Bremens Sieg in Mainz Ujah jubelt gerne gegen den Ex-Klub

Bei Toren gegen ehemalige Vereine jubeln? Wenn, dann nur dezent, so ist es in der Bundesliga üblich. Anthony Ujah macht das anders - er ist ein Stürmer mit selten gewordenem Lebenslauf. Dank ihm beendete Bremen in Mainz einen Negativlauf.

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Anthony Ujah ist ein Stürmer der alten Garde. Er wirft sich in jeden Zweikampf, als sei es sein letzter. Es gibt Spiele, da bestreitet er mehr Kopfballduelle als Lionel Messi in einer Saison. Der Nigerianer kickte in seiner Jugend lange Zeit auf der Straße, die Vereinskarriere begann er erst im Alter von 15 Jahren. In der Fußballwelt mit Jugendakademien und ausgeklügelten Scoutingsystemen gibt es Ujahs Lebenslauf nur noch ganz selten.

Trotzdem hat er sich mittlerweile als Stürmer in der Bundesliga durchgesetzt. Ujah weiß um seine begrenzten technischen Möglichkeiten, umso wichtiger sind ihm Dinge wie Teamgeist, Stimmung und das Verhalten innerhalb einer Mannschaft. Der 25-Jährige hält beispielsweise bis heute Kontakte nach Lilleström, seiner ersten Station in Europa.

Über den 1. FC Köln sagte Ujah Anfang Oktober in der Kreiszeitung Syke: "Ich freue mich, dass es für den FC gut läuft, denn ich habe noch ein großes Gefühl für diesen Klub." Und er wird auch nicht müde zu betonen, wie wohl er sich bei seinem neuen Verein Werder Bremen fühlt. Über den FSV Mainz, seinen insgesamt vierten Klub in Europa, gibt es solche Aussagen nicht. 2012 verließ er die Mainzer nach nur einem Jahr und wechselte nach Köln

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So verwunderte es im Mainzer Stadion niemanden, dass Ujah nach seinen beiden Toren für die Bremer so ausgelassen jubelte, wie es sich gehört, wenn damit eine Negativserie von fünf Niederlagen enden könnte. Die in der Bundesliga verbreitete Sitte, bei Toren gegen den Ex-Klub nicht oder nur verhalten zu jubeln, war für Ujah keine Option. Die Serie endete tatsächlich, Werder feierte einen 3:1 (3:0)-Auswärtssieg und kann im Abstiegskampf der Bundesliga vorerst durchatmen.

"Es war schon ein bisschen komisch, hier zu treffen", sagte Ujah nach dem Spiel. "Aber für uns war es wichtig, der Druck auf uns Offensivspieler war groß." Die Bremer Angreifer hatten in den fünf sieglosen Spielen viermal nicht getroffen, Aron Jóhannsson war bei der 1:2-Niederlage in Darmstadt der einzige Treffer gelungen.

Ujah jubelt, Karius patzt, Skripnik ist glücklich

In Mainz endete die Flaute - mit Doppeltorschütze Ujah in einer turbulenten Schlussphase der ersten Halbzeit. Innerhalb von neun Minuten erzielte Werder drei Treffer. Ujah sorgte mit seiner Lieblingsbeschäftigung Kopfball nach einem Fehler des Mainzer Torhüters Loris Karius für die Führung (39. Minute). Bei seinem zweiten Tor tunnelte er Karius aus kurzer Distanz (44.) und in der Nachspielzeit sorgte Fin Bartels für die Vorentscheidung.

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Tore gegen den Ex-Klub

Sollten Fußballspieler nach Toren gegen ihre ehemaligen Vereine jubeln?

Auch für Trainer Viktor Skripnik war dieser Erfolg an der Stätte seines Trainer-Debüts extrem wichtig. "Alles hat geklappt, die Serie ist gebrochen", sagte Skripnik. "Ich bin glücklich, wir müssen akribisch weiterarbeiten." Der Ukrainer stand unter Druck, auch weil er selbst in einer emotionalen Pressekonferenz nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern am vergangenen Spieltag sein Verbleib nach einer weiteren Pleite in Mainz infrage gestellt hatte. "Wir wollen alle, dass es mit Viktor weitergeht", sagte Ujah.

