Nach Aus im Afrika-Cup Ägyptens Verbandsboss feuert Trainer und tritt zurück

Gastgeber und Rekordsieger Ägypten ist beim Afrika-Cup im Achtelfinale gescheitert. Der Trainer spricht von einer "traurigen Nacht", personelle Konsequenzen folgten prompt.

Mohamed Salah schleicht nach dem Aus im Achtelfinale vom Platz
Hassan Ammar/AP

Mohamed Salah schleicht nach dem Aus im Achtelfinale vom Platz


Tränen flossen, im Stadion von Kairo herrschte bedrückte Stille, als die Spieler von Ägyptens Nationalmannschaft am späten Samstagabend aus dem Stadion schlichen. Nach einer 0:1-Niederlage gegen Südafrika ist Gastgeber und Rekordsieger Ägypten beim Afrika-Cup im Achtelfinale gescheitert. Den Siegtreffer hatte Thembinkosi Lorch (85. Minute) erzielt.

Die ersten personellen Konsequenzen folgten prompt. Der ägyptische Fußballverband (EFA) entließ seinen mexikanischen Nationaltrainer Javier Aguirre, der die Nationalmannschaft erst nach der WM-Blamage im August 2018 übernommen hatte. "Ich bin verantwortlich. Ich bin der, der die Spieler auswählt, über die Einwechselungen entscheidet und den Plan aufstellt", hatte der Mexikaner nach dem Spiel gesagt.

Nur Stunden später erklärte Verbandspräsident Hani Abu Raida seinen Rücktritt und rief zudem sämtliche Mitglieder des EFA-Vorstands zum Rücktritt auf. Er empfinde eine "moralische Verantwortung", nachdem man Ägyptens Fans "enttäuscht" habe.

"Millionen von Menschen bitter enttäuscht und blamiert"

Raida war es, der Mittelfeldspieler Amr Warda, dem sexuelle Belästigung in mehreren Fällen vorgeworfen wird, nach dessen Suspendierung für die Vorrunde für die K.o.-Runde begnadigt hatte. Warda wurde im Spiel gegen Südafrika in der 64. Minute eingewechselt. (Lesen sie hierzu: Wie der Fußball in Ägypten eine Debatte über sexuelle Belästigung ausgelöst hat)

Ägypten hatte den Afrika-Cup zuvor siebenmal gewonnen, das Team um Champions-League-Sieger Mohamed Salah war auch in diesem Jahr als Favorit an den Start gegangen. Ein Jahr nach einer WM, bei der Ägypten alle drei Partien der Vorrunde verloren hat, war das Aus beim Kontinentalturnier offenbar der nötige Anlass für einen Umbruch.

"Unser Team hat Millionen von Menschen bitter enttäuscht und blamiert", schrieb die Tageszeitung "Al-Akhbar". Von "katastrophalen Fehlern" schrieb die Zeitung "Al-Watan" und titelte: "Unser Traum ist in Rauch aufgegangen."

Auch Titelverteidiger Kamerun ist raus

Der Gastgeber war nicht das einzige hoch gehandelte Team, das früher als erwartet aus dem Afrika-Cup ausschied. Bereits am Freitag hatte Außenseiter Benin Mitfavorit Marokko bezwungen. Tags darauf scheiterte auch Titelverteidiger Kamerun in der Runde der letzten 16 Mannschaften. Das Team des ehemaligen niederländischen Nationalspielers Clarence Seedorf verlor mit 2:3 (1:2) gegen Nigeria mit dem deutschen Trainer Gernot Rohr.

Odion Ighalo (19.) brachte Nigeria in Führung. Stephane Bahoken (41.) und Clinton N'Jie (44.) drehten die Partie noch vor der Pause. Nachdem Ighalo (63.) freistehend per Direktabnahme ausglich, sorgte Arsenal-Stürmer Alex Iwobi (66.) nur drei Minuten später für die Entscheidung. Die Super Eagles treffen im Viertelfinale nun auf Südafrika.

sak/sid/dpa



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