Atlético Madrid in der Champions League Das dreckige Dutzend

Der Fußball von Atlético Madrid ist nicht hübsch, der Trainer ein Flegel. Aber dem FC Barcelona haben sie damit den Garaus gemacht. Der wird nicht ihr letztes Opfer sein.
(v.r.) Godin, Koke, Juan Francisco Torres, Lucas Hernandez Pi

(v.r.) Godin, Koke, Juan Francisco Torres, Lucas Hernandez Pi

Foto: Gonzalo Arroyo Moreno/ Getty Images

Atlético? Ach, nö. Diese Kaputtmacher des Fußballs, diese Großmeister im Zerstören des Spiels, diese Anti-Offensiv-Experten, dieser ungehobelte Trainer an der Seitenlinie, der während des Spiels nicht einmal das kleine Einmaleins der Tischmanieren beherrscht. Und die haben die beste Mannschaft der Welt, den FC Barcelona, aus dem Wettbewerb geworfen?

Ja, haben sie. Und sie haben es sich verdient.

Atlético Madrid ist das Schmuddelkind der Champions League. Tatsächlich gilt die Mannschaft von Trainer Diego Simeone nicht als die Erfinderin des schönen Spiels. Die Elf besteht gefühlt aus zehn Defensivexperten und dem Franzosen Antoine Griezmann, der, wie beim 2:0 im Rückspiel gegen Barcelona, vorn die nötigen Tore macht. Kapitän Diego Godin aus Uruguay, sein Landsmann José Maria Gimenez und die spanischen Defensivkollegen Gabi und Juanfran sind die Großmeister der Verteidigung, es gibt keinen Trick, den sie nicht beherrschen, um ein Spiel ohne Gegentreffer über die Zeit zu bringen. Und es gibt verdammt viele Tricks.

In 32 Ligaspielen dieser Saison hat Atlético 16 Treffer kassiert. 19-mal hat das Team zu null gespielt. Das ist ein Wert, den europaweit sonst nur Mannschaften erreichen, die ihre Ligen komplett dominieren wie der FC Bayern in Deutschland oder PSG in Frankreich.

Torjäger Antoine Griezmann trifft und trifft

Torjäger Antoine Griezmann trifft und trifft

Foto: Alejandro Garcia/ dpa

Gleichzeitig hat die Elf 54 Tore erzielt, Real hat fast 40 Tore mehr geschossen. In der Tabelle steht Atlético auf Platz zwei, Real auf Platz drei.

Simeone nervt, aber er ist erfolgreich

Trainer Diego Simeone ist der dunkle Lord dieses Fußballs. Wenn er stets ganz in Schwarz gekleidet an der Linie 90 Minuten herumfuchtelt, brüllt, die bedauernswerten Schiedsrichtergespanne unentwegt belästigt, gerne auch mal den Gegner mit einer verächtlichen Geste beleidigt, ist er die Verkörperung des Drecksfußballs, den Atlético parallel dazu auf dem Rasen so perfekt durchzieht.

Atlético-Coach Diego Simeone

Atlético-Coach Diego Simeone

Foto: AP/dpa

Simeone war schon als Profi einer, der seine Gegenspieler genervt und entnervt hat, der den jungen David Beckham bei der WM 1998 im Achtelfinale Argentiniens gegen England so lange provozierte, bis dieser nachtrat und des Platzes verwiesen wurde. Aber auch ein Spieler, der immer die Knochen hingehalten hat, in 514 Ligapartien, in 106 Länderspielen, ein würdiger Mannschaftskapitän Argentiniens. All das, was er in jenen Jahren gelernt hat, gibt er als Trainer weiter.

Man muss diese Art des Fußballs nicht lieben, es mag sogar Gründe geben, sie zu verabscheuen, aber es gibt eben nicht nur einen Stil, der zum Erfolg führt. Es gibt auch in der Bundesliga nicht nur den FC Bayern, es gibt auch den FC Ingolstadt oder Darmstadt 98, und beide Arten, Fußball zu spielen, sind legitim. Fußball ist selten Rausch, es ist meistens Arbeit. Und kaum jemand hat bessere Arbeiter zur Verfügung als Simeone.

Und wer ihnen dabei zusieht, wie sie dem FC Barcelona, diesen Philharmonikern des Fußballs, den Ton abgedreht haben, wie sie den Künstlern Lionel Messi, Neymar und Luis Suárez das Spiel verderben, dem Titelverteidiger jegliche Lust am Zaubern nehmen, wie sie ein Defensivnetz über den ganzen Platz ziehen, an dem Torjäger Griezmann ebenso teilnimmt wie der famose Torwart Jan Oblak, der kommt irgendwann nicht umhin, diese Art des Fußballs zu bewundern. Das ist Dirty Dancing.

Bayern München, Real Madrid, Manchester City - drei Große stehen im Halbfinale, und niemand von ihnen wünscht sich am Freitag bei der Halbfinalauslosung Atlético Madrid. Das ist Auszeichnung genug.

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Foto: Gonzalo Arroyo Moreno/ Getty Images
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