Mit zehn Punkten haben sich die Bremer dezent von den Abstiegsrängen absetzen können, was beim anstehenden Programm nicht unwichtig war. Es folgen ein Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund und danach zwei Auswärtspartien beim direkten Konkurrenten FC Augsburg und beim heimstarken VfL Wolfsburg.

Für Ujah steht zunächst aber ein weiteres Wiedersehen an. Am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) empfängt Werder im DFB-Pokal den 1. FC Köln. Ujahs alte Liebe. "Ich hatte drei unglaubliche Jahr in Köln", sagte Ujah: "Aber ich will am Mittwoch gewinnen." Man darf gespannt sein, wie sein Torjubel dann ausfällt.

FSV Mainz 05 - Werder Bremen 1:3 (0:3)
0:1 Ujah (39.)
0:2 Ujah (44.)
0:3 Bartels (45.+3)
1:3 Muto (90.)
Mainz: Karius - Balogun, Bungert (80. Brosinski), Bell, Jara - Baumgartlinger, Latza (37. De Blasis) - Moritz (69. Bengtsson), Malli, Samperio - Muto.
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Galvez, Vestergaard, Santiago Garcia (75. Ulisses Garcia) - Bargfrede - Bartels, Fritz (88. Eggestein), Grillitsch, Junuzovic - Ujah (82. Pizarro).
Schiedsrichter: Hartmann (Wangen)
Zuschauer: 30.837
Gelbe Karten: Balogun, Samperio (2) - Fritz (3)

insgesamt 8 Beiträge
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PeterPan95 25.10.2015
1.
Das 1:0 war kein Torwartfehler, denn der Ball wurde spät vom eigenen Mann verlängert. Ich persönlich finde diesen verhaltenen Torjubel albern, btw. Da ist mir jemand, der sich ehrlich freut, tausendmal lieber als jemand, der aus falsch verstandenem "Respekt" nur beschwichtigende Gesten macht.
RugbyLeaguer 25.10.2015
2.
Ähhh... was ist jetzt bitte so schlimm dran wenn man über Tore jubelt? Auch über die, die man gegen einen ehemaligen Verein schießt? Sind das andere Tore? Ach...halt.. ich weis...man beleidigt ja dann vielleicht die Fans des Ex-Vereins... die möchten das nicht, das wäre ja ein Missachtung ihres Vereins... Die Fans sind ja das wichtigste im Spiel....
spon-facebook-10000050747 25.10.2015
3. Ujah hat jedes Recht, in Mainz zu jubeln
Er wurde unter Trainer Tuchel äußerst schäbig behandelt und bekam keine echte Chance, sich durchzusetzen. Ich erinnere mich, das Antony Ujah in einem Mainzer Heimspiel 2 Tore schoss. Als "Belohnung" setzte ihn Tuchel in der Folgezeit nur noch auf die Bank oder gleich auf die Tribüne, weil er "taktische Defizite" hätte. Jeder konnte erkennen, dass er als Stürmer ein sehr Guter ist und viele Tore macht. Dazu rannte und kämpfte er herausragend. Aber für Mainz unter Tuchel reichte das nicht. Völlig klar, das er jetzt besonders gerne die Mainzer abschießt!
huberwin 25.10.2015
4. er freut sich
über seine tore. das ist doch ok.
BettyB. 25.10.2015
5. Ehrlicher Jubler
Es wäre nicht nur unverständlich, sondern geradezu karriereschädigend, als Spieler ohne jahrzehntelange Vereinszugehörigkeit nicht über ein Tor gegen den Ex-Verein zu jubeln, denn für Spieler ohne eigentliche Vereinsbindung geht es doch allein darum, sich selbst zu verkaufen.
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