Anschlag auf Teambus Togos Nationalelf reist vom Afrika-Cup ab

Mindestens drei Tote und ein Boykott: Der Anschlag auf die Nationalmannschaft hat die Regierung Togos dazu bewogen, das Team zurückzurufen, auch viele Spieler wollten nicht antreten. Bei dem Überfall kamen drei Menschen ums Leben. Togo soll auch andere Mannschaften zum Boykott des Afrika-Cups aufgerufen haben.


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Überfall bei Afrika-Cup: Togos Nationalelf beschossen
Hamburg - Die Fußball-Nationalmannschaft Togos reist vom Afrika-Cup ab. Dies teilte der togoische Minister und Regierungssprecher Pascal Bodjona am Samstagabend mit. "Die Spieler stehen unter Schock. Deshalb hat die Regierung beschlossen, die Mannschaft zurückzurufen", sagte Bodjona: "Wir können nach diesem Drama nicht am Wettbewerb teilnehmen."

Zuvor hatte bereits der englische Premier-League-Club Manchester City, Verein von Togos Kapitän Emmanuel Adebayor, mitgeteilt, dass das Team nicht an dem Turnier teilnehmen wird. Die französische Zeitung "L'Equipe" zitiert Mittelfeldspieler Alaixys Romao mit den Worten, das Team sei derzeit am Flughafen und warte auf den Flug in Togos Hauptstadt Lomé. Zudem berichtet Romao, die Mannschaft versuche auch andere Teams in ihrer Gruppe "davon zu überzeugen, den Afrika-Cup zu boykottieren". Der kontinentale Wettbewerb soll am Sonntag beginnen.

Stürmer Jonathan Ayite sagte der französischen Radiostation RMC: "Selbst wenn man uns US-Präsident Barack Obama persönlich hierherschickte, wir gehen sofort, wir gehen nach Hause." Ayite, Profi beim französischen Zweitligisten Olympique Nimes, sorgte außerdem für Verwirrung. Er erklärte, die Zahl der Opfer des Überfalls auf den Mannschaftbus am Freitag sei auf vier gestiegen. Auch Ersatztorhüter Kodjovi Obilale sei gestorben, hieß es zunächst. Zuvor hatten mehrere Quellen von drei Toten gesprochen - Togos Busfahrer, Assistenztrainer und Pressesprecher sollen gestorben sein. Ein Mitglied der afrikanischen Fußball-Konföderation (Caf) hingegen erklärte, Berichte über einen Tod des Fahrers seien falsch.

Nach Angaben Richard Friedlands, Präsident der Milpark-Klinik in Johannesburg, befindet sich Obidale nach seinen Schussverletzungen in einem stabilen Zustand. Obilale soll nun schnellstmöglich operiert werden.

"Niemand ist bereit, hier sein Leben zu riskieren. Sie haben gesehen, wie ein Mitspieler mit einer Kugel im Körper schrie, dann bewusstlos wurde und das alles", sagte Kapitän Adebayor. Er sei froh, dass er noch lebe. Nationaltrainer Hubert Velud erhob schwere Vorwürfe gegen das Organisationskomitee. "Die angolanischen Organisatoren sollten sich überlegen, den Wettbewerb abzusagen. Es ist ein Akt der Barbarei, während wir hier eigentlich den afrikanischen Fußball feiern wollen. Das war Krieg. Die Organisatoren scheinen das nicht ernst zu nehmen", sagte der Franzose, den eine Kugel am Arm erwischte.

"Wir wurden beschossen wie die Hunde"

Adebayors Teamkollege Thomas Dossevi lieferte eine eindringliche Schilderung des Vorfalls an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Cabinda, einem von vier Austragungsorten des 27. Kontinentalturniers. "Wir wurden beschossen wie Hunde. Die Angreifer waren bis an die Zähne bewaffnet. Alle versteckten sich 20 Minuten lang unter den Sitzen. Es war schrecklich."

Die Caf teilte mit, dass die Spiele der Gruppe B trotz des Vorfalls in Cabinda ausgetragen werden. "Nach einer Sondersitzung hat das Präsidium in Abstimmung mit den Verantwortlichen Angolas entschieden, die Spiele wie geplant in Cabinda auszutragen", hieß es in einer Mitteilung der afrikanischen Fußball-Konföderation. In Gruppe B spielen nach der Abreise Togos nun noch Ghana, die Elfenbeinküste und Burkina Faso.

