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19. November 2012, 11:19 Uhr

Alemannia Aachen

Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung

Hat die Alemannia ihren Insolvenzantrag mit Absicht herausgezögert? Nach einer eingegangenen Strafanzeige ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Aachen. Nach Medienberichten wusste die Club-Führung schon im April von der prekären Finanzsituation.

Hamburg - Der Pressespiegel auf der Homepage von Alemannia Aachen ist verwaist. Kein Wunder, denn Positives gibt es von dem Traditionsclub derzeit nicht zu berichten. Insolvenz musste der Fußball-Drittligist schon anmelden, nun droht weiterer Ärger: Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Den Eingang einer entsprechenden Strafanzeige bestätigte Oberstaatsanwalt Robert Deller.

Die Ermittlungen sollen laut Deller klären, "ob das Insolvenzverfahren rechtzeitig oder verspätet" eingeleitet worden ist. Über die voraussichtliche Dauer der Untersuchungen gegen die Alemannia, die für diese Woche wegen einer Liquiditätslücke von 4,5 Millionen den Gang in die Insolvenz angekündigt haben, machte Deller keine Angaben.

Seinen Aussagen zufolge seien Personen aus den Aachener Führungsgremien "noch nicht" Gegenstand der Ermittlungen. Auf Insolvenzverschleppung steht eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis oder eine Geldstrafe.

Angeblich wusste die Club-Führung schon im April von der prekären Lage

Parallel zur Aufnahme der Ermittlungen berichten die "Aachener Nachrichten" sowie die "Aachener Zeitung", dass der Alemannia-Aufsichtsrat deutlich früher von der prekären Finanzlage des früheren Europacup-Teilnehmers als bislang bekannt gewusst habe. Demnach soll ein als Steuerberater tätiges Gremiumsmitglied seine Kollegen schon im April per E-Mail vor dem drohenden "Desaster" gewarnt haben.

Seine Voraussage, so der Finanzexperte, sei eine Schlussfolgerung aus den Planungen des inzwischen geschassten Geschäftsführers Frithjof Kraemer für den später eingetretenen Fall des Abstiegs in die dritte Liga gewesen. "Die jetzt noch nicht gelegten Fundamente für die kommende Saison können uns bald alles kosten", hieß es in der E-Mail. Einsparungen in der notwendigen Höhe könnten kaum gelingen.

Hintergrund von Aachens finanziellen Probleme sind neben dem Zweitliga-Abstieg besonders die Kosten für den Neubau des Tivoli-Stadions.

leh/sid

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