Covid-19-Fälle bei Atlético Madrid Vorerst nur ein Schreck

Dankbare Auslosung, starke Defensive, Atlético könnte es beim Champions-League-Turnier weit bringen. Doch die Corona-Fälle stören die Planung - und auch andere Klubs aus Madrid haben es schwer im Kampf gegen Covid-19.
Von Florian Haupt, Barcelona
In Corona-Zeiten gilt eigentlich Hände aus dem Gesicht: Atléticos Trainer Diego Simeone

In Corona-Zeiten gilt eigentlich Hände aus dem Gesicht: Atléticos Trainer Diego Simeone

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Acero/ imago images/Alterphotos

Beim Abriegeln macht Atlético Madrid keiner was vor. Unter Trainer Diego Pablo Simeone wird nicht nur das eigene Tor besonders gekonnt verteidigt, sondern auch die Intimität des Vereinslebens. Kaum etwas dringt nach außen, noch weniger wird kommuniziert. Für Anhänger des Champions-League-Viertelfinalisten bedeutete das zwischen Sonntagabend und Montagnachmittag quälend lange Stunden.

Sie wussten aus einer Pressemitteilung: Es gibt kurz vor dem Duell mit RB Leipzig am Donnerstag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL.de) zwei positive Covid-19-Fälle in Atléticos Champions-League-Delegation. Sie lasen in den Medien: Es handelt sich um Spieler. Sie sahen auf Bildern vom Trainingsgelände: keiner da, alles zu. Und sie mussten angesichts von fast zwei Wochen Mannschaftstraining nach Ende des Kurzurlaubs befürchten: Da kommt noch mehr.

Dann, um kurz vor 14 Uhr, das nächste Kommuniqué und, zumindest vorerst, die Beruhigung: keine weiteren Positivfälle. Am späten Nachmittag sollte schon wieder trainiert werden. Nur die Reise zum Finalturnier nach Lissabon wurde vorsichtshalber von Montagabend auf Dienstag verschoben. Nicht mit an Bord gehen und damit am Donnerstag gegen Leipzig fehlen werden der ohnehin verletzte Außenverteidiger Sime Vrsaljko und Angreifer Ángel Correa. Sie sind die beiden Infizierten.

"Schamlos"-Wünsche an Lemar

Also nicht der als Fehleinkauf geltende Thomas Lemar, wie zynische Fans in den sozialen Netzwerken gehofft hatten (womit sie dem Verein mittelbar bewiesen, dass es fehlende Transparenz am Ende immer nur noch schlimmer macht: durch eine wütende Reaktion von Lemars Landsmann und Sevilla-Profi Jules Koundé  - "so was von schamlos" - erfuhren die entsprechenden Tweets beträchtliche Verbreitung). Aber es fehlt eben auch nicht einer der Schlüsselspieler wie Torwart Jan Oblak, Abwehrchef José María Giménez, die Mittelfeldallrounder Koke und Saúl, oder, natürlich, Simeone.

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Die Frage ist nur: Kommt vielleicht doch noch was?

Die jüngsten Negativproben der übrigen Spieler wurden einen Tag nach den zwei positiven Befunden genommen, das ist schon mal eine gute Nachricht. Auch der Umstand, dass der Kroate Vrsaljko zuletzt gar nicht mit der Mannschaft trainierte, hätte so manche Nervosität während der Warterei etwas abmildern können. Auf der anderen Seite schießen die Covid-Zahlen in Spanien zuletzt so unkontrolliert nach oben, dass vollkommene Entwarnung utopisch scheint. Zumal es ja warnende Beispiele aus dem Fußball gibt. Sogar aus derselben Stadt.

Während ein Positivfall bei Erzrivale Real Madrid (Stürmer Mariano) im Vorfeld des Champions-League-Achtelfinals erfolgreich isoliert wurde, ging parallel zu Reals Achtelfinal-Ausscheiden bei Manchester City am Freitag die Zweitligapartie zwischen Deportivo La Coruña und CF Fuenlabrada über die Bühne. Sie war zweieinhalb Wochen zuvor kurz vor Anpfiff abgesagt worden - als etliche Positivtests beim Madrider Vorortsklub Fuenlabrada bekannt wurden. Trotz bereits bestehender Covid-Fälle bei Spielern und Betreuern war die übrige Mannschaft auf Reisen gegangen.

Madrids Sport hat besonders mit Corona zu kämpfen

Seither kommen der spanische und insbesondere der Madrider Sport nicht zur Ruhe. Die Fußballer von Fuenlabrada verpassten in einem von allen Beteiligten als Farce eingestuften Duell zweier Notauswahlen am Freitag den nötigen Punkt für den Einzug ins Aufstiegsplayoff durch einen strittigen Elfmeter in der Nachspielzeit. Die (sport-)juristische Aufarbeitung der Angelegenheit dauert noch an. Gemäß einer Übersicht des Fernsehsenders Telemadrid gibt es dazu Positivfälle auch beim Basketball-Erstligateam aus Fuenlabrada (fünf), dem Ligakonkurrenten Estudiantes Madrid (einen) und dem lokalen Futsal-Team Inter Movistar (einen). Sowie: bei der Frauenmannschaft von Atlético Madrid (vier).

Auch das Frauenteam bereitet sich gerade auf das Finalturnier der Champions League vor, das ab dem 21. August im Baskenland steigen soll. Sie trainieren auf demselben Gelände wie die Männer. Ein geplantes Freundschaftsspiel gegen Athletic Bilbao musste am Samstag bereits abgesagt werden.

Von Simeones Männerteam verlangen die Regularien, gegen Leipzig mit mindestens 13 Spielern jener 23 Profis anzutreten, die auf der A-Liste für das Turnier gemeldet wurden. Einer davon muss Torwart sein. Anderenfalls kann eine Erweiterung um Jugendspieler gestattet werden, auch eine Spielverschiebung oder die Wertung zugunsten des Gegners sind mögliche Konsequenzen. Die Uefa wollte das am Montag jedoch nicht spezifizieren. Man gehe von einem normalen Ablauf der Partie aus.

Atlético träumt nach zwei knappen Finalniederlagen 2014 und 2016 vom ersten Champions-League-Titel. Die Auslosung mit Leipzig - und im möglichen Halbfinale dann gegen Außenseiter Atalanta Bergamo oder das von Verletzungssorgen geplagte Paris St. Germain - scheint günstig wie nie. Doch nun hängt der Traum am seidenen Faden. Beziehungsweise: den nächsten Testergebnissen.

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