Rückkehr ins norwegische Nationalteam Hegerberg ist wieder bereit für die große Fußballbühne

Fünf Jahre verzichtete Ada Hegerberg auf Einsätze im norwegischen Nationalteam. Nun kehrt eine der besten Stürmerinnen der Welt zurück. Ihren Kampf für Gleichberechtigung will sie nun anders gestalten.
Lyons Stürmerin Ada Hegerberg wird wieder für Norwegen auflaufen

Lyons Stürmerin Ada Hegerberg wird wieder für Norwegen auflaufen

Foto:

Lisi Niesner / REUTERS

Ob Ada Hegerberg noch eine der besten Stürmerinnen der Welt ist, wird sich erst in den kommenden Monaten und Jahren erweisen. Nun steht allerdings fest, dass sie es in zwei verschiedenen Trikots unter Beweis stellen kann: im Vereinsfußball weiter bei Olympique Lyon, und Hegerberg kehrt zudem in die norwegische Nationalmannschaft zurück.

Anfang April stehen WM-Qualifikationsspiele an, sie wird zudem im Sommer bei der Europameisterschaft in England auf die große Bühne zurückkehren. Norwegen trifft dann in der Vorrunde auf Irland, Österreich und die Gastgeberinnen. Hegerberg hatte sich vor fünf Jahren dazu entschlossen, diese Bühne zu verlassen – aus Protest.

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Hegerbergs Frustration speiste sich aus der ungleichen Behandlung von Fußballerinnen und Fußballern in Norwegen. Ihr ging es um Bezahlung, aber vor allem um Förderung, um Gleichstellung, um das Tempo, mit dem der erfolgreichere Frauenfußball in ihrer Heimat gefördert wurde. Die Gresshoppene, wie das Nationalteam der Frauen in Norwegen genannt wird, gewannen einen WM- und zwei EM-Titel. Ihre männlichen Kollegen waren überhaupt erst viermal bei großen Turnieren dabei, das WM-Achtelfinale 1998 in Frankreich war dabei der größte Erfolg.

Für Hegerberg stand damals fest: Nur wenn sie aussteigt, wenn sie auf die WM 2019 verzichtet, wenn sie mit ihrer Strahlkraft die Missstände klar benennt, kann sich etwas ändern. Das sieht sie mittlerweile anders, auch weil in Norwegen mittlerweile schon seit Jahren Nationalspielerinnen die gleichen Prämien bekommen wie beispielsweise Erling Haaland, wenn er für Norwegen spielt (und erneut die WM 2022 in Katar verpasst).

Im vergangenen Jahr feierte Ada Hegerberg eine emotionale Rückkehr bei Olympique Lyon

Im vergangenen Jahr feierte Ada Hegerberg eine emotionale Rückkehr bei Olympique Lyon

Foto:

Michael Erichsen / IMAGO / Bildbyran

Hegerberg teilte in einer Stellungnahme mit, sie freue sich, wieder für das Team kämpfen zu können und gleichzeitig weiter für Gleichberechtigung zu kämpfen, sowohl auf als auch neben dem Spielfeld. »Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir unsere Ziele erreichen und sowohl junge Mädchen als auch Jungen im ganzen Land inspirieren«, sagte sie. »Jetzt kann ich das endlich wieder mit der Flagge auf der Brust tun.«

Hegerberg: »Noch ein langer Weg vor uns«

Hegerberg vollzieht eine Kehrtwende. Hielt sie ihr Fernbleiben in den vergangenen Jahren für den richtigen Weg, um zu protestieren, so will die 26-Jährige nun wieder aktiver werden. »Ich habe 2017 eine Entscheidung getroffen, die ich nicht bereue. Aber ich hatte in den letzten zwei Jahren viel Zeit, um über viele Aspekte meines Lebens nachzudenken«, sagte sie.

Hegerberg gehört mit einem Gehalt von 420.000 Euro zu den bestverdienenden Fußballerinnen der Welt. Sie weiß aber auch um die prekäre finanzielle Lage vieler Kolleginnen, sei es in der französischen Liga abseits von Lyon und Paris Saint-Germain oder sei es in der Bundesliga, wo sie mal zwei Jahre für Turbine Potsdam gespielt hat.

»Ich weiß, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben«, sagte sie in der vergangenen Woche dem »Forbes«-Magazin . »Aber es stellt sich auch die Frage, ob man den Wert eines Sportlers nur nach seinem wirtschaftlichen Wert beurteilt. In Bezug auf das Gehalt gibt es natürlich eine sehr wichtige Diskussion, aber aus einer breiteren Perspektive geht es um Respekt, um Bildung, darum, Organisationen zu verändern, und darum, wie dort junge Mädchen gesehen werden.«

Gegen Juve 90 Minuten auf der Ersatzbank

Hegerberg ist mit 56 Treffern weiterhin Rekordtorschützin der Champions League, obwohl sie fast zwei Jahre verletzt ausgefallen war. Zunächst hatte sie sich einen Kreuzbandriss zugezogen, kurz vor ihrem Comeback stoppte sie ein Ermüdungsbruch. Seit vergangenem Oktober ist die Angreiferin zurück in Lyons Kader – und sie stellte schnell ihre alte Torgefahr mit acht Treffern in der französischen Liga unter Beweis.

Doch seit ein paar Wochen steckt Hegerberg – die mit Lyon fünfmal die Königsklasse gewinnen und sich 2018 als erste Spielerin den Ballon d’Or sichern konnte – in einer kleinen Formkrise. Ein völlig normaler Vorgang nach einer so langen Verletzungspause. Bei der 1:2-Niederlage in der Champions League gegen Juventus am Mittwoch saß sie 90 Minuten auf der Ersatzbank.

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Im norwegischen Verband wissen sie trotzdem, dass das Nationalteam mit Hegerberg im Angriff deutlich besser sein wird. Seit Jahren, schon vor der Verletzung, hatte sich Verbandspräsidentin Lisa Klaveness darum bemüht, ihre Starspielerin zur Rückkehr zu bewegen. »Es war kein gutes Gefühl, eine unserer besten Spielerinnen außerhalb der Nationalmannschaft zu haben«, sagte Klaveness am Donnerstag. Nationaltrainer Martin Sjögren sagte, es sei eine »herausfordernde Situation« mit Hegerberg gewesen, und er sei froh, »diese hinter uns lassen zu können«.

Nun soll der Fußball wieder im Vordergrund stehen. Mit Ada Hegerberg im Team wird es aber immer auch um andere Themen gehen.

Mit Material von AP und sid
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