Anelkas Gepöbel gegen Trainer Frankreich sucht den Verräter

Nicolas Anelka ist weg, die Unruhe im französischen Team bleibt. Gesucht wird der Spieler, der Anelkas beleidigende Äußerungen gegenüber Trainer Raymond Domenech an die Öffentlichkeit gebracht hatte.

Frankreichs Kapitän Evra: "Der Verräter muss gefunden und ausgeschlossen werden"
AFP

Frankreichs Kapitän Evra: "Der Verräter muss gefunden und ausgeschlossen werden"


Hamburg - Die Beleidigungen von Nicolas Anelka gegen Domenech haben beim Vizeweltmeister Diskussionen über einen "Maulwurf" ausgelöst. Der Stürmer soll den Coach mit den Worten "Fick dich in den Arsch, du Hurensohn" bepöbelt haben.

In der Mannschaft gebe es "einen Verräter", der die Vorkommnisse in der Halbzeitpause des Spiels gegen Mexiko am vergangenen Donnerstag weitergetragen habe, sagte Kapitän Patrice Evra. "Er muss gefunden und ausgeschlossen werden."

Mittelfeldspieler Franck Ribéry fügte hinzu: "Ein Verräter hat zu viele Dinge nach außen gebracht, es wäre eine Erleichterung zu wissen, wer es war." Domenech sei zwar der Boss. "Aber die Sachen, die in der Kabine passieren, müssen auch in der Kabine bleiben", sagte Ribéry.

Der Bayern-Star bekannte beim Abschied Anelkas aus dem WM-Quartier "Tränen in den Augen gehabt" zu haben. Ribéry erklärte, dass die Mannschaft für einen Verbleib des Chelsea-Stürmers gewesen sei. "Er ist sehr betroffen, weil er die Nationalelf liebt", so Ribéry.

Anelka dementierte die obszöne Beschimpfungen

Evra zeigte sich sehr enttäuscht. "Wir stehen schon mitten im Debakel, und da legt einer noch nach. Das Problem ist nicht Anelka. Es ist der Verräter, der den Medien das alles enthüllt hat", sagte er. Die französische Sportzeitung "L'Équipe" stellte allerdings klar, dass es "mehr als einen Zeugen" für den Vorfall gebe.

Ribéry sorgte sich bereits um die Folgen für die kommende Partie gegen Südafrika am Dienstag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Gerade jetzt, wo wir noch ein wichtiges Spiel haben, hauen alle auf uns ein."

Anelka dementierte die obszöne Beschimpfungen gegen den Trainer. "Das sind nicht meine Worte", sagte der Stürmer. Gegenüber der Zeitung "France Soir" räumte der 31-Jährige zwar "eine lebhafte Diskussion" mit Domenech ein. Das gehöre allerdings "zu den Geheimnissen in einer Umkleidekabine".

Dennoch wird er sich vor dem Disziplinarrat des französischen Verbands FFF verantworten müssen. Vizepräsident Christian Teinturier forderte: "Er darf nie wieder das französische Trikot tragen." Einer Aufforderung, sich bei Domenech, dem Trainerstab und dem gesamten Kader der "Bleus" zu entschuldigen, kam der Stürmer bislang nicht nach.

met/dpa/sid



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