jubelt am Sonntagabend?

After-Kick-Party: In der Osteria bei Marco gibt's bestimmt einen Grappa für lau, beim französischen Bäcker garantiert nichts. Italiens Autokorso wird vermutlich größer, außerdem haben die Jungs mehr Feuerwerk von Silvester gebunkert. Italien verkürzt zum 1:2.

Ökonomie: Adidas (Frankreich) gegen Puma (Italien), also ein deutsch-deutsches Finale. Unentschieden: Frankreich bleibt mit 3:2 vorn.

Multikulturell: Die von dunkelhäutigen Spielern dominierte französische Elf unter der Trikolore beweist: Eine afrikanisch-stämmige Mannschaft hat es doch ins Finale geschafft. Frankreich führt 4:2.

Mitleid: Bevor die halbe italienische Nationalmannschaft wegen des Bestechungsskandals in die Bezirksliga Mezzogiorno absteigt, ist es womöglich das letzte Erfolgserlebnis für Totti & Co. Erbarmenspunkt für Italien, Rückstand nur noch 3:4.

Historisch-kulinarisch: Die in Florenz geborene Katharina von Medici, Frankreichs Königin im 16. Jahrhundert, legte den Grundstein zur gehobenen Küche in einem Land, das sich bis dahin vorwiegend von Fröschen ernährt hatte. Die gestrenge Herrscherin brachte den Franzosen Tischmanieren bei: vor dem Essen die Hände waschen, statt der Finger eine Gabel nehmen, nicht ins Tischtuch schnäuzen, Bedürfnisse nicht in den Korridoren noch im Speisesaal verrichten, sondern hinter Paravents, auf Nachttöpfen. Italien gleicht aus zum 4:4.

Patriotisch: Italien hat gegen Deutschland gewonnen. Holt die Squadra den Titel, wären wir nur vom Weltmeister besiegt worden - 5:4 für Italien.

Statistisch: Mit einem Sieg wäre Italien viermal Weltmeister und würde die Deutschen (drei Titel) von Platz zwei der ewigen Bestenliste verdrängen. Das geht gar nicht, daher zwei Punkte für Frankreich. In allerletzter Minute also das entscheidende 6:5 für die Franzosen.

Puuh, das war knapp. Allez les Vieux! Vorwärts, Ihr Alten!



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