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07. Dezember 2012, 09:28 Uhr

Beförderung beim FC Baku

Vom Konsolen-König zum Fußballmanager?

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Plötzlich war Vugar Huseinzade berühmt. Weltweit berichteten Medien, der 21-Jährige sei nur deshalb Manager beim FC Baku geworden, weil er jahrelang erfolgreich den "Football Manager" von Sega gespielt habe. Stimmt das? Ein Anruf beim Konsolen-Zocker.

BBC, "Bild am Sonntag", "Stern" oder ESPN - weltweit staunten Zeitungen und Nachrichtenseiten über diese Geschichte: Ein 21-Jähriger wird neuer Sportdirektor des aserbaidschanischen Erstligisten FC Baku. Seine Qualifikation? Jahrelange Erfahrung im Zocken einer Computer-Simulation, dem "Football-Manager", so war zu lesen. Es klang, als sei der Traum zahlloser Jugendlicher wahrgeworden. Es klang zu verrückt, um wahr zu sein.

Der FC Baku ist international bisher wenig in Erscheinung getreten. Bekannter ist da schon Neftschi Baku. Der Lokalrivale spielte in der Europa League, schied aber mit nur drei Punkten als letzter der Gruppe H aus. Der FC Baku spielt zwar nicht international, verfügt aber immerhin über jede Menge Geld. Mit einem Jahresetat von rund 20 Millionen Euro spielt er finanziell in einer Liga mit Bundesliga-Clubs wie dem 1. FC Nürnberg. 20 Millionen Euro, verwaltet von einem 21 Jahre alten Computerspiel-Fan?

"Ich weiß auch nicht genau, wie das Gerücht entstehen konnte", sagt Vugar Huseinzade SPIEGEL ONLINE. Er ist tatsächlich der neue Sportdirektor des FC Baku, auch sein Alter stimmt, 21 ist er erst. Die Sache mit dem Computerspielen allerdings, die sei so nicht ganz richtig: "Auch wenn ich seit 2002 'Football Manager' spiele. Und das sehr erfolgreich."

Mitte November, als er den Posten gerade angetreten hatte, wurde Huseinzade von der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" interviewt. Die Journalisten waren auf ihn aufmerksam geworden, weil er im Rennen um den freigewordenen Posten immerhin den ehemaligen Weltklassestürmer Jean-Pierre Papin ausgestochen hatte. Zudem wurde Huseinzade zwar in Baku geboren, ist aber schwedischer Staatsbürger. Seine Familie zog in den neunziger Jahren nach Stockholm.

"Mir wird meine Computerspiel-Erfahrung schon noch helfen"

"Mit diesem Interview hat alles angefangen", erinnert sich Huseinzade. Aserbaidschanische und russische Medien verbreiteten dann ihre Version: Einzig Huseinzades Erfahrung mit der PC-Simulation sei ausschlaggebend gewesen für die Beförderung vom Berater des Vizepräsidenten zum Sportdirektor. Plötzlich war die Story in der Welt, Huseinzade aber kann darüber nicht lachen.

Er habe gegenüber der Geschäftsführung zwar damals erwähnt, dass er gerne "Football-Manager" spiele. Ihm ist aber wichtig, dass die Leute wissen, dass er sich mit Management auskennt, sagt er nun. Schließlich hat er in Boston an einer angesehenen Universität studiert.

Doch reicht ein Studium allein, um den mit rund 300 Angestellten größten Club des Landes zu führen? Ein bisschen muss Huseinzade zurückrudern. "Da wird mir meine Computerspiel-Erfahrung dann schon helfen", sagt er. "Ich habe eine ganz gute Ahnung, worum es in dem Job geht. Vielleicht nicht zu 100 Prozent - aber zu 90 Prozent schon." Dass es solche Äußerungen waren, die das Gerücht entfachten, glaubt Huseinzade nicht. Am liebsten würde er darüber auch nicht mehr sprechen.

Er kann es kaum erwarten, sein theoretisches Wissen in der Praxis zu testen. Seit knapp einem Monat ist er im Amt, jetzt will er es sich und vor allem den Skeptikern beweisen. Mitunter werde er ein wenig von oben herab behandelt, weil er noch so jung ist. Er ist zuversichtlich, dass sich das ändert, sobald er erste Erfolge vorweisen kann. Derzeit dümpelt der Club nur im unteren Mittelfeld der "Unibank Premyer Liqasi". Die ersten sechs Teams der Zwölfer-Liga spielen in Playoffs um die Meisterschaft. "Die werden wir bald gewinnen", ist sich Huseinzade sicher.

Keine Angst vor den ersten Deals

Als nächstes werde er einen treffsicheren Angreifer verpflichten. "Vielleicht sogar gleich mehrere", 13 Tore in 13 Spielen seien einfach zu wenig. Über Namen will Huseinzade noch nicht sprechen, das wäre schlecht für die Verhandlungen. Ansonsten gehe er aber zuversichtlich in seine ersten Transferdeals, auch dank des Computerspiels: "Ich weiß, wie man mit Spielern und Beratern umgehen muss."

Macht es denn gar keinen Unterschied, ob man vor dem Bildschirm oder vor Menschen aus Fleisch und Blut sitzt? Huseinzade muss kurz überlegen, dann sagt er: "Die Hauptsache ist, man hat verstanden, wie das Geschäft läuft."

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