Atlético-Star Antoine Griezmann Grizou der Große

Antoine Griezmann verkörpert mit seiner Spielintelligenz, Torgefahr und Wucht alles, was Atlético Madrid so stark macht. Doch der Abschied des Stürmerstars naht - und damit auch der des Trainers.

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Es gibt viele Geschichten über Antoine Griezmann, eine davon geht so: Wenn er am Abend mit Atlético Madrid das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Real Madrid bestreiten wird, läuft er wahrscheinlich mit einer Spongebob-Unterhose auf.

Sie soll der Glücksbringer des Franzosen sein. Aber Spongebob, die meist naive und schusselige Comicfigur und Griezmann, der technisch Hochbegabte, passen eigentlich schon lange nicht mehr zusammen.

Wegen seiner Körpergröße von nur 1,75 Metern gibt es noch diese Geschichte, die gerne über den 26-Jährigen erzählt wird: Die von "Pollito", dem kleinen Küken aus Burgund, das kein Klub der Ligue 1 haben wollte. Zu klein und zu schmächtig, so lautete das Urteil. So einer könne doch niemals in die Fußstapfen von Sturmriesen treten wie Thierry Henry, David Trezeguet oder Christophe Dugarry, fast alle 1,90 Meter groß.

Im Alter von 13 Jahren ging Griezmann ins Exil, in die Jugendakademie von Real Sociedad nach San Sebastián. Dort lernte er schnell Spanisch - wegen vieler Jugendspieler aus Uruguay und Argentinien mit einem südamerikanischen Akzent. Vor allem aber lernte er, seine brillante Technik und Schnelligkeit einzusetzen. Finten, Übersteiger, schießen - Griezmann beherrschte immer alles am besten. Auch seine Torquote wurde nach seiner ersten Profisaison 2009/2010 Jahr für Jahr besser.

Aus "Grizzi" wurde allmählich "Grizou", eine Anspielung auf Weltstar Zinédine "Zizou" Zidane. Dass der Youngster Potenzial hatte, erkannten jetzt sogar die ersten Franzosen.

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Antoine Griezmann: Superstar!

Heute ist Griezmann der Top-Stürmer von Atlético Madrid, ein Anführer, auf dem vor dem Duell gegen den Stadtrivalen Real Madrid (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) alle Hoffnungen ruhen. Im kommenden Sommer darf er sich seinen neuen Klub selbst aussuchen, was er vor allem Atlético-Trainer Diego Simeone zu verdanken hat.

Als Griezmann im Sommer 2014 zu Atlético wechselte, gab es noch einmal Zweifel an seiner Eignung als Stürmer. Doch seine Klasse, seine Quirligkeit im Angriff bewirkte schließlich, dass man von großgewachsenen Stürmern wie Diego Forlán oder Radamel Falcao abwich.

Die Zeit der Sturmtanks ging vorbei, die Alleinherrschaft Griezmanns begann. Vielleicht, weil dem argentinischen Trainer Simeone dessen südamerikanische Akzent so sehr gefiel. Wahrscheinlicher aber, weil Griezmann so stark ist. In Zahlen liest sich das so: 82 Tore in 155 Pflichtspielen für Atlético, Champions-League-Finalist 2016, Vize-Europameister 2016 und bester Spieler der EM.

Immer gegen den Ball: Simeones Traumspieler

Mit seiner Ausdauer, Spielintelligenz und dem permanenten Anrennen gegen die gegnerischen Verteidiger verkörpert Griezmann zudem wie kaum ein anderer die Spielidee von Coach Simeone: das Aufbauspiel des Gegners gar nicht erst zustande kommen zu lassen. Er ist der verlängerte Arm des Trainers und nicht mehr der Lausbub, der wegen eines unerlaubten Ausflugs in einen Nachtklub mal für 13 Monate aus der Juniorenmannschaft Frankreichs flog. Es würde nicht verwundern, wenn im Sommer ein Klub 100 Millionen Euro für den Superstar zahlt.

Vielleicht ist dieser Champions-League-Wettbewerb daher auch der letzte gemeinsame Angriff der beiden Atlético-Stars auf einen großen Titel. In der spanischen Liga ist die Meisterschaft nicht mehr möglich. Ein viel besseres Happy End würde aber ohnehin der Triumph in der Königsklasse bedeuten, vor allem nach den dramatischen Endspielpleiten gegen Real Madrid im Jahr 2014 nach Verlängerung und 2016 im Elfmeterschießen.

Es gibt auch hartnäckige Gerüchte um einen vorzeitigen Abschied des Trainers. Denn sollte Griezmann den Verein im Sommer verlassen - zuletzt gab es Spekulationen über einen Wechsel in die Premier League zu Manchester United - würde Simeone seinen wichtigsten Spieler verlieren.



insgesamt 2 Beiträge
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funnyfargo 02.05.2017
1. Diego Simeone
Atletico hätte erst dann ein Problem wenn der Coach den Klub verlässt. Immerhin konnte Atletico in den vergangenen Jahren immer den Top-Scorer gleichwertig oder gar besser ersetzen. Früher stürmte Torres, danach kam die Zeit von Agüero, Falcao, Diego Costa und nun ist es eben Griezmann. Kaum zu glauben bei der Klasse und Format der Stürmer.
soerster 02.05.2017
2. Ähäm,
Radamel Falcao ist 1,78 m groß, also kaum großgewachsen. Aber seine enorme Sprungkraft und sein exzellentes Timing beim Kopfball lassen ihn größer wirken. Typ Sitzriese.
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