Afrika-Cup Fußball beim lupenreinen Autokraten

Äquatorialguinea richtet den Afrika-Cup aus - ein Land, das seit mehr als 35 Jahren von Teodoro Obiang diktatorisch regiert wird. Kritik aus der Fußballwelt am Gastgeber gibt es dennoch kaum.

AP

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Während die Kritiker noch mit dem Finger auf den Gastgeber der Handball-WM Katar zeigen, hält sich die Empörung über einen anderen Ausrichter dieser Tage bisher in Grenzen.

Äquatorialguinea ist ab Samstag Ausrichter des 30. Afrika-Cups - ein Land, das seit 1979 von dem Diktator Teodoro Obiang unnachgiebig regiert wird und in dem nach Angaben von Menschenrechts-Organisationen wie Amnesty International Oppositionelle schikaniert und gefoltert werden.

Obiang stand bereit, nachdem Marokko die Ausrichtung des Turniers aus Sorge um die Ausbreitung des Ebola-Virus verweigert und um Verlegung gebeten hatte. Da der afrikanische Fußballverband Caf mit Präsident Issa Hayatou die Veranstaltung aber um jeden Preis wie geplant durchziehen wollte, bekam Äquatorialguinea den Zuschlag. Das Land war vor drei Jahren bereits Co-Gastgeber, die Infrastruktur und die Stadien waren also vorhanden.

Und Hayatou, als Fifa-Vizepräsident ein enger Vertrauter von Fifa-Boss Joseph Blatter, strebt für dieses Jahr die nächste Amtszeit als Caf-Chef an, obwohl er den Verband bereits seit 1988 führt. Eine Verschiebung des prestigeträchtigen Afrika-Cups wäre ihm da gar nicht gelegen gekommen.

Dass Obiangs Äquatorialguinea in der englischen Presse auch das "Auschwitz of Africa" genannt wird, dass Obiang bei den vergangenen Wahlen in manchen Orten eine Zustimmung von 103 Prozent erhielt, dass sich der Präsident in dem Ölland Äquatorialguinea vor allem selbst bereichert hat, dass sich Obiangs Sohn, offiziell Forstwirtschaftsminister des Landes und als Nachfolger seines Vaters ausersehen, wie ein Dandy aufführt, der einst an einem einzigen Party-Wochenende in Südafrika mal eine dreiviertel Million Euro durchgebracht haben soll und am liebsten in Europa und den USA mit seinem Maserati durch die Gegend cruist - all das hat die Caf und die Fifa relativ wenig gestört.

Regime-Gegner kurz vor dem Cup festgenommen

Der Cup sollte und musste stattfinden, oder wie Hayatou es formuliert: "Eine Verschiebung wäre tödlich für Afrika. 57 Jahre lang haben wir dieses Haus gebaut, das heute der Stolz aller Afrikaner ist." Otto Pfister, der lange Jahre als Trainer in Afrika gearbeitet hat, würde es weniger blumig ausdrücken, aber kann schon nachvollziehen, warum der Caf-Boss so auf die Veranstaltung gedrängt hat: "Für den Mann auf der Straße ist der Cup populärer als die Weltmeisterschaft, er hat ein unglaubliches Prestige. Alle sitzen vor dem Fernseher oder dem Radio, keiner ist dann auf der Straße", sagt der heute 77-Jährige, der viermal mit diversen Nationalteams am Afrika-Cup teilnahm.

Kurz vor dem Eröffnungspiel am Samstag, das der Gastgeber gegen Kongo austrägt, wurden im Land zwei Regime-Gegner festgenommen, die zum Boykott der Spiele aufgefordert hatten. Internationale Vorwürfe hat das staatliche Pressebüro dennoch in Gänze als "absurde Anschuldigungen" zurückgewiesen.

So rücken die sportlichen Belange bei diesem Cup zwangsläufig in den Hintergrund, zumal da die Ebola-Thematik weiter wie ein Gespenst über dem Turnier schwebt. Obiang hat scharfe Gesundheitskontrollen angekündigt, um ein Ausbreiten des westafrikanischen Virus auf sein Land und das Turnier zu verhindern.

