4:2 im Außenseiter-Duell Algerien gegen Südkorea mit Torfestival

Überraschung in der Gruppe H: Algerien hat gegen Südkorea gewonnen. Die Koreaner verschliefen die erste Hälfte völlig, schossen dann zwei Tore - und verloren doch klar. In einem möglichen Achtelfinale könnte Algerien auf Deutschland treffen.

REUTERS

SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Algerien hatte als einer der absoluten Außenseiter der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gegolten und erwartungsgemäß sein Auftaktmatch gegen Belgien verloren. Doch nach einem überraschend starken Spiel gegen Südkorea haben die Nordafrikaner gute Chancen auf das Achtelfinale. Algerien gewann 4:2 (3:0) durch Tore von Islam Slimani (26. Minute), Rafik Halliche (28.), Abdelmoumene Djabou (38.) und Yacine Brahimi (62.), für Südkorea trafen die Bundesliga-Profis Heung-Min Son (50.) und Ja-Cheol Koo (72.). Die Koreaner stehen damit vor dem Aus, Algerien feiert seinen ersten WM-Sieg seit 1982.

Madjid Bouguerra war "überglücklich" mit dem Ergebnis: "Wir hoffen, dass es jetzt noch nicht vorbei ist", sagte Algeriens Kapitän: "In der ersten Halbzeit haben wir sehr viel Energie aufgewendet, deshalb waren wir in der zweiten etwas müde."

Vor der Partie hatten bei Algerien Gerüchte von einer Revolte die Runde gemacht, angeblich waren die Spieler unzufrieden mit der defensiven Taktik beim Auftaktmatch. Gegen Südkorea standen dann im Vergleich zur vorherigen Partie fünf neue Spieler in der Startelf.

Die Änderungen zeigten Wirkung: Algerien agierte im Vergleich zum 1:2 gegen Belgien deutlich offensiver. Schon in der zweiten Minute wurden die Algerier erstmals gefährlich, Sofiane Feghouli schoss am Tor vorbei.

Das Spiel schien schon zur Halbzeit entschieden

Kurz darauf die nächste Fehlentscheidung bei dieser WM: Feghouli tauchte erneut im Strafraum der Koreaner auf, Young-Gwon Kim grätschte und traf den algerischen Stürmer klar am Fuß. Der fällige Elfmeterpfiff des kolumbianischen Schiedsrichters Wilmar Roldán blieb aus (4.).

Algerien machte weiter Druck. Stürmer Slimani kam nach einer Ecke frei zum Kopfball, traf aber nur das Außennetz (9.). Danach hatten die erschreckend schwachen Südkoreaner rund zehn Minuten Zeit zum Durchatmen, ehe Algerien erneut gefährlich wurde: Slimani kam nach einer langen Flanke sechs Meter vor dem koreanischen Strafraum an den Ball, konnte ihn aber nicht kontrollieren (21.). Bei einem weiteren langen Ball brach Slimani erneut durch, und diesmal verwandelte der Stürmer zur Führung für Algerien (26.).

Die Nordafrikaner legten sofort nach: Bei einer Ecke kam Südkoreas Keeper Sung-Ryong Jung aus dem Tor und verpasste den Ball, den Algeriens Halliche zum 2:0 ins Netz köpfte (28.). Südkorea reagierte geschockt und musste kurz darauf den nächsten Rückschlag verkraften: Slimani konnte im Strafraum unbedrängt auf den freistehenden Djabou passen, der versenkte den Ball flach in der Ecke (38.). Die Führung der Algerier war auch in der Höhe verdient, das Spiel schien schon zur Halbzeit entschieden.

Südkorea erst in der zweiten Hälfte mit dem ersten Torschuss

Allerdings: Nach der Pause zeigte sich Südkorea in einer völlig anderen Verfassung. Einen langen Ball in den Strafraum bekam der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stehende Son erst an den Rücken und dann unter Kontrolle, Gegenspieler Bougherra reagierte zu langsam: Son tunnelte Torwart Rais M'Bohli (50.), und es stand nur noch 1:3.

Es war der erste Torschuss der Koreaner im ganzen Spiel, weitere folgten. Sung-Yong zog aus 30 Metern ab, Keeper M'Bohli parierte (60.). Südkorea war nun überlegen, für Algerien schien es noch einmal knapp zu werden.

Doch ein simpler Doppelpass genügte, um den alten Abstand wieder herzustellen: Feghouli und Brahimi hebelten die koreanische Abwehr aus, Brahimi traf (62.). Südkorea verkürzte noch einmal durch Koo vom FC Augsburg (72.) und baute in der Schlussviertelstunde enormen Druck auf das Tor der Algerier auf, konnte deren Sieg aber nicht mehr gefährden.

In der Gruppe H ist Algerien (3 Punkte) damit Zweiter hinter Belgien (6), das zuvor 1:0 (0:0) gegen Russland (1) gewonnen hatte. Mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Russland wäre Algerien sicher im Achtelfinale. Auch ein Unentschieden würde reichen, wenn Südkorea (1) im Parallelspiel nicht gegen Belgien gewinnt. Deutschland würde, den Einzug ins Achtelfinale vorausgesetzt, auf den Ersten oder den Zweiten aus der Gruppe H treffen.

Südkorea - Algerien 2:4 (0:3)
0:1 Slimani (26.)
0:2 Halliche (28.)
0:3 Djabou (38.)
1:3 Son (50.)
1:4 Brahimi (62.)
2:4 Koo (72.)
Südkorea: Jung - Lee Yong, Hong Jeong Ho, Kim Youn Gwon, Yun - Han (78. Ji), Ki - Lee Chung Yong (64. Lee Keun Ho), Koo, Son - Park Chu Young (57. Kim Shin Wook)
Algerien: M'Bolhi - Mandi, Bougherra (89. Belkalem), Halliche, Mesbah - Medjani, Bentaleb - Feghouli, Brahimi (77. Lacen), Djabou (73. Ghilas) - Slimani
Schiedsrichter: Roldán (Kolumbien)
Zuschauer: 42.732
Gelbe Karten: Han, Lee Yong / Halliche

Mehr Statistiken finden Sie in unserer kostenlosen Fußball-App!

tim

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
totalmayhem 22.06.2014
1.
Nehmen Sie sich ein Beispiel, Herr Loew! Fuenf unwillige Flaschen aus der Mannschaft geworfen und dem ganzen Sauhaufen brutales Straftraining verordnet. Dann spurt die Rasselbande wieder und kriegt auch was gebacken. Aber das geht natuerlich nur, wenn man fitte Spieler zu so einem Turnier mitbringt, nicht ein sieches Lazarett, das besonderer Fuersorge bedarf.
alkman 23.06.2014
2. Deutschland in Gruppe G praktisch weiter
Deutschland kann sich gegen USA eine Niederlage mit 2 Toren unterschied leisten, falls Ghana nicht mit mehr als 2 Toren und Portugal nicht mit mehr als 6 Toren Unterschied gewinnt. Portugal und Ghana sind auf einen deutschen Sieg angewiesen, um bei einem eigenen Sieg die USA noch überholen zu können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.