Argentinische Nationalelf Maradona flüchtet, Bilardo übernimmt

Mitten in der größten Krise der argentinischen Nationalmannschaft verlässt Trainer Diego Maradona sein Heimatland - zum Abnehmen in ein Spa-Hotel nach Italien. Vorerst soll Carlos Bilardo die Mannschaft zur WM 2010 führen.
Nationaltrainer Maradona: Zum Abnehmen in ein Spa-Hotel

Nationaltrainer Maradona: Zum Abnehmen in ein Spa-Hotel

Foto: DANIEL GARCIA/ AFP

Hamburg - Trainer Diego Maradona kämpft momentan nicht mehr um die WM-Qualifikation mit der argentinischen Nationalmannschaft, sondern nur gegen sein Übergewicht. Der Nationaltrainer der "Albicelestes" zog sich völlig überraschend in ein Spa-Hotel in Italien zurück. Wie Medien am Dienstag in Buenos Aires berichteten, wurde deshalb Carlos Bilardo zum vorläufigen Chef-Coach des Doppelweltmeisters ernannt. "Bis Maradona zurück ist, hast du das Sagen", sagte Verbandschef Julio Grondona laut Medien Bilardo bei einem Treffen. Der Coach, der Argentinien 1986 in Mexiko als Trainer zum zweiten WM-Titel geführt hatte und zuletzt "Beraterfunktionen" ausübte, sagte: "Die Menschen sind verärgert, nur Siege helfen uns weiter."

Maradona hatte am Sonntag Argentinien heimlich verlassen. Inmitten von Rücktritts-Gerüchten erklärte der Privatarzt des 48-Jährigen inzwischen die Gründe für die überraschende Flucht nur gut drei Wochen vor der letzten und entscheidenden Qualifikationsrunde. "Maradona ist nach Italien geflogen, um sich in einem ihm gut bekannten Spa einer Diät zu unterziehen. Er will fünf Kilogramm abnehmen. Aber ihm geht es gut, viel besser, als die meisten denken", sagte sein Arzt Alfredo Cahe. Ermuntert worden sei Maradona dazu von seiner Lebenspartnerin Verónica. Maradona werde zehn bis zwölf Tage im Spa in Meran bleiben, ein längerer Aufenthalt sei allerdings nicht ausgeschlossen, so Cahe.

Grondona "sehr verärgert"

Maradona stieg in den Flieger, ohne Grondona Bescheid zu geben. "Das Chaos hat sich endgültig in der Nationalelf eingenistet", schrieb am Montag die Zeitung "Clarin". Man wisse nicht, wer das Sagen habe. "La Nación" verriet, Maradona habe Grondona "sehr verärgert".

Zwei Spieltage vor dem Ende der Qualifikation belegt Argentinien in Südamerika nur den fünften Tabellenplatz, der am Ende nur zu Relegationsspielen gegen ein Team aus Nord- und Mittelamerika berechtigt. Allerdings liegen Kolumbien, Uruguay und Venezuela knapp hinter der Elf um Superstar Lionel Messi dicht auf den Fersen, so dass in Buenos Aires das erste Aus seit der Qualifikation 1970 befürchtet wird. Siege zu Hause gegen Peru am 10. Oktober und auswärts bei Angstgegner Uruguay (14. Oktober) sind Pflicht. Davor steht am 30. September ein Testspiel gegen Ghana auf dem Programm. Zum Thema, wer dann als Coach auf der Bank sitzen wird, sagte Bilardo: "Wenn es zwei Trainer gibt, verwirrt das die Spieler."

jar/dpa
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