Trainerlegende Arsène Wenger "Der Fußball und die Spieler haben an technischer Qualität eingebüßt"

Wie entwickelt man einen Weltklassefußballer? Welche besondere Gabe hat Dortmunds Stürmer Erling Haaland? Warum war der FC Bayern 2013 besser als heute? Arsène Wenger erklärt den Fußball.
Ein Interview von Danial Montazeri
Arsène Wenger bei seinem Abschied von Arsenal 2018: "Seit ich den Klub verlassen habe, war ich dort nicht mehr im Stadion"

Arsène Wenger bei seinem Abschied von Arsenal 2018: "Seit ich den Klub verlassen habe, war ich dort nicht mehr im Stadion"

Foto: Nigel French/ imago/PA Images

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Die aktuellen Bundesligatrainer sind im Schnitt seit etwas mehr als eineinhalb Jahren im Amt. Arsène Wenger kann darüber wohl nur müde lächeln. Nach 10 Jahren, sagt er, habe manch einer sein Gesicht nicht mehr beim FC Arsenal sehen wollen. Wenger blieb 22.

Als Wenger 1996 in die Premier League kam, nannte man den Klub wegen seiner Spielweise "Boring Arsenal". "Ich wollte den Stil ändern, ein kreatives Aufbauspiel einführen, das auf einer besseren technischen Basis beruhte", schreibt Wenger in seiner am Montag erscheinenden Autobiografie. 

Zu sagen, er hätte das geschafft, wäre eine Untertreibung. Nach zwei Jahren gewann der Klub das Double, 2004 wurde er Meister, ohne ein Spiel zu verlieren. Die mit Weltklasseprofis wie Thierry Henry oder Patrick Vieira gespickte Mannschaft blieb saisonübergreifend 49-mal ungeschlagen. Die "Invincibles" gingen in die Fußballgeschichte ein. Dank Wenger.

Sein Einfluss wuchs, beim FC Arsenal, wo er so mächtig wurde, dass er gar mitverantwortlich war für den 530 Millionen Euro teuren Stadionbau, und im Fußball, wo die Gunners vielen als Vorbild galten. Bis andere Wenger schließlich überholten. 2018 musste er den Klub verlasssen. 

Das Trainerdasein ist Vergangenheit, aber die Gegenwart füllt den 70-Jährigen nicht aus, diesen Eindruck bekommt man, wenn Wenger im Interview per Videochat über seine Zeit bei Arsenal spricht. Als Direktor bei der Fifa hat er viel Zeit. Er macht Sport, vor allem aber schaut er viel Fußball, noch immer.

Foto: nordphoto / Ewert / imago images

Arsène Wenger, Jahrgang 1949, gilt als einer der prägendsten Fußballtrainer der jüngeren Geschichte. Schon mit 33 Jahren wurde er Erstligatrainer in Frankreich, später arbeitete er in Japan, in Erinnerung aber bleibt vor allem seine Zeit beim FC Arsenal. Bis 2018 war Wenger 22 Jahre lang Chefcoach des englischen Spitzenklubs. Derzeit arbeitet er als "Direktor für globale Fußballförderung" beim Weltverband Fifa.

SPIEGEL: Herr Wenger, in Ihrer Autobiografie schreiben Sie, dass Sie, seit Sie kein Manager mehr sind, versuchen, bis zu drei Fußballspiele am Tag zu sehen. Welches Spiel hat Sie in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Wenger: Das Champions-League-Finale, Bayern gegen Paris Saint-Germain. Weil ich erwartet hatte, dass die Bayern mehr leiden würden. Vor allem in der zweiten Halbzeit.

SPIEGEL: Aber die Bayern haben weiter gepresst und gewonnen. Der Fußball Ihres Arsenal-Teams stand für Schönheit, für den Versuch, mit Stil zu gewinnen. Haben Sie Ähnliches beim FC Bayern wiederentdeckt?

Wenger: Schöner Fußball ist etwas, wonach jeder große Verein streben muss. Die Topklubs tragen eine Verantwortung dafür, Sport zur Kunst zu machen. Aber das kann auch die Kunst des Kämpfens sein. Wobei ich nicht behaupten will, dass die Bayern nicht auch Fußball spielen wollten, statt vor allem zu arbeiten.

"Das Team, das 2013 das Triple gewonnen hat, war besser."

SPIEGEL: Die Bayern haben jedes einzelne Champions-League-Spiel gewonnen, darunter das 8:2 gegen Barcelona. War diese Mannschaft die beste der jüngeren Fußballgeschichte?

Wenger: Es ist nicht einmal die beste Bayern-Mannschaft der vergangenen Jahre. Das Team, das 2013 das Triple gewonnen hat, war besser. Damit will ich die Leistung der aktuellen Mannschaft nicht kleinreden. Die Bayern sind aktuell das beste Team Europas. Aber das liegt auch daran, dass es keine anderen großen Mannschaften gibt. Barcelona ist schwach. Real Madrid ist schwach.

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