Senegal holt erstmals den Afrika-Cup »Ich habe viele Titel gewonnen, aber dieser ist die Nummer eins«

Ägypten versus Senegal – ein packendes Endspiel: Mohamed Salah vergoss Tränen. Sadio Mané verschoss einen seiner zwei Elfmeter. Und jubelte am Ende doch.
Sadio Mané: »Der beste Tag meines Lebens«

Sadio Mané: »Der beste Tag meines Lebens«

Foto: CHARLY TRIBALLEAU / AFP

Sadio Mané war verschwunden. Nachdem Senegals Starspieler den entscheidenden Elfmeter verwandelt und die Nation zum Afrika-Cup-Sieger gemacht hatte, begruben ihn die Mitspieler unter sich, acht, neun, zehn Athleten türmten sich über dem am Boden liegenden Angreifer.

Einige Momente später, als er wieder frei war, weil die jubelnden Teamkollegen weiterzogen, sah man auf den TV-Bildern, wie Mané über den Rasen des Stadions in Kameruns Hauptstadt Yaoundé schritt. Er suchte Ägyptens Ausnahmespieler Mohamed Salah.

Mané legte einen Arm um Salah. Er kam ihm ganz nah, und dann sprach er ihm etwas ins Ohr, vier, fünf, sechs Sekunden lang.

Mané und Salah nach dem Endspiel

Mané und Salah nach dem Endspiel

Foto: FOOTOGRAFIIA / EPA

Sadio Mané und Mo Salah kennen sich bestens, sie sind Teamkollegen beim FC Liverpool, gemeinsam gewannen sie die Champions League, die Meisterschaft, legten einander etliche Tore auf.

In Yaoundé waren sie nun erstmals Gegner. Die beiden größten, besten Spieler des Kontinents, die Anführer ihrer Teams, im direkten Duell.

0:0 hieß es im Endspiel des Afrika-Cups nach 90 und 120 Minuten, im Elfmeterschießen setzte sich Senegal 4:2 durch, Mané traf, Salah nicht – er war als fünfter Schütze der Ägypter vorgesehen, kam aber nicht mehr dran.

»Das ist wichtiger als alles andere«

»Ich habe viele Titel gewonnen, aber dieser hier ist die Nummer eins«, sagte Mané nach dem Finale. »Der erste Titel mit meinem Land, das ist wichtiger als alles andere. Das ist der beste Tag meines Lebens.«

Zweimal schon waren die Senegalesen im Finale des Wettbewerbs. 2002 unterlagen sie Kamerun im Elfmeterschießen. Und 2019, bei der vergangenen Austragung, unterlagen sie Algerien in Kairo 0:1. Vor jenem Endspiel hatte Mané die Champions League gewonnen. Schon damals sagte er, er würde den Königsklassentitel eintauschen gegen den beim Afrika-Cup. Nun hat Mané seinen Pokal mit Senegal, es ist das erste Mal überhaupt, dass die Nation einen großen internationalen Titel gewinnt.

Senegals Cheikhou Kouyaté

Senegals Cheikhou Kouyaté

Foto: SFSI / imago images/Sebastian Frej

Senegal ist ein würdiger Gewinner, daran dürfte niemand zweifeln. In der Gruppenphase tat sich das Team noch schwer, es verlor zwar keine Partie, gewann aber auch nur eine, mit 1:0 Toren und fünf Punkten zog es in die K.-o.-Phase ein. Dort aber räumte es die Gegner aus dem Weg, 2:0 gegen Kap Verde, 3:1 gegen Äquatorialguinea, 3:1 gegen Burkina Faso.

Ägypten gewann ab dem Achtelfinale keine seiner Partien nach 90 Minuten. Marokko wurde nach Verlängerung geschlagen, die Partien gegen die Elfenbeinküste und Kamerun wurden im Elfmeterschießen entschieden.

Überragender Mann war dabei Torwart Gabaski gewesen, der 33-Jährige schwang sich zum Elfmeterhelden auf und war der mit Abstand beste Keeper des an starken Keepern reichen Turniers. Auch im Endspiel parierte er einen Strafstoß in der regulären Spielzeit, in der 7. Minute schon: gegen Sadio Mané. Im Elfmeterschießen wehrte er den Versuch von Bayern-Profi Bouna Sarr ab.

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Während des Elfmeterschießens nutzte Gabaski eine Wasserflasche, auf die viele kleine Zettelchen geklebt waren. Nach dem Spiel ließ er die Flasche offenbar liegen, ein Journalist schnappte sich das Gefäß und filmte es. Zu sehen waren Namen und Rückennummern der senegalesischen Fußballer, ein Tor und darin Markierungen – offenbar zeigten die Zettel dem Keeper, wohin die Schützen zuletzt ihre Elfmeter geschossen hatten.

Gabaski, der nicht etwa bei einem europäischen Champions-League-Klub spielt, sondern in der ägyptischen Heimat, schien nach Abpfiff untröstlich, mit Tränen in den Augen wurde er dann zum Interview gebeten – er musste die Auszeichnung als Spieler des Spiels entgegennehmen.

Wie es sich anfühle, die Auszeichnung zu erhalten, wurde er dann tatsächlich gefragt. Die Antwort kann man sich denken.

Sein Gegenüber, Édouard Mendy vom FC Chelsea, war naturgemäß glücklicher, als er zum Interview gebeten wurde. Wie einst Mané hatte nun auch Mendy kürzlich die Champions League gewonnen, mit Thomas Tuchel triumphierte er im vergangenen Sommer. Gegen Ägypten parierte er einen Elfmeter, das genügte zum Sieg.

»Wir sind stolz«, sagte er. »Wir haben noch nie gewonnen. Wir haben wirklich hart für diesen Titel gearbeitet, und jetzt haben wir ihn geholt, als Gruppe und als Land.«