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15. Mai 2018, 15:42 Uhr

Umstrittenes Foto

Merkel kritisiert Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan

Kanzlerin Merkel hat mit Befremden auf das Treffen der Nationalspieler Özil und Gündogan mit dem türkischen Staatschef Erdogan reagiert. Empörung gibt es auch in der Türkei - aus ganz anderem Grund.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich über ihren Sprecher Steffen Seibert kritisch zu dem Treffen der beiden Fußballnationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. Es sei eine Situation gewesen, "die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud", sagte Seibert in Berlin. Als Nationalspieler hätten die beiden Vorbildfunktion.

Der Regierungssprecher begrüßte, dass die beiden Fußballer sich inzwischen zu dem Vorfall erklärt hätten. Er sei sicher, dass der DFB das Thema noch einmal ansprechen werde.

Özil und Gündogan hatten dem türkischen Präsidenten Erdogan bei einem Termin in London Trikots ihrer Vereine überreicht. Die von Erdogans Partei veröffentlichten Bilder hatten harsche Kritik ausgelöst, da die Spieler mit dem Auftritt Wahlkampfhilfe für den umstrittenen Politiker geleistet hätten. Zu der Frage, ob auch die Kanzlerin das so interpretiere, antwortete Seibert nicht.

Türkischer Verband nennt Grindel-Äußerung "diffamierend"

Der türkische Fußballverband (TFF) hat die Kritik des DFB an dem Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan als inakzeptabel zurückgewiesen. Die "diffamierenden Aussagen" von DFB-Chef Reinhard Grindel habe er mit tiefer Bestürzung zur Kenntnis genommen, teilte der TFF-Vorsitzende Yildirim Demirören mit. "Die Ansichten des DFB-Vorsitzenden sind in keinster Weise hinzunehmen." Demirören - der als Gefolgsmann Erdogans gilt - warf Grindel vor, "den Fußball in die Politik hineinzuziehen".

Grindel hatte den Spielern vorgeworfen, sich von Erdogan für Wahlkampfzwecke missbrauchen zu lassen. Er hatte außerdem mitgeteilt, der Fußball und der DFB stünden für Werte, "die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden".

Demirören teilte mit, es sei "ganz normal", dass die Spieler der Einladung Erdogans zu einem Treffen Folge geleistet hätten. "Dass unser Präsident, der ein ehemaliger Fußballer und ein passionierter Fußball-Liebhaber ist, viel dazu beigetragen hat, dass sich dieser Sport in der Türkei entwickelt, ist eine allseits gut bekannte Tatsache", sagte er. Der TFF werde den Wettbewerb um die Europameisterschaft 2024 "innerhalb der von der Uefa vorgegebenen Regeln" fortsetzen. Die Türkei ist einziger DFB-Konkurrent um die Ausrichtung der EM 2024, die am 27. September von der Uefa vergeben wird.

aha/dpa/sid

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