Adrian Fein Der Spieler, der dem HSV jahrelang gefehlt hat

Bayern-Leihgabe Adrian Fein ist der zentrale Spieler, den der Hamburger SV lange gesucht hat. Er hat großen Anteil am sportlichen Aufschwung, aber an Fein wird auch deutlich, wie sich der HSV neu erfunden hat.
Von Tobias Escher
Adrian Fein: Hamburgs neuer Regisseur

Adrian Fein: Hamburgs neuer Regisseur

Foto: Peter Niedung/ NurPhoto via Getty Images

Adrian Fein trägt seine Heimat auf dem Körper. Auf seinem linken Unterarm hat er sich das Wappen der Stadt München tätowieren lassen, auf dem rechten Arm soll ein Tattoo der Alpen folgen.

Fein ist Münchner, in der Stadt ist er geboren, für die Stadt schlägt sein Herz, und er macht keinen Hehl daraus, dass sich seine Liebe nicht auf München als Stadt beschränkt. Seit er acht Jahre alt war, spielte er für den FC Bayern, zuletzt bei der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters. Aktuell ist er ausgeliehen an den Hamburger SV, doch sein Traum ist es, eines Tages für die erste Fußballmannschaft der Bayern zu spielen. Das betont er immer wieder .

Ein Zweitligakicker, der davon träumt, für den größten deutschen Klub aufzulaufen?

Das klingt nach Wunschdenken. Doch Fein, 20, empfiehlt sich aktuell für höhere Aufgaben. Als Spielgestalter vor der Abwehr hat er großen Anteil daran, dass der HSV in dieser Saison stabil auftritt wie seit Jahren nicht mehr. Beim 6:2 gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Samstag stellte er seine Klasse unter Beweis und erzielte das letzte Tor. Im erneuten Duell gegen Stuttgart im DFB-Pokal (18.30 Uhr; Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) hofft der HSV auf die nächste starke Leistung von Fein.

Der HSV als Zwischenstation

Der Mittelfeldspieler personifiziert den Wandel des Nordklubs. Viele Jahre sah sich der HSV größer, als er eigentlich war. Man verpflichtete Spieler wie Rafael van der Vaart, Lewis Holtby oder Pierre-Michel Lasogga und stattete sie mit teuren Verträgen aus. Spieler, die den HSV nicht als Zwischen-, sondern eher als Endstation ihrer Karriere betrachteten.

Das veränderte sich in diesem Sommer. Der neue Sportvorstand Jonas Boldt und Trainer Dieter Hecking achteten bei der Kaderzusammenstellung darauf, die richtige Mischung zu finden. Erfahrene Zweitligaprofis bilden das Gerüst, ergänzt wird der Kader mit aufstrebenden Jungprofis, die den HSV als Zwischenstation sehen, die ihre Karriere vorantreiben wollen. Der einst als Wunderkind gehandelte Sonny Kittel etwa - oder eben Fein.

Der Münchner ist unter Hecking sofort Stammspieler geworden. Das hat einen simplen Grund: Fein beherrscht als einziger HSV-Spieler den Part des defensiven Sechsers, der das Spiel aus der Tiefe leitet. Gerade auf dieser Position fehlte dem HSV jahrelang ein Spieler, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Fein ist nun dieser Spieler. Er ist der Regisseur des Hamburger Aufstiegs zu einem Topteam in Liga zwei - und möglicherweise auch der des Aufstiegs in die Bundesliga. Der HSV liegt derzeit mit 24 Punkten auf Platz eins und hat sechs Punkte Vorsprung auf Rang vier.

Fein, der Stratege

Was Fein besonders macht? Ihn zeichnet sein strategisches Gespür aus. Er zieht das Spiel an sich, bietet sich vor der Abwehr an, fordert Bälle und verteilt diese. Im Gedächtnis bleiben vor allem seine weiten Flugbälle, mit denen er das Spiel aus dem Zentrum auf die Flügel verlagert. Bei den Fans kommt so etwas gut an.

Doch Fein macht noch mehr für das HSV-Spiel: Er stopft im Spiel gegen den Ball Lücken, rückt bei eigenen Angriffen nach. Er ist der HSV-Spieler mit den meisten gelaufenen Kilometern, laut der Seite Whoscored.com  fing er die meisten gegnerischen Pässe ab und spielte nach Verteidiger Rick van Drongelen die zweitmeisten Pässe.

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Feins herausgehobene Rolle im HSV-Spiel entgeht auch den gegnerischen Scouts nicht. Praktisch jeder HSV-Gegner stellt aktuell einen Spieler für Fein ab. Stuttgarts Philipp Förster verfolgte ihn beim 2:6 konsequent. Es half wenig: Fein brachte trotzdem 86 Prozent seiner Zuspiele zum Mitspieler. Selbst wenn ihm ein Gegner im Nacken sitzt, ist sein erster Kontakt meist optimal. Feins Umgang mit der Manndeckung zeigt eine weitere Stärke: Er weiß bereits ziemlich gut, wann er sich anbieten muss und wann er sich aus dem Spiel herauszunehmen hat. Selbst wesentlich erfahrenere Mittelfeldspieler brauchen etliche Jahre, ehe sie das lernen.

Defensiv fehlt Fein die Geschwindigkeit

Technisch wie taktisch ist Fein exzellent ausgebildet. Die Frage lautet, ob er körperlich dem Profifußball gewachsen ist. Bei seiner vorherigen Leihstation Jahn Regensburg tat er sich schwer mit dem körperbetonten Spiel, das sein damaliger Trainer Achim Beierlorzer forderte. Beim HSV entwickelt er sich gerade in dieser Facette weiter, agiert körperbetonter.

Adrian Fein spielt inzwischen auch für die deutsche U21-Nationalmannschaft

Adrian Fein spielt inzwischen auch für die deutsche U21-Nationalmannschaft

Foto: Aitor Alcalde/ Getty Images for DFB

Sein großes Manko aber wird er kaum abstellen können: Fein fehlt die Schnelligkeit. Gegen den Ball füllt er den Sechser-Part nicht so herausragend aus wie mit dem Ball. Das System von Dieter Hecking kommt ihm in dieser Hinsicht entgegen. Der HSV spielt ruhig aus der Abwehr, will Ball und Gegner laufen lassen. Diese Spielphilosophie verfolgen auch die Bayern, und sie verfolgen auch die Entwicklung ihres Leihspielers.

"Wir sehen hier die Chance, dass eines unserer Talente nach überzeugenden Lehrjahren im Profifußball zum FC Bayern zurückkehrt und Mitglied unserer Mannschaft wird", sagte Sportchef Hasan Salihamidzic jüngst . "Er hat die Qualität, das zu schaffen." Aber noch ist das ein weiter Weg.

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