Deutscher Nationalspieler Rüdiger will bei rassistischen Vorfällen den Platz verlassen

"Ich bin der Erste, der rausgeht": Antonio Rüdiger hat sich für einen Spielabbruch bei Rassismusvorfällen in Stadien ausgesprochen. Da sei bislang "ziemlich wenig" unternommen worden.

Antonio Rüdiger (Mitte) macht sich für Spielabbrüche bei rassistischen Vorfällen stark
John MACDOUGALL /AFP

Antonio Rüdiger (Mitte) macht sich für Spielabbrüche bei rassistischen Vorfällen stark


Fußball-Nationalverteidiger Antonio Rüdiger hat sich für Spielabbrüche nach rassistischen Vorfällen ausgesprochen. "Das Spiel zu stoppen, halte ich für sinnvoll. Würde ich rassistische Beleidigungen von der Tribüne mitbekommen, bin ich der Erste, der rausgeht", sagte Rüdiger der "Bild am Sonntag". Bisher sei von den Verantwortlichen in solchen Fällen "ziemlich wenig" unternommen worden.

Dagegen findet Rüdiger den Vorschlag von Raheem Sterling von Manchester City, bei rassistischen Vorfällen den betroffenen Verein mit einem Abzug von neun Punkten zu bestrafen, zu hart. "Am Ende bestraft man die Mannschaft - und damit die Falschen", sagt er. Allerdings kann der 26-Jährige die Forderung des englischen Nationalstürmers nachvollziehen: "Es würde einige Klubs aufwecken. Ich persönlich bin aber gegen einen Punkteabzug."

Zielführender findet Rüdiger die Kampagne in der Premier League: "Alle Zuschauer im Stadion werden offensiv dazu aufgefordert, Zwischenfälle sofort bei den Ordnern zu melden. Das halte ich für einen sehr sinnvollen und möglicherweise wirkungsvollen Weg."

Damit könnten auch Vorfälle wie beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien im März in Wolfsburg vermieden werden, als Leroy Sané rassistisch beleidigt wurde. "Wenn ich da sitze und so etwas zulasse, ist das auch eine Form, Rassismus zu akzeptieren. Zu sagen: Ich habe nichts gesehen und nichts gehört, ist schwach."

"Es tut weh, es ist eine Schande, aber wir sind vorbereitet"

In der jüngeren Vergangenheit war es immer wieder zu rassistischen Vorfällen in Fußballstadien gekommen, zuletzt am Freitag beim Länderspiel Rumänien gegen Schweden. Kurz nach seiner Einwechslung in der 78. Minute habe er rassistische Schimpfwörter gehört, sagte der schwedische Stürmer Alexander Isak im schwedischen Radio. Daraufhin habe er den Schiedsrichter gefragt, ob er sie auch vernommen habe - "er hatte aber nichts gehört."

Isak hatte dem Schiedsrichter nach eigener Aussage gesagt, er solle das Spiel nicht unterbrechen. "Ich denke, man sollte sich von solchen - Entschuldigung - Idioten nicht auf diese Weise beeinflussen lassen", sagte der 20-Jährige: "Es tut weh, es ist eine Schande, aber wir sind darauf vorbereitet."

Im Oktober war die Partie zwischen Bulgarien und England wegen rassistischer Äußerungen von bulgarischen Fans zweimal unterbrochen worden. Schiedsrichter Ivan Bebek hatte vor dem Abbruch der Partie gewarnt und sich mit Englands Nationaltrainer Gareth Southgate besprochen. Das englische Team habe jedoch entschieden, weiterspielen zu wollen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

bam/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.