Arsenals Remis gegen Milan Schönheit ohne Vollendung

Zwei Spitzenteams mit Spaß, sich aneinander zu messen: Der FC Arsenal und der AC Mailand boten in der Champions League eine mitreißende Partie - ohne Tore. Nach Abpfiff des fußballerischen Grundsatzduells herrschte vor allem eines vor: Bewunderung für den Gegner.

Von Christoph Biermann, London


Es gibt Spiele, die keinen Sieger verdienen, aber gelegentlich gibt es auch welche, die ein besseres Ergebnis verdient gehabt hätten. "Es war ein fantastisches Spiel, das auch 3:2 hätte ausgehen können", sagte Arsène Wenger. Doch der Trainer des FC Arsenal musste anerkennen, dass weder seiner Mannschaft noch dem Gast aus Mailand ein Tor gelungen war. Das hässliche 0:0 passte allerdings wirklich nicht zu einem vor allem in der zweiten Halbzeit mitreißenden Spiel. Es mochte vielleicht nicht die Größe eines vorweggenommenen Finales der Champions League erreicht haben, auf das etliche Fans gehofft hatten, aber so viel tollen Fußball auf einmal gibt es nicht sehr oft.

Und hätte Emanuel Adebayor in der vierten Minute der Nachspielzeit nicht nur die Latte, sondern doch noch ins Tor getroffen, der Abend hätte auch noch eine richtige Pointe gehabt. Denn ein 1:0 für Arsenal wäre wohl schon eine Vorentscheidung in diesem Achtelfinale gewesen, das zugleich auch eine Art Grundsatzduell ist. Im Zeichen der Erfahrung tritt der AC Mailand mit all seinen erfahrenen Kämpen um Paolo Maldini an, während Arsenal den jugendlichen Herausforderer gibt. So war es angekündigt worden, und so war im Hinspiel auch auf dem Rasen die Rollenverteilung.

Selbst hinterher blieb es sie noch, als etwa Aleksandr Hleb aufgeregt aus der Kabine kam und sich gar nicht vor Bewunderung darüber einkriegen konnte, wie abgeklärt die Italiener gespielt hatten. Sein Mannschaftskamerad Cesc Fabregas zappelte bei seinen Respektbekundungen nicht so viel, aber auch er war ziemlich beeindruckt: "Sie haben so viel Erfahrung und spielen nie einfach nur herum." Aus Sicht von ihrem Trainer zeigte sich Arsenals mangelnde Erfahrung jedoch nicht in zu viel Spielereien, er hätte sich seine Mannschaft etwas besser dosiert gewünscht. "Die Spieler haben manchmal überdreht", sagte Wenger und beklagte andererseits mangelnden Wumms. Denn sein Team hatte zwar oft aufs Tor geschossen, aber Milans hünenhafter Keeper Zeljko Kalac musste sich nur selten mit den Schüssen mühen.

Richtig in Gang kam die Sache sowieso erst nach der taktisch verkanteten ersten Halbzeit. Da gab es plötzlich Abschnitte im Spiel, in denen Arsenal den Gegner wirklich alt und weit über den Zenit wirken ließen. Vor allem in der Viertelstunde nach der Pause zerriss es Milans sonst so präzise arbeitende Defensive im Kombinationsrausch von Arsenal fast. Doch dann erholten sich die Italiener wieder, plötzlich strahlten Kaká und das neue Wunderkind Pato so viel Gefährlichkeit aus, dass die Gastgeber in höchster Gefahr schienen, sich einen Nackenschlag einzufangen.

Ein Spiel auf höchstem Niveau wurde es unterdessen, dem man anmerkte, wie viel Respekt beide Mannschaften voreinander hatten und wie viel Spaß, sich miteinander zu messen. Zum allgemeinen Vergnügen trug auch noch bei, dass alle Beteiligten das Ergebnis wenn nicht schön, so doch aussichtsreich fanden. "Ich habe zwar nicht davon geträumt, aber zu Hause ist es ein gutes Resultat", sagte Wenger.

Das fand auch Clarence Seedorf, der das Stadion auf eine Art verließ, als wolle er dem Thema des Abends noch ein abschließendes Kapitel hinzufügen. Lässig wie schon auf dem Platz gab er den freundlichen Routinier, der schon alles gesehen hat. Entspannt gab der Holländer zu, dass sich seine Mannschaft glücklich schätzen konnte, kein Gegentor kassiert zu haben. Arsenal hätte wirklich gut gespielt, und der AC Mailand könne es besser als gezeigt. "Sie waren nah dran, aber es geht um zwei Spiele und das zweite wird anders aussehen", sagte Seedorf und lächelte. Da hupte passenderweise der Mannschaftsbus, er musste los. In zwei Wochen gibt es die Auflösung, wer im Hinspiel das schönere 0:0 hatte.



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