Hoffenheim vs. Schalke Das Sechs-Tore-Spektakel

Der FC Schalke wollte in Hoffenheim den Anschluss an die Spitzengruppe halten. Erst sah es gut aus für die Gelsenkirchener, doch in der zweiten Halbzeit verschenkten sie den Sieg - und hätten am Ende fast noch verloren. Das spektakuläre Unentschieden im Spielfilm.

Schalker Boateng, Hoffenheim-Profis: Sieg verschenkt
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Schalker Boateng, Hoffenheim-Profis: Sieg verschenkt

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Die Ausgangslage: Der Tabellen-Elfte (Hoffenheim) empfing den Tabellen-14. (Schalke). Die Hoffenheimer - in der vergangenen Saison fast abgestiegen - können mit ihrer Platzierung leben. Schalke hat höhere Ziele, die Ränge zwei bis vier. Das Team von Trainer Jens Keller trat die Reise in den als Kraichgau (mehr oder weniger) bekannten Landstrich zwischen Heidelberg und Pforzheim mit einem klaren Auftrag an: gewinnen, um den Anschluss an die Spitzengruppe zu halten!

Das Ergebnis: Trotz 3:1-Führung zur Pause reichte es nur zu einem 3:3-Unentschieden für Schalke in einer von der ersten bis zur letzten Sekunde spektakulären Partie. Am Ende hätte Hoffenheim sogar gewinnen müssen. Der Rückstand der Schalker auf den Tabellenvierten Hannover beträgt jetzt vier Punkte, der Dritte aus Leverkusen ist sogar schon zehn Punkte entfernt.

Die erste Halbzeit: In der dritten Minute gingen die Gäste in Führung. Kevin-Prince Boateng schloss eine hübsche Kombination zum 1:0 ab. Zehn Minuten später trat Jefferson Farfan einen Freistoß an den Hoffenheimer Fünfmeter-Raum, Joel Matip traf per Kopf zum 2:0. In der 16. Minute nutzte Anthony Modeste ein Durcheinander in der Schalker Verteidigung zum Anschlusstreffer. Marco Högers Treffer in der 40. Minute war die Vorentscheidung - dachten die Zuschauer im Stadion und an den Fernsehschirmen. Und vermutlich dachten das auch die Schalker selbst.

Die zweite Halbzeit: Hoffenheim kam zurück, von Schalke war nichts mehr zu sehen. Nach einem Foul von Dennis Aogo an Kevin Volland gab es Elfmeter. Roberto Firmino verwandelte sicher (48.). Auch den 3:3-Ausgleich in der 61. Minute schafften die Hoffenheimer mit Hilfe einer Standardsituation. David Abraham trat einen Freistoß aus 20 Metern mit Gefühl über die Schalker Mauer, Torwart Timo Hildebrand machte sich lang, konnte den Ball aber nicht mehr halten. In der Schlussphase vergaben die Hoffenheimer allerbeste Chancen auf den Siegtreffer.

Schalke-Torwart Hildebrand: Chancenlos gegen Abrahams Freistoß
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Schalke-Torwart Hildebrand: Chancenlos gegen Abrahams Freistoß

Verschwendung des Spiels: Am Ende machten es die Schalker ihrem Gegner leicht, aber Hoffenheim nutzte die Schwächen nicht - sondern ließ in der Schlussphase zwei 100-prozentige Chancen aus. Nach einem Ballverlust von Jermaine Jones lief Firmino alleine auf das Schalker Tor zu und donnerte den Ball an die Latte (84.). Einen missratenen Rückpass von Atsuto Uchida nahm Sven Schipplock auf, er umkurvte Hildebrand, scheiterte aber am auf der Linie stehenden Schalker Kapitän Benedikt Höwedes (89.).

Sololauf des Spiels: Marco Höger wusste nicht, was er mit dem Ball anstellen sollte in dieser 40. Minute. Er schaute nach links und nach rechts. Weit und breit waren keine Anspielstationen zu sehen. Also lief er einfach mal los in Richtung Tor. Er umkurvte Hoffenheims gesamte Defensivabteilung und sah selbst ein bisschen überrascht aus, als er plötzlich alleine vor Torhüter Koen Casteels stand. Doch wo er jetzt schonmal da war, nutzte Höger die Chance und schob den Ball zum zwischenzeitlichen 3:1 ins Tor.

Genesungswünsche des Spiels: Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde Hoffenheims Mittelfeldspieler Boris Vukcevic bei einem Autounfall schwer verletzt. Vor dem Spiel wurde "You´ll never walk alone" über die Stadionlautsprecher gespielt. Die Fans hielten Papierschilder mit der Aufschrift "Boris" in die Luft. Außerdem waren viele Fahnen und Spruchbänder für Vukcevic zu sehen. Auf einem Spruchband stand: "Boris, unser Kämpferherz!" Nach der Partie traten die Hoffenheimer Spieler in Trikots mit der Rückennummer 7 vor die Fankurve. Vukcevics Nummer.