Die angolanische Regierung will die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärfen. "Wir garantieren, alle Maßnahmen zu ergreifen, um Schutz und Unversehrtheit aller Mannschaften, Fans, Betreuer und Touristen zu gewährleisten", sagte Sportminister Goncalves Muandumba.

Eine Abordnung der Caf war nach Cabinda gereist, um die Togoer zum Bleiben zu bewegen. Eine Absage des Turniers hatte die Caf fast reflexartig abgelehnt. "Das Turnier findet statt", teilte der Verband mit. Am Sonntag soll der Afrika-Cup mit der Partie zwischen Angola und Mali eröffnet werden. Am Freitag hatte die Caf den Anschlag völlig falsch eingeschätzt: Ein Reifenplatzer habe die Spieler verängstigt, hieß es zunächst.

Das Organisationskomitee des Afrika-Cups (Cocan) erhob jedoch schwere Vorwürfe gegen die Togoer. "Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun", sagte Virgilio Santos: "In der Stadt hätte es diesen Vorfall niemals gegeben." Fifa-Präsident Joseph Blatter sprach den Opfern seine "allerhöchste Anteilnahme" aus und forderte einen ausführlichen Bericht an.

Mit Entsetzen reagierte der ehemalige Nationaltrainer Togos, Otto Pfister, auf den Anschlag. "Das war ein echter Schock für mich. Eine ganz bittere Sache, unglaublich", sagte der Afrika-Experte, der Togo während der WM 2006 in Deutschland betreute: "Das ist ein echter Schlag für Afrika."

Der bewaffnete Arm der "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda" (Flec) bekannte sich zu dem Anschlag und drohte weitere Aktionen an. "Diese Operation war nur der Anfang einer Serie von zielgerichteten Aktionen in der gesamten Region Cabinda", hieß es in einem Bekennerschreiben. Cabinda sollte 1975 von der Kolonialmacht Portugal in die Unabhängigkeit entlassen werden, aber Angola besetzte das Gebiet. Seitdem kämpfen Rebellen gewaltsam für die Unabhängigkeit.

goe/AP/Reuters/AFP/sid



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Seite 1
David 1979 09.01.2010
1. Togo reist ab
Was geschieht nun? Wer wird für die fehlenden Togolesen spielen in der Gruppe?
ariel55 09.01.2010
2. Na denn wird es ja spannend zur WM
was machen die denn jetzt in südafrika? wer will dann da noch hin?
huelin 09.01.2010
3. Hä?
Zitat von ariel55was machen die denn jetzt in südafrika? wer will dann da noch hin?
Südafrika liegt ein paar tausend km vom Ort des Anschlags entfernt. Das wäre genauso wie, dass man die WM in Deutschland wegen des Nahostkrieges abgesagt hätte...
Kassian 09.01.2010
4. .
---Zitat von Spiegel Artikel--- Das Organisationskomitee des Afrika-Cups (Cocan) erhob jedoch schwere Vorwürfe gegen die Togoer. "Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun", sagte Virgilio Santos: "In der Stadt hätte es diesen Vorfall niemals gegeben." ---Zitatende--- Nun immerhin hat das Organisationskomitee klargestellt das es absolut logisch ist anzunehmen man werde auf der Hinfahrt zu einem Fußballspiel beschossen, das hätten der Mannschaft aber wirklich klar sein müssen. Vielleicht wird man ihnen dazu raten künftig mehr Ersatzspieler mitzunehmen, falls die Angreifer mal erfolgreicher sind können die Ersatzspieler so zu Stammspielern aufsteigen - vorausgesetzt sie überleben natürlich... Immer diese Details...
TrevorFrancis 09.01.2010
5. "the games must go on"
"the games must go on" hiess es, als bei den olympischen spielen 1972 in münchen 16 menschen bei einem terrordrama getötet wurden... so wirds wohl auch hier sein. die CAF (afr. fussballverband)-seite scheint grad überlastet.. mit der wm in südafrika hat das herzlich wenig zu tun...
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