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Ärger bei Real Mourinho stellt sich und Özil ins Abseits

José Mourinho hat bei einer Pressekonferenz vor der Champions-League-Partie gegen AJ Auxerre für einen Eklat gesorgt. Der Coach könnte für Real Madrid zum Problem zu werden. Genauso wie für Mesut Özil und Sami Khedira, denen der Verlust des Stammplatzes droht.

Hamburg - José Mourinho war von Real Madrid als Retter verpflichtet worden. Der Trainer, der den "Königlichen" nach zweijähriger Durststrecke wieder zu Titeln verhelfen soll, macht sich jedoch immer unbeliebter. Vor dem Champions-League-Spiel des spanischen Rekordmeisters bei AJ Auxerre (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) legte sich der Portugiese mit der Presse an.

Auf mehrere Nachfragen nach dem Fehlen des Neuzugangs Pedro León geriet Mourinho in Wut und sagte: "Ihr fragt mich nach einem Pedro León, als ginge es um einen Zidane, Maradona oder Di Stéfano." Dann erklärte er die Pressekonferenz für beendet und verließ den Saal. Der 47-Jährige hatte den Mittelfeldspieler überraschend nicht in den Kader berufen, obwohl der 23-Jährige beim schwachen 0:0 am Samstag bei Aufsteiger UD Levante zu den besten Akteuren gehört hatte.

"Die Spekulation ist ein Problem des Journalismus", sagte Mourinho und verpasste ganz nebenbei dem Madrider Vorortclub FC Getafe eine Breitseite. "Pedro León ist ein vorzüglicher Spieler, aber vor kurzem hat er noch für Getafe gekickt." Auch über Trainerkollege Gregorio Manzano, der neue Coach des FC Sevilla, äußerte er sich despektierlich. "Wer ist Manzano? Ich kenne ihn nicht." Manzano ist seit zehn Jahren im Trainergeschäft der Primera División und war unter anderem für Atlético Madrid verantwortlich. Er hatte es gewagt, in einer Kolumne die Schwächen in Reals Angriff zu kritisieren.

Mourinho schädigt Reals Ansehen

"Real erhofft sich von Mourinho Titel, aber es ist zu befürchten, dass der Coach dem Club neue Feinde macht", schrieb die Sport-Tageszeitung "As". Das in Barcelona erscheinende Fachblatt "Sport" ging sogar noch weiter: "Dieser Mourinho ist nicht vorzeigbar. Mit seinen ständigen verbalen Entgleisungen zerstört er das Image von Real."

Der Portugiese ist in Madrid erst seit dieser Saison im Amt, aber er verschonte kaum jemanden mit seinen bissigen Äußerungen. Den deutschen Nationalspielern Mesut Özil und Sami Khedira warf er vor, kein Spanisch und nur wenig Englisch zu sprechen. Die Spieler von UD Levante bezichtigte er der Schauspielerei. Den kleineren Clubs der Primera División hielt er vor, dem Titelrivalen FC Barcelona die Punkte ohne Gegenwehr zu schenken.

All dies passt so gar nicht zu Real Madrids Image; der Verein hat sich immer als feiner und nobler Club verstanden. Kürzlich hatte Mourinho sogar die Clubführung in eine peinliche Lage gebracht: Er wollte für die portugiesische Nationalelf als Nothelfer einspringen und machte öffentlich Druck. Real-Chef Florentino Pérez lehnte ab.

Özil und Khedira mögliche Opfer der Torkrise

Noch wichtiger als der Ruf ist in Madrid aber spektakulärer Fußball mit möglichst vielen Toren - aber auch daran hapert es. "Taktisch haben wir keine Probleme. Uns fehlen nur die Torerfolge", sagte Mourinho nach dem torlosen Remis bei Levante. Lediglich fünf Treffer brachte Madrid in den ersten fünf Ligaspielen zustande - die schwächste Torausbeute seit sechs Jahren. Unter Mourinhos Vorgänger Manuel Pellegrini waren es vor einem Jahr noch 16 gewesen. Erstaunlich ist dabei, dass die Angreifer häufiger aufs Tor schießen als die Stürmer aller anderen spanischen Clubs: Bislang 105-mal in dieser Saison.

Ein Opfer der Torkrise könnte nun Özil werden. Nach der unbefriedigenden Trefferquote hat Mourinho den Franzosen Karim Benzema für das Spiel gegen Auxerre in die Startelf beordert, um damit den Angriff zu stärken. Das hieße, dass entweder Gonzalo Higuaín oder Özil weichen müsste. Dem ehemaligen Bremer, der vor zwei Wochen von der spanische Presse noch als zukünftiger Superstar gefeiert wurde, wird nun attestiert, er übernehme zu wenig Verantwortung, verstecke sich als Spielmacher und liefere keine konstant guten Leistungen.

Noch härter wurde Sami Khedira kritisiert, der gegen Auxerre wohl ebenfalls auf der Bank platz nehmen wird. Dem früheren Stuttgarter wird fehlende Qualität im Spielaufbau vorgeworfen. Özil und Khedira waren nach der Partie gegen Levante und dem Sturz von der Tabellenspitze von "As" mit der Note fünf abgestraft, Khedira zudem als schlechtester Spieler auf dem Platz bezeichnet worden.

mxr/dpa/sid
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