Antisemitismus im Amateurfußball Halleschem FC droht harte Strafe

Die "Juden-Jena"-Rufe einiger Fans des Halleschen FC könnten für den Verein ein böses Nachspiel haben. Der Landesverband hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Club eingeleitet. Der Verein hat mittlerweile einen Medienboykott verkündet.


Hamburg - Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) hat gegen den Halleschen FC ein Verfahren vor dem Sportgericht wegen des Verdachts antisemitischer Rufe im Ligaspiel gegen Carl Zeiss Jena II eröffnet. Dies gab der Verband bekannt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wurde von dem Vorfall bereits in Kenntnis gesetzt. "Wie die Vergangenheit lehrt, werden Wiederholungstäter härter bestraft. Die Angelegenheit liegt aber im Bereich des NOFV", sagte DFB-Sprecher Harald Stenger. Das Strafmaß reiche laut Stenger von "Punktabzug über ein Geisterspiel bis hin zu einer Zwangsversetzung in eine tiefere Spielklasse".

Internetseite des HFC: "Falsche Angaben"

Internetseite des HFC: "Falsche Angaben"

Die Vereinsverantwortlichen haben mittlerweile einen Medienboykott verkündet, anstatt sich zu den Vorfällen zu äußern. In diversen Medien seien Meldungen über den Halleschen FC veröffentlicht, welche aus Vereinssicht teilweise falsche Angaben sowie nicht korrekt wiedergegebene Zitate von HFC-Vertretern enthielten, heißt es in einer Erklärung auf der HFC-Webseite. "Vor diesem Hintergrund sowie dem bevorstehenden mitteldeutschen Traditionsderby gegen den FC Sachsen Leipzig hat sich der Vorstand in Abstimmung mit dem Präsidenten des Verwaltungsrates entschieden, ab sofort jegliche Zusammenarbeit mit allen Medienvertretern bis auf weiteres auszusetzen."

In der Partie vom 29. März sollen laut Zeugenaussagen einige Anhänger des früheren Zweitligisten wiederholt "Juden-Jena" gerufen haben. Dies soll jedoch nicht im Spielberichtsbogen des Schiedsrichters vermerkt worden sein. Da der Club bereits im Oktober 2006 nach rassistischen Äußerungen einiger seiner Fans gegen den dunkelhäutigen Adebowale Ogungbure (Sachsen Leipzig) zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro sowie einem Spiel vor leeren Rängen verurteilt worden war, drohen Halle nun härtere Strafen.

Die Staatsanwaltschaft Halle/Saale wird dagegen kein Ermittlungsverfahren gegen den Oberligisten einleiten. Sprecher Klaus Wiechmann sagte, der Tatbestand der Beleidigung oder Volksverhetzung sei nicht erfüllt. "Dieser Ruf ist moralisch verwerflich, mit dem Strafrecht aber nicht zu fassen", so Wiechmann.

mig/sid/dpa



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fingerzeiger 02.04.2008
1.
Zitat von sysopDer DFB setzt im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus auf harte Strafen, die von Platzsperre über Punktabzug bis hin zum Zwangsabstieg reichen können. Diese Sanktionen werden allerdings nur selten verhängt. Sollte der DFB verstärkt auf härtere Strafmaßnahmen setzen oder mehr Geld in Prävention und Fanarbeit investieren?
Diese Sanktionen waren auch bislang unnötig, da in den letzten Jahren diese Auswüchse nachgelassen haben(zumindest im Profibereich). Wichtiger wäre, die wöchentlichen Ausschreitungen in den unteren Klassen (Kreisliga und Co.) einzudämmen, das sollte bis zum Ausschluss der Vereine gehen
Querschläger, 02.04.2008
2.
Zitat von sysopDer DFB setzt im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus auf harte Strafen, die von Platzsperre über Punktabzug bis hin zum Zwangsabstieg reichen können. Diese Sanktionen werden allerdings nur selten verhängt. Sollte der DFB verstärkt auf härtere Strafmaßnahmen setzen oder mehr Geld in Prävention und Fanarbeit investieren?
Prävention reicht, wie die Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit gezeigt haben, an vielen Orten leider nicht mehr aus, auch weil manche Vereine von rechten Gruppen unterwandert sind.
Faust27 02.04.2008
3. Was tun?
Beide Maßnahmen sind essentiell, da Prävention alleine ohne Sanktionsmöglichkeiten nicht erfolgreich sein wird, genau wie Sanktionen ohne Prävention nicht wirksam sind. Hier muss zweigleisig gearbeitet werden! "Ewig Gestrige" wird es immer geben, die, angestachelt durch die Macht und Intergrationsfunktion einer Gruppe, rassistische Parolen grölen. Entscheidend ist es absolut, hier in der Fanszene deutlich zu machen, dass diesen - sicher in der Minderheit - nur durch geschlossenes und couragiertes Auftreten der anderen Fans Einhalt geboten werden kann. Wenn die Ablehnung in der breiten Masse auch im Stadion deutlich wird, kann dieses Phänomen, die widerlich rassistische Fratze einzelner Gruppen in der Fanszene, bekämpft werden!
Thomas Kummert 02.04.2008
4. Drakonische Strafen
Wenn gar nichts mehr hilft, eine komplette Saison in den betroffenen Ligen ausfallen lassen. Vielleicht kommen diese Id..... dann endlich mal zur Besinnung.
Kalix 02.04.2008
5. Beides
Zitat von sysopDer DFB setzt im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus auf harte Strafen, die von Platzsperre über Punktabzug bis hin zum Zwangsabstieg reichen können. Diese Sanktionen werden allerdings nur selten verhängt. Sollte der DFB verstärkt auf härtere Strafmaßnahmen setzen oder mehr Geld in Prävention und Fanarbeit investieren?
Zwischen Links und Rechts liegt eine Messerspitze; d.h. es muß deutlich mehr Aufklärung über Diktaturen, aber auch über die DDR, seitens staatlicher Stellen umgesetzt werden. Ein Lehrer, der bei der Wende plus/minus 30 war, ist heute 50; d.h. er hat noch 15 Jahre vor sich. Ob jemand, der im System DDR Lehrer wurde, die Prinzipien einer Demokratie mit vollem Einsatz vermittelt, darf zumindest bezweifelt werden. Was den DFB betrifft, sind harte Strafen angebracht, nicht nur bei Rechtsradikalismus sondern generell bei Krawallen. Die Ultras sind zu einer Bedrohung in den Stadien geworden, aber niemand trifft entsprechende Maßnahmen.
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