Afrika-Cup Große Hoffnungen, kleine Probleme

Nie zuvor bekam ein Afrika-Cup so viele Vorschusslorbeeren wie der morgen beginnende in Ägypten. Ambitionierte Gastgeber und viele Topstars aus Europa lassen ein großartiges Turnier erwarten. Allerdings gibt es auch die üblichen Querelen im Vorfeld.


Wenn an diesem Freitag in Ägyptens Hauptstadt Kairo der Afrika-Cup beginnt, dann stehen einige Rekorde schon fest: Nie zuvor hatten sich für dieses Turnier mehr Journalisten akkreditiert, nie waren die Fernseheinnahmen für einen Kontinentalverband größer als jetzt. Auch diese Anzahl von Profis, die ihr Geld in europäischen Ligen verdienen, gab es bisher nicht - insgesamt wird in Ägypten ein ungekannter Aufwand betrieben.

Stürmer Drogba: Guter Start ins WM-Jahr
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Stürmer Drogba: Guter Start ins WM-Jahr

Allerdings ist auch einiges beim Alten geblieben: Wieder einmal gab es bei einem Landesverband Streit ums Geld für die Spieler, diesmal war das in Togo der Fall. Die Profis traten am Dienstag kurzerhand in einen Streik. Sie konnten sich mit ihren Funktionären nicht über die Höhe ihrer Prämien einigen und weigerten sich, das Flugzeug nach Ägypten zu besteigen. Mit Sicherheit wird man sich wieder kurzfristig noch einigen, und das Team kann am Samstag ordnungsgemäß sein Auftaktspiel gegen den Kongo bestreiten.

Doch diese kleine Störung sollte der Klasse der afrikanischen Kontinentalmeisterschaft nicht abträglich sein. Denn bis auf den verletzten Micael Essien vom FC Chelsea sind alle großen Stars nach Ägypten gekommen. Die einen, wie Stürmer Didier Drogba, Kolo Toure (Elfenbeinküste), Stephen Appiah und Sammy Kuffour (Ghana) oder Emmanuel Adebayour (Togo) sind vor allem hier, um einen guten Start ins WM-Jahr hinzubekommen.

Die anderen wie Samuel Eto'o (Kamerun) oder Obafemi Martins und Jay-Jay Okocha (Nigeria), um sich für die verpasste WM-Qualifikation zu rehabilitieren. "Die Menschen in Kamerun sind sehr enttäuscht über unser Verpassen der WM", sagte Eto'o vom FC Barcelona, "jetzt haben wir den Druck, den Afrika-Cup nach Hause zu bringen, wir müssen Afrika erobern".

Für den 32-jährigen Augustine "Jay-Jay" Okocha, der vor zwei Jahren in Tunesien 2004 zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, geht es gar darum, einen würdevollen Abschied von der internationalen Bühne zu finden. Bei den Bolton Wanderers in der Premier League muss er mittlerweile um seinen Stammplatz kämpfen. Französische Medien hatten berichtet, dass der Nigerianer deswegen einen angeblich fantastisch dotierten Vertrag beim saudi-arabischen Club Al-Ittihad unterschrieben hätte - was die Saudis prompt dementierten.

Auf jeden Fall wird Okocha nach diesem Wettbewerb in Ägypten nicht mehr für die nigerianische Nationalmannschaft spielen. "Das ist eine Chance, mich noch einmal bei den Fans für die Unterstützung während all der Jahre zu bedanken", erklärte der Mann, der im Trikot von Eintracht Frankfurt 1993 das "Tor des Jahres" in Deutschland geschossen hatte. "Wir haben eine sehr gute Chance, den Nations-Cup zu gewinnen. Das ist unser Ziel", so Okocha.

Nigeria spielt in der attraktiven Gruppe D mit dem starken WM-Teilnehmer Ghana, Außenseiter Zimbabwe und den mit Profis aus England und Frankreich gespickten Senegalesen. Den martialischen Titel "Todesgruppe" vergaben die Afrikaner allerdings an die Gruppe A mit dem ambitionierten Gastgeber Ägypten, Marokko sowie der Elfenbeinküste. Libyen hat angesichts dieser starken Konkurrenz nur minimale Außenseiterchancen. Und für den Gastgeber scheinen die Chancen aufs Viertelfinale gering, vielleicht hilft dem Team aber der Heimvorteil. Denn neun Mal hat das Austragungsland des Afrika Cups auch das Turnier gewonnen, Ägypten bestreitet morgen die Eröffnungspartie gegen Libyen (18 Uhr). Gespielt wird neben Kairo in Alexandria, Ismailia und Port Said.

Ägypten setzt auf den Heimvorteil

Die im Gegensatz zu Ägypten für die Weltmeisterschaft qualifizierten Mannschaften aus Togo und Angola gelten hingegen selbst bei diesem Turnier als Außenseiter. Sie treffen in Gruppe B auf Kamerun und die Republik Kongo - wenn beide ausscheiden, würde das nur wenige überraschen.

Zu den Anwärtern auf den Turniersieg zählt außerdem Titelverteidiger Tunesien, während die Südafrikaner, die zu den großen Fußballnationen Afrikas gehören, nicht einzuschätzen sind. Sie bauen nach der verpassten WM-Qualifikation eine neue junge Mannschaft für die WM 2010 im eigenen Land auf. Fixpunkt ist dabei der Bielefelder Bundesligaprofi Sibusiso Zuma, um den Spieler aus der südafrikanischen Liga geschart werden.

Selten war ein Afrika Cup so offen wie jetzt in Ägypten. Rund zehn Teams haben reelle Chancen auf den Sieg, und das macht Hoffnung auf eine gute Qualität der Spiele. Die war in den vergangenen Jahren für das verwöhnte europäische Auge eher dürftig, selbst technisch versierte Mannschaften wie Kamerun und Nigeria spielten unansehnlichen, bisweilen unkontrollierten Fußball. Und nahezu alle Mannschaften agieren traditionell sehr hart. Aber da sich die Qualität der Organisation europäischen Verhältnissen annähert, wird in diesem WM-Jahr vielleicht auch der Fußball ein bisschen besser.



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