Der Abstieg des Urgesteins Alemannia Aachen vor ungewisser Zukunft

28 Jahre spielte Alemannia Aachen in der zweiten Liga und bestritt 1020 Partien. Damit ist der "Dino" Spitzenreiter der ewigen Zweitligatabelle. Nach dem Abstieg ist der Mythos in Gefahr. Die Alemannia steht vor einem kompletten Neuaufbau in den Niederungen des Fußballs.

Ratlose Aachener: Abstieg in die dritte Liga
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Ratlose Aachener: Abstieg in die dritte Liga


Hamburg - Das Positive vorweg: Die Tabellenführung wird Alemannia Aachen so schnell nicht abgeben. Nach 28 Jahren und 1020 Spielen in der zweiten Bundesliga hat die Alemannia in der ewigen Tabelle 105 Punkte Vorsprung auf den direkten Verfolger Fortuna Köln, der mittlerweile in den Niederungen der Regionalliga verschwunden ist. Damit erschöpfen sich allerdings die guten Nachrichten. Nach dem Abstieg in die dritte Liga steht Aachen vor einer ungewissen Zukunft. Dem Zweitliga-"Dino" droht sogar ein ähnlicher Absturz wie den kleinen Kölnern.

Schuld ist das Stadion, das noch vor drei Jahren als stolzes Zeichen des Aufbruchs eröffnet worden war. Heute ist der moderne Tivoli ein teurer Klotz am Bein, 50 Millionen Euro hat die Arena gekostet. Zu viel Geld für einen Verein im Tabellenkeller der zweiten Liga, wo die Fernsehgelder knapp und der Zuschauerzuspruch weit von der Auslastung entfernt ist. Trotz der katastrophalen Saison mit drei Trainern, Platz 17 und nur 31 Punkten nach 34 Spielen, kamen dennoch mehr als 18.000 Zuschauer.

Albert Streit hat nur elf Partien für die Alemannia bestritten, die Bedeutung des Clubs für die Stadt und die Anhänger dennoch begriffen. "Das ist bitter und traurig. Die Fans weinen, weil sie mit ganzem Herzen an dem Verein hängen", sagte der Kapitän, der gemeinsam mit dem früheren Nationalspieler David Odonkor die prominenteste Flügelzange der zweiten Liga bildete.

Streit und Odonkor - zwei große Namen, die in dieser Saison den Abstieg verhindern sollten. Friedhelm Funkel ist auch solch ein klangvoller Name, aus der Bundesliga bekannt als Ex-Trainer von Uerdingen, Duisburg, Rostock, Köln, Frankfurt, Berlin und Bochum. Funkel erlebte das bittere Ende mit dem unnützen Sieg gegen 1860 München nicht mehr mit. Er war durch Ralf Aussem ersetzt worden. "Vielleicht ist er zu spät gekommen. Wie wir unter ihm gespielt haben - das war richtig gut", sagte Odonkor. Aussem würde gerne bleiben, ob er darf ist noch nicht geklärt.

Ein kompletter Neuaufbau steht bevor

Denn der Alemannia fehlt ab sofort auch ein Geschäftsführer. Erik Meijer, der zuvor schon Spieler und Co-Trainer in Aachen war, wird den Verein vorzeitig verlassen. Aufsichtsratsvorsitzender Meino Heyen meinte, dass "ein personeller Neuanfang das Beste wäre".

So werden voraussichtlich auch WM-Held Odonkor und der frühere Bundesligaprofi Streit den Weg in die dritte Liga nicht mitgehen, auch wenn Streit sagt: "Jeder muss sich nun an die eigene Nase fassen, denn jeder hat etwas zu dieser Situation beigetragen." Das Geld, um die beiden Stars zu halten, ist allerdings nicht vorhanden. Ein kompletter Neuaufbau steht bevor.

Bereits 2010 stand die Alemannia vor der Insolvenz und konnte nur durch eine Bürgschaft der Stadt gerettet werden. Damals hofften die Verantwortlichen auf den Wiederaufstieg in die Bundesliga - heute steht mehr auf dem Spiel. Die Rückkehr des Urgesteins in die zweite Bundesliga ist auch auf Dauer fraglich. Die Tabellenführung ist in Gefahr. Trotz des komfortablen Vorsprungs auf die Verfolger.

csp/sid



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