SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

01. März 2019, 22:14 Uhr

Norwegens Ada Hegerberg

Warum die beste Stürmerin der Welt nicht bei der WM spielen will

Von Jonas Hüster

Die Fußball-WM der Frauen wird ohne die amtierende Weltfußballerin stattfinden. Ada Hegerberg weigert sich, für Norwegen zu spielen. Weil ihr Sport nicht ausreichend respektiert wird.

Was für Deutschlands Fußballer die WM in Russland war, war für Norwegens Fußballerinnen die Europameisterschaft 2017 in den Niederlanden: eine Blamage. Die Norwegerinnen schieden in der Gruppenphase aus, holten in drei Spielen keinen Punkt und schossen kein einziges Tor. Nicht mal Ada Hegerberg. Dabei gilt die 23-Jährige als beste Stürmerin der Welt. In der vergangenen Saison erzielte sie für Olympique Lyon 46 Treffer in 29 Spielen und wurde daraufhin als Weltfußballerin des Jahres mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet.

Bei der Weltmeisterschaft in Frankreich wird Hegerberg fehlen. Und das nicht etwa, weil sich Norwegen nicht qualifiziert hätte. Ihr Team spielt, nur sie eben nicht. Nach der EM-Schmach hat sie ihre Laufbahn beendet - kurz nach ihrem 22. Geburtstag. Der norwegische Fußballverband (NFF) versuchte zwar mehrfach, den Superstar umzustimmen, blieb aber erfolglos. Das bestätigte Norwegens Nationaltrainer Martin Sjögren: "Es gab Treffen, aber sie hat sich entschieden, nicht zu spielen".

"Es geht um Respekt"

Ihre Nicht-Teilnahme geht auf einen Disput mit dem NFF zurück. Aus Protest gegen die Verhältnisse im Verband verzichtete Hegerberg auf weitere Nominierungen. "Es geht um Respekt für den Frauenfußball. Ich finde, der Respekt war nicht da", sagte sie. Kurz nach ihrem Rücktritt entschied der NFF als erster Verband der Welt, sein Frauen- und Männerteam gleich zu bezahlen. Ihr gehe es jedoch "nicht nur um das Geld", sagt Hegerberg. Sie strebt nach einer Professionalisierung des Frauenfußballs auf allen Ebenen.

"Fußball ist der beliebteste Sport in Norwegen für Mädchen und Jungen und das schon seit Jahren, aber gleichzeitig haben Mädchen nicht die gleichen Chancen wie die Jungen," sagte sie dem "Guardian". "Wir haben aufgehört, über Entwicklung zu reden, und andere Länder haben uns überholt." Das Abschneiden bei der Europameisterschaft 2017 war das schwächste Ergebnis in der Geschichte der Nationalelf.

Seitdem geht es wieder bergauf: Die Norwegerinnen qualifizierten sich souverän für die WM. Doch andere Länder wie England, Deutschland oder Frankreich sind enteilt. Auch die nationale Liga "Toppserien" kann mit der finanzstarken Konkurrenz aus dem Ausland nicht mithalten. Zuletzt gründeten vermehrt Spitzenvereine wie Manchester United eigene Frauenabteilungen.

Comeback nicht ausgeschlossen

Hegerberg spielt selbst im Ausland. Bevor sie nach Lyon in die französische Ligue 1 wechselte, stand sie zwei Jahre bei Turbine Potsdam unter Vertrag. "Dort kann ich mich als Spielerin entwickeln", sagte Hegerberg. Nach Aufenthalten mit der Nationalmannschaft habe sie das Gefühl gehabt, dass sie als schlechtere Spielerin nach Lyon zurückkäme. Ihr Debüt für Norwegen gab sie mit 16 Jahren, in ihrer Nationalmannschaftskarriere erzielte Hegerberg in 66 Spielen 38 Tore.

Ein Comeback ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. "Natürlich würde ich gerne für mein Land spielen", sagt Hegerberg. "Aber es gibt mehrere Änderungen, die vorgenommen werden müssten, bevor ich eine Rückkehr in Betracht ziehen würde. Ich weiß, was ich will und kenne meine Werte und deshalb ist es einfach, schwierige Entscheidungen zu treffen".

Sie steht in Kontakt mit Lise Klaveness, der Chefin der sportlichen Leitung beider Nationalteams. Dem Norwegischen Rundfunk (NRK), sagte Hegerberg sie habe "gute Gespräche" mit Klaveness geführt, aber ihre Meinung über die Nationalmannschaft vorerst nicht geändert. Klaveness war selbst Nationalspielerin - wegen eines Disputs mit dem damaligen Nationaltrainer hatte sie 2007 zeitweise ihren Rücktritt erklärt.

In einer früheren Textfassung hieß es, der FC Arsenal habe zuletzt eine eigene Frauenabteilung gegründet. Tatsächlich existiert der Arsenal Women FC bereits seit 1987.

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung