Ferguson-Biografie Eine Legende dreht durch

Alex Ferguson ist wieder da: Mit seiner Autobiografie hat der langjährige Starcoach von Manchester United seinen kurzen Ruhestand jenseits der Öffentlichkeit beendet. Dafür opfert er den Ruf einiger früherer Schützlinge - und schadet damit sich selbst.

United-Ikone Ferguson: "Er weiß nicht, was Loyalität bedeutet"
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United-Ikone Ferguson: "Er weiß nicht, was Loyalität bedeutet"

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Sir Alex Ferguson hat 27 Jahre lang an der Seitenlinie von Manchester United Stress gehabt. Den größtmöglichen Stress, er war Teammanager eines der renommiertesten Vereine der Welt, immer von der Öffentlichkeit beäugt, immer unter Druck, immer zum Erfolg verdammt.

Jetzt ist er 71 Jahre alt, Ruheständler, er hätte jetzt Muße und Zeit. Zeit zum Beispiel dafür, in aller Ruhe ein gutes Buch zu lesen. Und was macht er? Statt ein Buch zu lesen, schreibt er eines. In dem er zahlreiche seiner Schützlinge aus den langen United-Jahren genüsslich abwatscht. Und dadurch wieder die Aufmerksamkeit auf seiner Seite hat, ohne die auch der Ruheständler Ferguson offenbar nicht leben kann.

David Beckham, Roy Keane, Wayne Rooney: Es sind die Ikonen der jüngeren United-Geschichte, die Ferguson in seiner Autobiografie der Reihe nach zu entzaubern versucht. Beckham - am Ende nur noch ein Instrument in Händen von Werbe-Fuzzies und Pop-Agenten. Keane, der langjährige Kapitän und Leader von United, "mit der schlimmsten Ausdrucksweise, die man sich vorstellen kann".

Sein Ego ließ es nicht zu, zu schweigen

Und Rooney erscheint als ein Rohling, ein Kind gebliebenes Dummchen. Dass der englische Stürmer nicht die allerhellste Kerze am Weihnachtsbaum ist, mag zwar hinlänglich bekannt sein. Dies schwarz auf weiß von dem einstigen eigenen Trainer zu lesen, für den man unzählige Tore erzielt hat, ist dennoch alles andere als schön.

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Alex Ferguson: Ein Mann, Dutzende Titel
Ferguson hätte über all das schweigen können, wie man es bei jemand mit einem Sir-Titel vermuten sollte. Aber das lässt sein Ego offenbar nicht zu. Der 71-Jährige hat die Öffentlichkeit immer genossen, er konnte schon als Coach nicht loslassen, hat seinen Vertrag bei United wieder und wieder verlängert. Er, der sich aus den einfachsten Glasgower Verhältnissen auf die ganz große Fußballbühne empor gearbeitet hat, hat das Scheinwerferlicht gebraucht. Und er braucht es bis heute. Dafür haut er dann auch ein paar seiner besten Spieler in die Pfanne. Und schadet damit denen wahrscheinlich weniger als sich selbst.

Schon einen Tag nach der Vorstellung von "My Autobiography" wird zurückgeschossen. Keane stellt im Fernsehsender ITV fest: "Ferguson kennt die Bedeutung des Wortes Loyalität nicht." Seine ehemaligen Spieler zu kritisieren, sei schon "sehr, sehr merkwürdig", sagt der 42-jährige Ire, mittlerweile selbst Trainer und im Ton ähnlich raubeinig wie der Schotte Ferguson.

Viele dieser von Ferguson jetzt attackierten Spieler hätten "ihm geholfen, zahlreiche Trophäen zu gewinnen". Offenbar gehöre es mittlerweile "zum modernen Leben dazu, Bücher zu schreiben und ehemalige Spieler zu kritisieren". Ihn persönlich, so der Ire, berührten die Anwürfe Fergusons nicht. "Ich werde dadurch sicher keine schlaflose Nacht haben."

Druck auf Moyes ist jetzt schon hoch

Fergusons Nachfolger David Moyes könnte das anders gehen. Der neue Coach hat den Saisonstart mit United mehr oder weniger verpatzt, der Meister liegt nach acht Spieltagen nur auf einem unbefriedigenden achten Rang, schon acht Punkte hinter Spitzenreiter FC Arsenal, vier Punkte hinter Moyes' Ex-Verein, dem FC Everton. Punktgleich mit dem Neuling Hull City. Eine kleine Demütigung.