Hoffenheim-Fans: Grüße an den vor einem Jahr verunglückten Vukcevic
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Hoffenheim-Fans: Grüße an den vor einem Jahr verunglückten Vukcevic

Debütant des Spiels: Max Meyer hat eine Wagenladung Komplimente bekommen für seine Joker-Einsätze in der Bundesliga, für seine Spiele in der Champions League und den Startelf-Einsatz im Pokal gegen Darmstadt unter der Woche, den er mit einem Treffer verzierte. Gegen Hoffenheim spielte der 18-Jährige zum ersten Mal in der Bundesliga von Beginn an und war in der ersten Halbzeit einer der aktivsten Schalker. Zu Boatengs 1:0 leistete Meyer die Vorarbeit. Nach seinem Foul gegen Eugen Polanski (60.) war er mit der Gelben Karte noch gut bedient. Kurz danach wurde er ausgewechselt.

Erkenntnisse des Spiels: Der FC Schalke 04 bekommt seine Leistungsschwankungen nicht in den Griff. Einer starken ersten Halbzeit folgte eine phasenweise katastrophale zweite. Einen sicher geglaubten Sieg verschenkten die Spieler ohne Not. So wird es schwer mit dem Erreichen der hohen Ziele. Und Hoffenheim? Muss an seiner Chancenverwertung arbeiten. Dringend.

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Seite 1
deepbrain 28.09.2013
1.
�Anschluss an die Spitzengruppe halten�, sowas kann bei Rang 14 und 8 Punkten Rückstand auf Rang 3 auch nur ein Schalkefan schreiben. Nach Peter Ahrend-Witzbeitrag vor der Saison (diese Saison kann Schalke Meister werden) schon wieder ein Fanbeitrag anstelle von Journalismus...
halfbrain 28.09.2013
2. Schalke hat ein Problem ...
Zitat von sysopGetty ImagesDer FC Schalke wollte in Hoffenheim den Anschluss an die Spitzengruppe halten. Erst sah es gut aus für die Gelsenkirchener, doch in der zweiten Halbzeit verschenkten sie den Sieg - und hätten am Ende fast noch verloren. Das spektakuläre Unentschieden im Schnelldurchlauf. http://www.spiegel.de/sport/fussball/alle-highlights-von-schalkes-unentschieden-in-hoffenheim-a-925058.html
... mit der Stabilität und es müssen kurzfristig personelle Entscheidungen getroffen werden: Im Spiel ist (der kleine) Hildebrandt eine dauernde Verunsicherung für die Abwehr (er führt sie auch nicht), es braucht zudem einen zusätzlichen Innenverteidiger und ja, auch ein ins Spiel eingreifender motivierender Trainer muss gesucht werden. Es ist höchste Zeit, will man noch einen Europa-Platz bei der Endabrechnung erreichen - und zumindest den braucht Schalke allein aus finanziellen Gründen!
der-meister! 29.09.2013
3. Trainerfrage
Wenn eine Mannschaft so überlegen in die Pause geht und dann in der 2. Hälfte so unterlegen ist, gleichzeitig der Gegner aber nach schwachem Start so furios aus der Pause kommt, dann muss doch der Trainer in der Pause etwas (nicht) bewirkt haben. Zu den individuellen Fehlern der Spieler kommen die begrenzten Fähigkeiten des Trainers, eben auch die Mannschaft in der Pause einzustellen. Keller muss viel tun um auch hier seine Grenzen zu erweitern. Ob es für die ehrgeizigen Ziele von Blauweiß reichen wird wird man sehen.
ganzkurt 29.09.2013
4. JKeller....
.....erlebt das Ende der Saison nicht auf der SchalkerBank. Jetzt dürfen die erstmal nach Basel, man wird sehen, wie der Baselsieg gegen Chelski zu bewerten ist. Also tendeziell fliegt S04 in der Gruppenfase aus der CL, und in der Liga? 16 Gegentore in 7 Spielen !!! Ende Oktober kommt der BvB. Wenn S04 das verliert, immer noch im unteren Tabellendrittel rumdümpelt und der CL-Abschied näher rückt, wird Tönnies die Reißleine ziehen......... Übrigens hat Hoffenheim das Remis nicht erkämpft, nee, aufgrund der zwotenHZ hätte Hoffe noch einen Sieg verdient gehabt. S04 hat einfach aufgesteckt, die Luft war raus, so ähnlich sieht das aus, wenn das Team nicht mehr mag. Man erinnere sich nur an die letzten VfB (Stuggart) Darbietungen unter dem schönen Bruno. Bobicz musste seinen Kumpel entlassen, es war zu augenfällig, daß die VfB-Kicker einen anderen Trainer wollten. Und entsprechend spielten, um die Sache zu beschleunigen. Es war grausam. Vielleicht landet QuälixM. ja in Schalke. Man erinnere sich, als neulich Veh in Frankfurt sehr lange mit seiner Vertragsverlängerung zögerte, er spielte lieber den verbalen Doppelpass mit Kumpel Horst Heldt, natürlich nicht direkt, sondern so, wie es in diesen Zeiten üblich ist, mit Hilfe der Medien. Dann war da noch diese Posse neulich beim HSV, als Magath mit HSV-Bonze Kühne ebenfalls über Bande spielte. Nun, es klappte nicht, jetzt darf der HollandBerti die Kohlen aus dem Feuer holen. (3 € ins Frasenschwein) Auch BvM wird scheitern, so ne Saison ist lang, und nextes Wochenende duelliert sich der Glubb mit dem HSV um Platz 16.
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