Asien-Cup Generalpröbchen am Golf

WM-Gastgeber Katar steht als Ausrichter des Asien-Cups erstmals im Fokus der Fußballwelt. Für das Emirat gilt es, einen möglichst perfekten Testlauf hinzulegen, auch wenn die beiden Turniere wenig gemein haben werden.
Khalifa-Stadion in Doha: Schauplatz des Asien-Cups

Khalifa-Stadion in Doha: Schauplatz des Asien-Cups

Foto: SPIEGEL ONLINE

Hamburg - Katar gegen Usbekistan - große Fußballnationen trafen beim Eröffnungsspiel des Asien-Cups am Freitag nicht aufeinander. Das Interesse der weltweiten Fußballgemeinde an dem Kontinentalturnier mit geringem sportlichem Wert ist dennoch immens. Das finanzstarke Emirat am Persischen Golf sicherte sich vor wenigen Wochen das Austragungsrecht der WM 2022 - die Asienmeisterschaft wird nun zum Testlauf für das Großereignis in elf Jahren. "Wir sind überzeugt, dass ein erfolgreicher Asien-Cup unsere Berechtigung unterstreichen wird, ein idealer WM-Gastgeber zu sein", sagte Katars Emir Hamad Bin Chalifa al-Thani. Zumindest aus sportlicher Sicht verlief der Auftakt für die Gastgeber enttäuschend, Katar unterlag Usbekistan 0:2.

Die Anfang Dezember in Zürich verkündete Entscheidung der Fifa-Exekutivkomitee-Mitglieder war weltweit auf große Ablehnung gestoßen. Vom größten "Fußballwitz aller Zeiten" schrieb die norwegische Zeitung "Dagbladet". Die "Neue Zürcher Zeitung" hatte eine Wahl gesehen, der "etwas Irrationales" anhafte. Selbst DFB-Präsident Theo Zwanziger war "ein wenig überrascht", Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff bezeichnete Katar wegen der fehlenden Fußball-Begeisterung im Land als "nicht optimale Lösung".

Ob der Asien-Cup daran etwas ändern wird, darf bezweifelt werden. Die Organisatoren bemühen sich mit Dumping-Preisen, ihre Landsleute in die Stadien zu locken. Die billigste Eintrittskarte für das Turnier der 16 Mannschaften, darunter die WM-Teilnehmer Japan, Australien, Nord- und Südkorea, ist schon für fünf Riyal, umgerechnet etwas mehr als ein Euro, zu haben. Der Gastgeber ist als 114. der Weltrangliste Außenseiter. Spiele zwischen Bahrain und Indien oder Jordanien und Syrien werden in einem Land, dessen Einwohner sich eher für Kamelrennen und die Falknerei begeistern, kaum für Begeisterungsstürme sorgen.

FC Bayern nutzt perfekte Bedingungen in Doha

Und das, obwohl in Katar zu dieser Jahreszeit das Wetter bei rund 25 Grad und Sonnenschein beste Rahmenbedingungen bietet. Der FC Bayern München hat Schnee und Eis in Deutschland für einige Tage hinter sich gelassen und bereitet sich in Doha auf die Bundesliga-Rückrunde vor. Der Asien-Cup wurde wegen der Temperaturen im Sommer, die bis zu 50 Grad erreichen können, extra in die Wintermonate verlegt.

Es ist zu erwarten, dass diese Entscheidung der Funktionäre die Diskussion um eine Verlegung der WM in die Wintermonate weiter befeuern wird. Der von zahlreichen Experten, darunter Franz Beckenbauer, eingeforderten Maßnahme schloss sich nun auch Fifa-Präsident Joseph Blatter mit deutlichen Worten an. "Ich erwarte, dass sie im Winter ausgetragen wird", sagte der Schweizer vor dem Eröffnungsspiel des Asien-Cups über die WM.

Die logistische Herausforderung mit der Anpassung der Spielpläne auf nationaler und internationaler Ebene sieht Blatter offenbar nicht als Hindernis. "Es ist noch elf Jahre hin, aber wir müssen uns für die angemessenste Jahreszeit entscheiden, das bedeutet Januar oder am Jahresende", so Blatter.

Abgesehen von der Frage nach der optimalen Jahreszeit wird der Asien-Cup letztlich wenig Aussagekraft für die WM in elf Jahren haben. Der weitaus größte Teil der WM-Arenen existiert bisher nur auf dem Papier, wegen der fehlenden sportlichen Bedeutung wird ausbleibende Euphorie in der Bevölkerung kein Maßstab sein. Den Scheichs aber bleibt die Chance, mit einem reibungslosen Ablauf zu punkten und "die positive Botschaft in die Welt zu senden, dass die Fifa mit der WM-Vergabe an Katar die richtige Entscheidung getroffen hat", wie es in der Zeitung "Gulf News" hieß.

ged/dpa/sid
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