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Bundesliga-Transfers: Feine Technik aus Fernost

Foto: Fabian Bimmer/ dpa

Asiaten in der Bundesliga Sturmwind aus Fernost

Sie kommen aus Japan, China und Südkorea - und sie überzeugen schon auf den ersten Blick. Schalke, Dortmund und HSV haben Profis aus Asien verpflichtet. SPIEGEL ONLINE stellt die vier Männer vor, die man sich in dieser Saison merken sollte.
Von Timo König

Diesen Moment wird Heung-Min Son so schnell nicht vergessen. Der Südkoreaner erwischte den Ball im Strafraum vor dem heranstürmenden Verteidiger Ricardo Carvalho, zog an ihm vorbei Richtung Tor und verwandelte eiskalt zum Siegtreffer. Spätestens seit diesem Tag vor zwei Wochen, an dem der Hamburger SV im Testspiel den großen FC Chelsea aus London besiegte, fliegen dem 18-Jährigen die Herzen der Fans zu. Wie frustrierend muss es für ihn sein, dass er sich ausgerechnet im selben Spiel verletzte und nun erst mal ausfällt.

Heung-Min Son ist schon seit zwei Jahren in Hamburg. Mit 16 kam er im Zuge eines Austauschprogramms in die Hansestadt und spielte seitdem von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet in der A-Jugend. In diesem Sommer ist er dann wie aus dem Nichts erschienen und hat die Hamburger Fußballwelt geradezu ins Schwärmen gebracht. Mit neun Toren in den Vorbereitungsspielen war der Offensivspieler der torhungrigste HSVer, gefährlicher als Topstars wie Ruud van Nistelrooy oder Mladen Petric.

Son spielt unbekümmert. Er ist schnell im Antritt und kann den Ball auch auf engem Raum kontrollieren. Er wirkt leichtfüßig und grimmig entschlossen, den Ball durch Dribblings und Doppelpässe nach vorne zu treiben. Ein wenig erinnert er in seinen Bewegungen an den ehemaligen Bremer Diego.

"Son kann mit 18 Jahren schon so viel wie andere Profis mit 30 Jahren nicht. Ich weiß, dass ich bei einem solch jungen Mann vorsichtig sein muss und ihn nicht zu viel loben darf. Aber ich mache es trotzdem. Und ich höre nicht auf, ihn zu loben", sagte HSV-Trainer Armin Veh dem "Hamburger Abendblatt".

Ähnlich durchgestartet wie Son beim HSV ist Shinji Kagawa bei Borussia Dortmund. Der Japaner, der im Sommer von Cerezo Osaka zu den Westfalen wechselte, schoss sich in den Testspielen auf die Bundesliga ein und begeisterte seinen Trainer Jürgen Klopp. "Sensationell! Es ist schon erstaunlich, was Shinji alles drauf hat", sagte Klopp der "Bild"-Zeitung. Kagawa ist beidfüßig und kann in Mittelfeld und Angriff eingesetzt werden.

In der Vorbereitung war Kagawa mit Doppelpässen und dem Auge für seine Mitspieler oft der auffälligste Akteur. Beim 2:1-Sieg gegen Manchester traf der 21-Jährige und holte einen Foulelfmeter heraus. Auch beim ersten Pflichtspiel, dem Pokalsieg bei Wacker Burghausen, überzeugte er. Schon in seiner Heimat hat Kagawa seine Torgefährlichkeit bewiesen: In der vergangenen Saison erzielte er für Cerezo Osaka 27 Tore in der zweiten japanischen Liga. 350.000 Euro Ausbildungsentschädigung überwies Borussia Dortmund nach Osaka. Die Fans vergleichen Kagawa bereits mit dem ehemaligen Publikumsliebling Tomás Rosicky.

Der FC Schalke 04 hat gleich zwei Asiaten unter Vertrag, den Chinesen Hao Junmin und den Japaner Atsuto Uchida. Zunächst verpflichtete Trainer Felix Magath Hao, der in einem Test-Länderspiel gegen Deutschland das Tor beim 1:1-Unentschieden erzielt hatte. Seit der Winterpause spielt der 23-Jährige für Schalke. Seine Stärken sind mit denen des Hamburgers Son und Dortmunds Kagawa vergleichbar. Er ist trickreich, schnell und hat einen guten Zug zum Tor. Junmin spielt im rechten Mittelfeld und ist in der Lage, über schnelle Vorstöße und präzise Flanken ordentlich Druck aufzubauen. 2004 hatte der FC Chelsea Interesse an ihm. Junmin nahm am Probetraining teil, gereicht hatte es damals aber noch nicht für den Sprung nach Europa. Danach spielte Junmin in seinem Heimatland und wurde 2005 und 2007 zum besten Nachwuchsspieler gewählt.

Sein japanischer Teamkamerad Uchida hat zurzeit die besseren Chancen auf einen Stammplatz bei Felix Magath. Für etwa 1,3 Millionen wechselte er aus der J-League von Kashima Antlers in den Pott. Der 22-Jährige spielt bei Schalke in der Verteidigung gut und dürfte sich in der Vorbereitung einen Vorteil vor dem ohnehin derzeit verletzten Tim Hoogland verschafft haben. Uchida ist laufstark, durchsetzungsfähig, dribbelstark, schlägt gefährliche Flanken und gilt als taktisch sehr diszipliniert.

Der Japaner zieht bei seinen Vorstößen gerne bis auf die Grundlinie, flankt oder dringt links in den Strafraum ein. Atsuto wurden allerdings beim ersten Vorbereitungsturnier Anfang August noch die Grenzen aufgezeigt. Im Finale gegen den FC Bayern sorgte er zwar dauernd für Unruhe, er rannte sich dabei aber häufig fest oder verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung.

Gemeinsam ist allen der Ehrgeiz, die Spritzigkeit, die technische Kontrolle des Balles auf engem Raum und das versiertes Passspiel. Nur physisch sind sie nicht auf der Höhe - dass sich dies zumindest bei Junmin und Uchida auf Schalke ändert, darum wird sich Magath schon kümmern.

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