Sieben Bundesligaprofis in Afrika dabei

Trotzdem wundert sich nicht nur der frühere Profi Lutz Pfannenstiel, Weltreisender in Sachen Fußball und in seiner Karriere auch jahrelang in Afrika aktiv, dass man nach der Absage von Marokko "nun noch näher an den Ausbruchsherd herangeht", schließlich sei "die Gesundheit von Millionen doch wichtiger als ein Fußballturnier". Offenbar nicht für jeden.

Bis zum 8. Februar, wenn das Endspiel in Bata stattfindet, wird gespielt, sieben Bundesligaprofis sind ebenfalls dabei und fehlen ihren Klubs daher zum Rückrundenstart, darunter der Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun), Herthas Salomon Kalou (Elfenbeinküste) und Schalkes Eric Maxim Choupo-Moting (Kamerun).

Dagegen fehlt ein Spieler, der Afrikas Fußball über Jahre geprägt hat. Der alternde Samuel Eto'o wurde von Trainer Volker Finke nicht ins Team Kameruns berufen. Der 66-jährige Finke will Kameruns Auswahl verjüngen, da hat der 33-jährige Eto'o keinen Platz mehr. Nicht allen in Kamerun gefällt das.

Als Favoriten gelten aber ohnehin andere Teams: allen voran Algerien. Joachim Löw und seine Nationalmannschaft haben im Sommer gemerkt, wie stark die Nordafrikaner derzeit sind. Aber auch Ghana, der Senegal und die Elfenbeinküste hoffen auf den großen Coup.

Die Begeisterung der Fans wird die politischen Haupt- und Nebengeräusche mutmaßlich ab Samstag übertönen - auch wenn die Opposition aufgerufen hat, die Stadien bewusst nicht aufzusuchen. Aber auch für diesen Fall hat Obiang vorgesorgt: 40.000 Tickets hat er selbst aufgekauft, wie er verlauten ließ, "aus eigener Tasche, um den Armen im Land die Chance zum Stadionbesuch zu geben".

Was für ihn keine übermäßige finanzielle Anstrengung bedeuten dürfte: Sein Privatvermögen wird auf gut 600 Millionen Dollar geschätzt.

Mit Material von dpa und sid

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Trainspotter 17.01.2015
1. Tickets
Die Tickets hat er bestimmt nicht gekauft, um sie als ehrenwerter Mensch an die arme Bevölkerung (an der er übrigens selber Schuld trägt) zu verteilen, sondern um die Stadien zu füllen, um dann von einem Erfolg zu sprechen.
Orthoklas 17.01.2015
2. da stimmt was nicht, lieber SPON
Seit 1979 regiert der Mann also - das sind bei mir aber nicht 45 Jahre...
silberstern 17.01.2015
3. warum so negativ?
Die Winterspiele in Sochi wurden auch von einem Wahlbetrüger und Diktator durchgeführt, in dessen Land gefoltert und gemordet wird. Unsere Elite bereichert sich auch hemmungslos und fährt u.a. in Maseratis durch Europa und die USA. Wurden zur Fußball WM 2006 Karten an Bürger verteilt die sich das nicht leisten konnten? Das Land ist eines der Reichsten in Afrika, angeblich gibt es keine Arbeitslosigkeit, die Staatsverschuldung ist extrem niedrig, es werden gerade mal 0.1% des Staatshaushaltes fürs Militär ausgegeben, dafür wird in die Infrastruktur massiv investiert. Es herrscht seit Jahrzehnten Frieden. Achja Einkommen und Eigentum sind sehr ungleich verteilt. Aber das ist bei uns ja auch nicht anders.
cdwolff 17.01.2015
4.
Bitte mal die 45 Jahre nachrechnen :-)
isolde.duschen 17.01.2015
5.
"Was für ihn keine übermäßige finanzielle Anstrengung bedeuten dürfte: Sein Privatvermögen wird auf gut 600 Millionen Dollar geschätzt." Darüber kann ein gewisser Herr Maschmayr nur müde lächeln.
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