Assauer-Interview "Eddy ist der Chef"

Mit zwei Siegen im Uefa-Cup und in der Bundesliga hat der FC Schalke 04 auf die Entlassung von Trainer Jupp Heynckes reagiert. Manager Rudi Assauer tritt gegen den von ihm verpflichteten Coach nach und spricht jetzt dem niederländischen Interimstrainer Eddy Achterberg vorläufig sein Vertrauen aus.


Freundschaftlicher Tritt: Assauer (r.) bedankt sich bei Achterberg
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Freundschaftlicher Tritt: Assauer (r.) bedankt sich bei Achterberg

Herr Assauer, wie beurteilen Sie den 3:2-Sieg gegen Mönchengladbach?

Rudi Assauer:

Die Mannschaft verdient größtes Lob. Nach dem, was sie in dieser Woche alles um die Ohren gekriegt hat, hat sie gezeigt, dass sie Charakter und Moral hat. Das war ihr ja von vielen abgesprochen worden.

Sind Sie mit dem, was Sie gesehen haben, zufrieden?

Assauer: Das war mit das beste Spiel im letzten Dreivierteljahr. Dieses Drehbuch hätte keiner besser schreiben können, das war sensationell. Es ist genau das eingetreten, was ich den Jungs gesagt habe. Ich bin hundertprozentig zufrieden. Wenn sie so weiterspielen, haben wir noch viel Spaß.

Mussten Sie die Mannschaft besonders motivieren?

Assauer: Das war ganz einfach: Du brauchtest nur die Zeitung an die Wand zu nageln und zu sagen: Guckt mal, was da steht! Dankeschön dafür.

Wer hat denn die Mannschaft aufgestellt, Interimstrainer Eddy Achterberg oder Sie?

Assauer: Eddy ist der Chef, der entscheidet, wer spielt und mit welcher Taktik. Wir sind nur Beiwerk. Er hat das letzte Wort.

Wie lange bleibt Achterberg Trainer?

Assauer: Wir werden alles in Ruhe überdenken. Wir machen keinen Schnellschuss. Ich schwöre an Eides Statt, dass ich noch nicht einen Gedanken an einen neuen Trainer verschwendet habe. Obwohl mir die Faxe mit Angeboten von Beratern um die Ohren fliegen.

Wie schwer sind Ihnen die Entscheidungen der vergangenen Tage gefallen?

Assauer: Die ganze Geschichte hat uns alle arg mitgenommen. Wir sind alle müde. Ich habe schon darüber nachgedacht, ob ich noch das richtige Händchen habe. Dann habe ich eine Tabelle gemacht, was ich seit 1993 richtig und was nicht richtig gemacht habe. Ich bin immer noch im Plus. Frank Neubarth und Jupp Heynckes sind persönliche Niederlagen für mich. Davor habe ich aber auch riesige Siege gefeiert. Bis jetzt ist die Bilanz noch positiv.

Warum ist die Mannschaft ganz anders aufgetreten als zuletzt unter Heynckes?

Assauer: Die Truppe war frei, hat gespielt mit Lust und Laune und Leidenschaft, wie es in den letzten Monaten nicht der Fall war. Anscheinend war irgendwo eine Bremse drin.

Was für eine Bremse?

Assauer: Ich sage noch einmal: Jupp Heynckes ist ein guter Trainer. Aber es hat hier nicht funktioniert. Wir sind hier nicht Real Madrid oder Benfica Lissabon oder Bayern München. Hier ist gefordert, erstmal hart zu arbeiten. Die Zauberei am Schlangenfluss kann dann später kommen.

Ebbe Sand hat in der Öffentlichkeit erklärt, dass die Trennung von Heynckes die richtige Entscheidung war. Was halten Sie davon?

Assauer: Ebbe hat von Hause aus Charakter und Willensstärke. Er spinnt nicht, er weiß, was er sagt. Und er hat die Antwort auf dem Platz gegeben. Dass er das Tor gemacht hat, war das Schönste.

Aufgezeichnet von Thomas Lipinski, sid



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