Moyes kann vor der Champions-League-Partie gegen Real Sociedad San Sebastián (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nichts weniger gebrauchen als ein Störfeuer des großen Vorsitzenden, der bei United über sein Aufsichtsratsmandat noch immer mitregiert. Man kann wetten, wie lange es dauert, bis die ersten nach einer Rückkehr des alten Schotten rufen.

Man hört denn auch geradezu, wie sich Moyes vor lauter vornehmer Zurückhaltung bei jedem Wort auf die Zunge beißt, mit dem er Fergusons Ausflug in die Welt der Literatur kommentiert. "Alex Ferguson kann machen, was er möchte", wird er im "Telegraph" zitiert. "Sicherlich wird jeder in Old Trafford es lieben zu hören was er zu sagen hat - zumindest die Fans werden es bestimmt tun."

Ferguson sei "jemand mit großer Erfahrung und Kenntnis. Von daher bin ich sicher, wird jeder es genießen, das Buch zu lesen". Ob er selber denn schon einen Blick in das Werk geworfen habe, wurde Moyes gefragt. "Nein, ich werde es tun, wenn die Zeit dafür gekommen ist."

Wenn die Dinge so weiterlaufen, wie sie laufen, könnte Moyes bald ausreichend Zeit haben, das Buch zu lesen. Möglicherweise dann wieder mehr Zeit als Ferguson.



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Seite 1
Thomas Kossatz 23.10.2013
1. optional
So, einer ist ein Dummy, der andere flucht unflätig und der Dritte ist eine armseelige Marionmette von Werbefuzzis. Warum soll ein exTrainer nicht schreiben, was eh' jeder weiss? Wir werden die Eröffnung der Rooney-Universität und der Roy-Keane-Schule für angewandte Rhetorik kaum erleben, mit und ohne Buch. Und zum kickenden Metrosexuellen fällt mir eh' kein Witz mehr ein. Leider erfährt man nicht, was das Buch an Neuhigkeiten enthält.
misscecily 23.10.2013
2. Ein..
...unangenehmer Zeitgenosse der mehr Dreck am Stecken haben dürfte als allgemein angenomnen.
Stahlmichel 23.10.2013
3.
Zitat von Thomas KossatzSo, einer ist ein Dummy, der andere flucht unflätig und der Dritte ist eine armseelige Marionmette von Werbefuzzis. Warum soll ein exTrainer nicht schreiben, was eh' jeder weiss? Wir werden die Eröffnung der Rooney-Universität und der Roy-Keane-Schule für angewandte Rhetorik kaum erleben, mit und ohne Buch. Und zum kickenden Metrosexuellen fällt mir eh' kein Witz mehr ein. Leider erfährt man nicht, was das Buch an Neuhigkeiten enthält.
Er ist ein großer Trainer mit vielen Triumphen. Er wird aber immer der einfach, Pardon, Bauer, bleiben, dieses Buch bestätigt nur das, was über ihn schon längst Dekaden bekannt ist. Wenn man sich an ihn erinnert, dann als tollen Trainer aber nicht an einen Gentlemen und schon gar nicht als Idol. Das wird ihm völlig gleichgültig sein. Jupp Heynckes, selbst in den schwersten Stunden stets ein Vorbild und Gentlemen der ersten Güteklasse gewesen!
rulamann 23.10.2013
4.
Zitat von sysopREUTERSAlex Ferguson ist wieder da: Mit seiner Autobiografie hat der langjährige Starcoach von Manchester United seinen kurzen Ruhestand jenseits der Öffentlichkeit beendet. Dafür opfert er den Ruf einiger früherer Schützlinge - und schadet damit sich selbst. http://www.spiegel.de/sport/fussball/alex-ferguson-kritisiert-in-der-autobiografie-spieler-von-manchester-a-929474.html
Der Mann hat so oder so kein Benimm, wer 500 mal in der Minute auf einem Kaugummi knatscht ist bei mir sowieso unten durch.
stefanhennigfeld 23.10.2013
5.
Zitat von rulamannDer Mann hat so oder so kein Benimm, wer 500 mal in der Minute auf einem Kaugummi knatscht ist bei mir sowieso unten durch.
Das sagt sich so leicht. Vor zwanzig Jahren haben die Trainer mit der Kippe im Anschlag auf der Bank gesessen. Die Zeiten sind zum Glück vorbei.
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