Kroatiens Ante Rebic Danke, Bruda

90 Minuten echte Gefühle: Darum ist Kroatiens Ante Rebic seit der WM der neue Lieblingsspieler von Lukas Rilke.
Ante Rebic

Ante Rebic

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Ante Rebic hat nie aufgehört zu laufen, anhalten geht nicht, immer volles Tempo, seit dem 19. Mai, seit dem Pokalfinale. Zwei Spiele hat der Kroate bei der WM schon hinter sich und er macht genau so weiter, wie in Berlin gegen die Bayern. Vollgas, als hätte er nur einen Gang, den höchsten nämlich, und keine Bremse. Wahrscheinlich ist er von Frankfurt bis ins kroatische Teamhotel in St. Petersburg gesprintet. Und dann direkt weiter, in mein Herz. Ante Rebic ist mein neuer Lieblingsspieler.

Ich bin kein Fan von Eintracht Frankfurt, Kroatien habe ich bei Welt- und Europameisterschaften immer ganz gerne gesehen, aber tiefer ist meine Verbindung zu dem Land nicht. Jetzt ist es das Team, das ich mir mit Abstand am liebsten anschaue. Nicht nur, aber vor allem wegen: Ante Rebic.

Rund 80 Kilogramm wiegt Rebic, davon sind einiges Muskeln, er ist ein stabiler Typ, aber ich schätze das Herz macht mindestens die Hälfte des Gesamtgewichts aus.

Instagram-Post zum Grillfest mit Kumpels (vier Bilder)

Der 24-Jährige ist natürlich ein unglaublich guter Fußballer, aber er ist kein normaler moderner Profi. Abseits des Platzes nicht, wo man ihn nicht auf Yachten sieht, sondern beim Grillen im Hinterhof mit Kumpels und Teamkollegen. Im Ohr hat man dabei direkt den Taktik-Dialog von Rebic und Kevin-Prince Boateng, den dieser bei der Pokal-Siegesfeier verraten hatte: "Er hat vor dem Spiel gesagt mit seinem super Deutsch: 'Bruda, schlag den Ball lang!' Und dann hab ich gesagt: Bruda, ich schlag den Ball lang!"

Boatengs Tweet nach Rebics Treffer gegen Argentinien

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Vor allem aber gilt es, wenn Rebic kickt. Bei ihm gibt es immer wieder Momente, in denen er wirkt, als würde man einem Zehnjährigen auf dem Bolzplatz zuschauen. Wenn er losrennt, sich in Zweikämpfe wirft, nach Fouls sofort wieder aufrappelt, weitersprintet, mit kindlicher Naivität, weswegen er trotz seiner Kraft so verletzlich wirken kann. Ein Gegenstück zu Neymar, der jeden Trick der Welt beherrscht, aber dem nicht der Teamerfolg am wichtigsten zu sein scheint, sondern allen zu zeigen, dass er der Beste auf dem Platz ist.

Im Pokalfinale zeigte Rebic das in Reinform. Vorm ersten Tor luchste er Bayern James Rodríguez den Ball ab, passte zu Boateng, startete sofort in Richtung Tor und traf zum 1:0. Beim Schuss wurde er noch von Mats Hummels umgemäht, doch Rebic schien das gar nicht gespürt zu haben. Später folgte noch sein bei Eintracht-Fans schon legendärer Sprint, als er Hummels und Niklas Süle mehrere Meter abnahm und nach seinem erfolgreichen Torschuss zum 2:1 einfach weiterrannte in die Frankfurter Fankurve.

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Und jetzt spielt Rebic so, als sei er nicht nur über die Bande gesprungen, sondern gleich ganz aus dem Berliner Olympiastadion heraus, hinein in seine erste WM. Gut möglich, dass Frankfurt- oder Tottenham-Fans oder wo immer er spielen mag, in der kommenden Saison ein bisschen enttäuscht werden. Denn es ist fraglich, ob Rebic ewig so weitermachen kann, es wirkt so, als spiele er gerade einen Tick über seinem eigentlichen Niveau, getragen von der Adrenalinwelle.

Verdichtet hat sich das bei dieser WM im Tor gegen Argentinien, als er den missglückten Lupfer von Torhüter Willy Caballero hätte annehmen und in Ruhe den Keeper ausgucken können. "In Ruhe"? Nicht mit Rebic. Er hämmerte den Ball aus der Drehung volley unter die Latte.

Rebics Tor gegen Argentinien

Rebics Tor gegen Argentinien

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS

Derzeit aber pumpt er auf Hochtouren, als Herz der Kroaten, so wichtig wie die Team-Gehirne Ivan Rakitic und Luka Modric. Wenn die beiden das Kommando geben, den Gegner unter Druck zu setzen, rennt Rebic jeden Gegner an - und manchmal auch um. Auch das gehört zu ihm und dem Spiel der Kroaten, dass der Gegenspieler manchmal noch einen vermeidbaren Tritt auf den Fuß bekommt. Aber das können andere genau so gut. Und wenn man nicht gerade selbst derjenige war, den es getroffen hat, kann man Rebic eigentlich auch kaum böse sein.

Im Zweifelsfall ist er eh schon wieder weitergerannt.

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