Achilles' Spezial Psychokrieger Klinsmann zähmt Hildegard Ballack

Kapitän Michael Ballack hat angegriffen, Trainer Jürgen Klinsmann ist ihm erfolgreich in die Parade gefahren. Die Machtfrage in der deutschen Nationalmannschaft ist somit aufs Erste beantwortet. Achim Achilles findet das auch gut so.

Lege eine Leiche in den Flur, so sagt ein chinesisches Beamtensprichwort, und ihr Gestank wird in hunderte von Büros dringen. Die Leiche im Eröffnungsspiel war Michael Ballack. Der Bundes-Jürgen war der ausgebuffte Psychokrieger. Ballack hat die Machtfrage gestellt und Klinsmann hat sie beantwortet.

Noch vor dem Anpfiff hat der Trainer sich, der Mannschaft und dem ganzen Land klar gemacht, wer der Chef ist - und wer nur der Turnschuh. Sollte es die deutsche Elf tatsächlich weiter bringen als bis ins Achtelfinale, dann wird dieser Zwist von Sporthistorikern eines Tages vielleicht zur wahren Geburtstunde des deutschen WM-Teams emporgedeutet: Denn er setzte bei allen Beteiligten Energie frei.

Natürlich hätte Ballack spielen können. Aber was wäre dann passiert? Klinsmann wäre erpressbar geworden. Ballack darf sich alles erlauben, hätten die Mitspieler geraunt. Und ihm auch auf dem Platz die Verantwortung zugeschoben.

Ohne den Spielmacher haben sie dagegen für das ganze Turnier gelernt: Selbst in einem Eröffnungsspiel vor den Augen der Welt können sie bestehen, wenn sie den Mut haben, sich auf sich selbst zu verlassen.

Ballack hat einen entscheidenden Fehler gemacht. Er glänzte in den Tagen vor dem WM-Start als Diva und nicht als vorbildlicher Kämpfer im Dienste der Mannschaft. Meckern über die Taktik, extralanges Pfingstwochenende bei der Familie, Sonderbehandlung beim Esoterik-Therapeuten, der via Internet eine Dose Vitaminpillen für 90 Euro verscheuert und schließlich der matthäus-mäßige Versuch, sich per "Bild"-Zeitung in die Startaufstellung zu zwingen.

Hätte sich Klinsmann den Star-Sperenzchen gebeugt, wäre er seine Autorität als Bundestrainer losgewesen, bevor er überhaupt welche aufgebaut hätte. Also raus mit Ballack. Bloß keinen Zicken-Alarm. Das Team ist der Star und Tim Borowski auch nicht schlecht.

Ballack hatte 90 lange Minuten Zeit zu überlegen, ob er weiterhin die Hildegard Knef der deutschen Elf mimt. Erstaunt hat er gesehen, dass die Truppe auch ohne ihn ganz gut zurecht kommt. Wenn ein Kapitän Schneider, Frings, Lahm spüren, dass sie sich nicht hinter wem auch immer verstecken können, dann werden sie erst richtig gut.

Und was bedeutet das fürs Spiel gegen Polen? Dass die Mannschaft psychisch stärker ist. Dass der Trainer an Respekt gewonnen hat. Und dass Ballack sich richtig reinhängen wird.

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