Allofs-Interview "Einmal hat es richtig geknallt"

Werders Sportdirektor Klaus Allofs hat mit seiner Einkaufspolitik großen Anteil an Werders Erfolgen. Der 50-Jährige spricht im RUND-Interview über Autofahrten mit Thomas Schaaf, seinen Ärger mit Johan Micoud und den schwierigen Transfer von Diego nach Bremen.


Frage: Herr Allofs, Sie machen lange schon keinen so angespannten Eindruck mehr, wie in Ihrer Anfangszeit in Bremen. Wirkt Erfolg beruhigend?

Allofs: Natürlich. Am Anfang meiner Arbeit bei Werder stand ich unter totaler Beobachtung. Jedes Spiel, jeder Fehler hätte dazu führen können, dass das Pendel in die falsche Richtung ausschlägt. Dass man sagt: Es war doch nicht die richtige Entscheidung. Als Spieler konnte ich unmittelbar auf dem Platz Antworten geben. In meiner Position ist das schon schwieriger. Vielleicht muss man deshalb mit Kritik auch mal anders umgehen. Einmal hatte es ja richtig geknallt.

Frage: Sie meinen die Situation, als Sie einen Reporter bei einem Spiel gegen eine Journalistenauswahl zunächst rüde abgegrätscht und ihm dann noch eine Ohrfeige verpasst haben? Ist Ihnen das heute noch peinlich?

Allofs: Na ja, es war ja eher harmlos. Auf der einen Seite fand ich es blöd, dass ich die Kontrolle verloren hatte. Auf der anderen Seite ist es auch mal auch ganz gut, wenn man zeigt, dass man nicht immer kontrolliert ist. Wichtig war, dass wir uns zusammengesetzt und es aus der Welt geschafft haben, dass ich aus Überzeugung sagen konnte: Sorry, das war eine falsche Reaktion von mir. Auch unsere Spieler wissen übrigens ganz genau, dass ich eigentlich gemäßigt bin, aber dass es Tage gibt, an denen ich ganz anderes sein kann.

Frage: Erzählen Sie, wann werden Sie lauter?

Allofs: Grundsätzlich wenn jemand unter seinen Möglichkeiten bleibt. Wenn jemand unprofessionell ist. Wenn er leichtfertig unseren Erfolg aufs Spiel setzt und unser Gefüge in Gefahr bringt. Die Spieler müssen nicht wie Marionetten sein, aber Thomas Schaaf und ich haben schon eine klare Vorstellung, wie das ablaufen soll. Okay, manchmal muss jemand auch übers Ziel hinausschießen dürfen. Da kann man schon mal ein Auge zudrücken. Nur wenn Dinge aus persönlicher Eitelkeit oder Bequemlichkeit geschehen, dann muss es krachen.

Frage: Dann muss Johan Micoud Sie das eine oder andere Mal zur Weißglut gebracht haben?

Allofs: Ja, klar. Beim Abschied habe ich ihm gesagt: "Joe, das war anstrengend mit dir." Aber man konnte ihm nie vorwerfen, dass er unprofessionell war. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Im Kontakt zu den Medien fand ich ihn unprofessionell. Da war er nur schwer zu beeinflussen, und ich habe viel mit ihm geredet. Aber sonst war Johan immer pünktlich, immer fit, hat sich immer Gedanken gemacht, wie wir weiterkommen können. Das ist das Wichtigste, und darum ist es das auch wert, sich mit den anderen Dingen auseinanderzusetzen. Nur wenn einer sportlich nichts drauf hat und dann noch anstrengend ist – das muss nicht sein.

Frage: Sie und Thomas Schaaf gelten als kongeniale Partner. Hat es auch zwischen Ihnen mal richtig gekracht?

Werder-Manager Allofs: "Bin ich vielleicht todesmutig?"
Getty Images

Werder-Manager Allofs: "Bin ich vielleicht todesmutig?"

Allofs: Gekracht nicht. Aber ich sage ganz offen, dass wir schon mehrfach Fälle hatten, wo wir unterschiedlicher Meinung waren. Dann verdreht der Trainer die Augen, oder ich sage: „Ach, hör auf.“ Aber dann gucken wir noch mal genauer hin. Über Gespräche sind wir doch noch zusammengekommen und waren schließlich der Überzeugung, dass wir das Richtige tun.

Frage: Wer hat denn in Sachen Transfers das letzte Wort?

Allofs: Ich, denn ich muss sie hinterher verantworten. Der Trainer muss es umsetzen und trägt da die Verantwortung. Aber die Situation hat sich noch nicht einmal angedeutet, dass ich einem Transfer zustimme und der Trainer außen vor ist.

Frage: Sind Sie mit Thomas Schaaf befreundet?

Allofs: Na ja, jetzt kann ich daraus ein großes Ding machen. Aber ja, es ist Freundschaft. Wir fahren nicht gemeinsam in Urlaub. Wenn ich mir ein Auto kaufe, dann frage ich ihn auch nicht, welches das richtige ist. Ich habe Freunde, mit denen ich selten über Fußball, sondern eher über andere Dinge rede. Dass ich mit Thomas Schaaf meistens über Fußball rede, ist auch klar. Aber wir haben absolutes Vertrauen zueinander. Vielleicht ist das schon mehr als Freundschaft. Ich weiß, dass nie etwas hinter meinem Rücken geschieht. Und das weiß er umgekehrt auch.

Frage: Sie sind oft gemeinsam unterwegs. Wer fährt zum Beispiel, wenn Sie mit dem Auto zu Gesprächen mit Spielern fahren?

Allofs: Meistens er, weil er gerne Auto fährt. Weil ich ebenfalls viel fahren muss, bin ich froh darüber. Und es ist sogar so, dass ich einschlafen kann. Das ist doch ein gutes Zeichen. Oder bin ich vielleicht todesmutig? Nein, er fährt wirklich gut.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.