Allofs-Interview "Jetzt sind wir die Gejagten"

Mit Hilfe des Sportdirektors Klaus Allofs hat sich Werder Bremen innerhalb von fünf Jahren von einem Abstiegskandidaten zum Deutschen Meister entwickelt. Laut Allofs lag vor allem in der Ruhe die Kraft der Bremer, die sich in der kommenden Saison aber auf eine ganz neue Situation einstellen müssen.


Das Meistergespann: Klaus Allofs (l.) und sein Erfolgscoach Thomas Schaaf
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Das Meistergespann: Klaus Allofs (l.) und sein Erfolgscoach Thomas Schaaf

Herr Allofs, was ist das für ein Gefühl, ausgerechnet in München den Titel gewonnen zu haben?

Allofs:

Das ist sensationell, überwältigend. Das ist das, was man sich erhofft und erträumt hat, nach den Versuchen aus München, uns nervös zu machen. Aber wir haben eindrucksvoll bewiesen, dass wir die beste Mannschaft in dieser Saison sind. Früher hat man immer vom Wunder von der Weser nach Europapokalspielen gesprochen. Aber das ist das wahre Wunder hier.

Haben Sie Ihrer Mannschaft so einen Auftritt zugetraut?

Allofs: Ich war schon überzeugt, dass sie cool auftreten wird. Aber bei allem Selbstbewusstsein waren wir nicht so vermessen und haben gesagt: Jetzt fahren wir nach München und hauen die 3:0 weg. Bei so einem Spiel besteht immer die Gefahr, übermotiviert zu sein. Aber das haben die Jungs sehr gut gemacht. Sie haben sich nicht von ihrem Spiel abbringen lassen und haben in der ersten Halbzeit sensationell gespielt.

Was zeichnet diese Mannschaft aus?

Allofs: Wir haben hervorragende Einzelspieler. Und es ist wirklich eine Mannschaft. Da ist jeder für den anderen da, nicht nur von der Nummer 1 bis 13, sondern der ganze Kader. Diese Mannschaft war allen Anforderungen gewachsen. Leider verlieren wir einige wichtige Spieler. Aber wir haben für guten Ersatz gesorgt - wie Miroslav Klose, Frank Fahrenhorst oder Gustavo Neri. Eigentlich dürfte die Mannschaft nicht schwächer sein.


Wie hat Werder Bremen nach einer Schwächephase in den 90er Jahren den Neuaufbau geschafft"

Allofs: Vor fünf Jahren wäre die Mannschaft beinahe abgestiegen, und alle hatte Angst, dass Werder Bremen nach den großen Zeiten ein bisschen in der Versenkung verschwindet. So langsam ging es bergauf in den letzten Jahren, und das ist natürlich ein Riesenschritt, den wir jetzt gemacht haben. Wir konnten in Ruhe arbeiten und unsere Vorstellungen umsetzen.

Sind die Folgen für Werder jetzt schon absehbar?

Allofs: Wir haben uns für die Champions League qualifiziert. Das hat natürlich Konsequenzen. Wir werden jetzt auch anders denken müssen. Jetzt sind wir die Gejagten. Das Problem ist auch, dass man nicht besser werden kann. Man muss jetzt sehen, dass wir den Erwartungen gerecht werden. Aber eigentlich habe ich gar keine Lust, schon jetzt an die neue Saison zu denken.

Werden Sie auf längere Sicht der größte Rivale des FC Bayern?

Allofs: Das möchten wir gerne werden. Unser Ziel war es, den Abstand geringer werden zu lassen. Das haben wir jetzt geschafft. Aber es ist trotzdem noch ein weiter Weg. Sportlich ist kein Unterschied da, aber beim Finanziellen und den Rahmenbedingungen sind wir noch ein ganz schönes Stück weg.

Wie bewerten Sie die Arbeit von Thomas Schaaf?

Allofs: Er hat taktisch bis auf ganz wenige Ausnahmen immer goldrichtig gelegen und kann gut mit den Spielern umgehen. Er ist ein junger Trainer, heute hat er sich in der Spitzengruppe der Trainer etabliert. Er wird von Jahr zu Jahr souveräner.

Aufgezeichnet von Thomas Niklaus, sid und Christian Kunz, dpa



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