Atlético-Stürmer Diego Costa Panther mit Doppelpass

In der Primera División kommt es zum Top-Duell: Der Tabellenzweite Atlético Madrid empfängt Spitzenreiter FC Barcelona. Atléticos Hoffnungen ruhen auf Diego Costa. Der ehemalige Straßenfußballer ist in der Form seines Lebens.

Atlético-Schlüsselspieler Costa: Kampf um die Meisterschaft
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Atlético-Schlüsselspieler Costa: Kampf um die Meisterschaft


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Mit 15 Jahren will Diego Costa den Fußball aufgeben. Damals kickt der Teenager noch auf der Straße im ärmlichen Nordosten Brasiliens. Doch als Costa im Elektronikfachgeschäft seines Onkels mitarbeiten will, überredet der den Jungen, es noch einmal zu versuchen. Zur gleichen Zeit gilt der nur ein Jahr ältere Lionel Messi schon als kommender Superstar des FC Barcelona.

Etwas mehr als ein Jahr später - Messi debütiert gerade in der argentinische Nationalmannschaft - sucht Costa sein Glück in Europa. Der portugiesische Verein Sporting Braga verpflichtet den Stürmer, für seine zweite Mannschaft.

In dieser Saison ist Costa, mittlerweile 25, nach Cristiano Ronaldo der auffälligste Spieler in der Primera División. Costa schoss bislang 19 Tore in 18 Ligaspielen, dazu kommen vier Treffer in drei Champions-League-Partien. Damit stellt er den lange verletzten Messi locker in den Schatten. In der Liga ist Costas Verein Atlético Madrid punktgleich mit Tabellenführer Barcelona, am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kommt es zum Duell der Titelaspiranten.

Gegen Barcelona kämpft Costa mit Atlético um die Meisterschaft, gegen Ronaldo um die spanische Torjägerkrone. Es ist die bisher beste Saison seiner Karriere.

Dabei war Costas Wechsel nach Europa vor acht Jahren zunächst der Beginn eines jahrelangen Irrwegs. Sporting Braga verlieh ihn an den portugiesischen Zweitligisten Penafiel. Dort entdeckte Atlético Madrid den bulligen Stürmer, doch die Spanier schickten ihren Neuzugang gleich wieder zurück nach Portugal, erneut zu Braga, auf Leihbasis.

Costa war lange nur Ersatz

Nach einem torlosen halben Jahr in Braga schob Atlético den Stürmer in jeder Saison zu einem anderen Verein. Costa stürmte für die damaligen Zweitligisten Celta Vigo und Albacete und schließlich für Real Valladolid. Dort spielte Costa endlich in der Primera División - und stieg ab.

Danach kam Costa auch bei Atlético zum Einsatz, stand allerdings stets im Schatten der Stammstürmer Sergio Agüero und Diego Forlán. Als Atlético die beiden Stars verkaufen musste, riss sich Costa das Kreuzband. In der Rückrunde 2012 verlieh ihn sein Verein an Rayo Vallecano - erst danach folgte Costas Durchbruch. An der Seite von Stürmerstar Radamel Falcao konnte er sich bei Atlético etablieren.

Seit Falcaos Abgang ist Atléticos Angriffsspiel ganz auf Costa ausgerichtet. Er ist es, der Atléticos kraftvolle Konter vollendet. Und bei gegnerischem Ballbesitz setzt der Stürmer seine Kontrahenten schon am Strafraum unter Druck.

Das Spielsystem von Atléticos Trainer Diego Simeone in dieser Saison wird oft mit dem von Dortmund-Coach Jürgen Klopp verglichen. Costa kommt dabei eine ähnliche Rolle zu wie Robert Lewandowski beim BVB. Allerdings: Im Vergleich zu Lewandowski ist Costa noch kopfballstärker, noch aggressiver, noch zweikampfstärker. Daher auch der Spitzname, den ihm die spanischen Fans verpasst haben: "La Pantera", der Panther.

Er ist ein Spielertyp, der sowohl der brasilianischen als auch der spanischen Nationalmannschaft noch fehlt. Die beiden Fußballnationen stritten sich im vergangenen Herbst um den Stürmer, der seit Juli brasilianisch-spanischer Doppelstaatsbürger ist.

Seit Sommer ist Costa Spanier

Das Problem hatte sich Brasiliens Nationalcoach Luiz Felipe Scolari selbst eingebrockt. Statt auf Costa setzte Scolari auf Stürmer wie die in Europa gescheiterten Jô und Fred oder den schwächelnden Robinho. Als Scolari ihn auch nicht zum Confederations Cup im vergangenen Sommer berief, reichte es Costa: Er beschloss, künftig für seine Wahlheimat Spanien zu spielen.

Die Brasilianer waren außer sich. "Ein brasilianischer Spieler, der es ablehnt, das Trikot der Seleção zu tragen und eine Weltmeisterschaft in seinem Land zu spielen, ist automatisch gestrichen", erklärte Scolari in einem offiziellen Statement: "Er kehrt dem Traum von Millionen Brasilianern den Rücken zu." Dabei hatte Scolari selbst in seiner Zeit als portugiesischer Nationaltrainer die gebürtigen Brasilianer Deco und Pepe einbürgern und für Portugal auflaufen lassen.

Die Brasilianer unterstellten Costa finanzielle Motive, der Verbandsjustitiar wollte sogar einen Antrag bei der Regierung stellen: Sie sollte Costa die brasilianische Staatsbürgerschaft aberkennen. Heute will der Verband davon nichts mehr wissen. "Das Thema ist für uns abgeschlossen", sagt Pressesprecher Rodrigo Paiva SPIEGEL ONLINE. "Es hängt ausschließlich von den Spaniern ab, ob sie Costa berufen."

Das hat Spaniens Trainer Vicente del Bosque bereits getan. Wegen einer Verletzung musste Costa seine Berufung für zwei Länderspiele im November absagen, doch in Spaniens nächstem Spiel gegen Italien wird mit seinem Debüt für die "Roja" gerechnet. Zwar hat del Bosque mehrere spielstarke Stürmer im Aufgebot, doch die Durchschlagskraft eines Diego Costa fehlte bisher im spanischen Sturm.

So ist es gut möglich, dass der ehemalige brasilianische Straßenfußballer die WM in seiner Heimat als Stammstürmer Spaniens erlebt. Spanien und Brasilien könnten schon im Achtelfinale aufeinandertreffen.

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WhereIsMyMoney 11.01.2014
1.
Es ist schlichtweg unglaublich wieviele Stürmer Atletico rausgebracht hat in den letzen Jahren. Reihenweise! Die scheinen einfach einen genialen Scout für Stürmer zu haben. Atletico ist eine spannende Mannschaft, weil sie keinen allzugroßen Wert auf Ballbesitz legen, wie das spanische Mannschaften öfter tun. Mir gefallen sie sehr. Und ich tippe mal auf einen Sieg für Atletico heute Abend.
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