Fotostrecke

Kölner Höhenflug: Poldi und Co. in Karnevalslaune

Foto: Joern Pollex/ Bongarts/Getty Images

Aufschwung beim 1. FC Köln Schaefer-Stündchen im Grüngürtel

Der 1. FC Köln hat sich in dieser Saison lange wie ein Absteiger präsentiert. Zuletzt jedoch begeisterten Lukas Podolski und Co. mit spektakulärem Offensiv-Fußball. Verantwortlich für den Wandel ist der Trainer.
Von Gereon Detmer

Durch das Lob von Lukas Podolski dürfte sich Frank Schaefer, Trainer des 1. FC Köln, ganz besonders bestätigt gefühlt haben. "Er hat der Mannschaft eine Handschrift gegeben", sagte der Kapitän nach dem 4:2-Heimerfolg gegen den FSV Mainz 05 am 22. Spieltag. Als Schaefer vor knapp vier Monaten zum Chefcoach befördert wurde, hatte er genau das als Ziel seiner Arbeit ausgegeben: "Die Philosophie von Frank Schaefer" solle erkennbar sein, wenn die Mannschaft auf dem Platz steht.

In der Rückrunde hat der im Kölner Grüngürtel beheimatete Club in fünf Spielen zehn Punkte gesammelt und ist vom letzten auf den 13. Tabellenplatz vorgestoßen. Mit Schaefer hat der Club nach elf Trainerwechseln in den vergangenen zwölf Jahren anscheinend den richtigen Mann gefunden, um das im Team vorhandene Potential zu nutzen.

Dabei herrschte im Herbst noch dezente Untergangsstimmung. Nach dem 1:2 bei Hannover 96 am neunten Spieltag stand die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz. Trainer Zvonimir Soldo musste gehen, Schaefer übernahm. Aber auch unter dem Neuen lief es nur phasenweise besser. Negativer Höhepunkt war das 0:4 im Derby gegen Borussia Mönchengladbach. Podolski und Co. wurden auf dem Weg Richtung Südtribüne von ihren frustrierten Fans ausgepfiffen und traten lieber vorzeitig den Rückzug an .

Nur wenige Tage später entlud sich bei einer chaotischen Jahreshauptversammlung der Volkszorn erneut. Während die Mannschaft diesmal beklatscht wurde verweigerten die Club-Mitglieder dem Vorstand die Entlastung und demonstrierten mit "Ihr macht den FC kaputt"-Rufen ihre Unzufriedenheit.

"Mensch, lasst uns doch auf dem Teppich bleiben"

Stimmungsschwankungen sind in Köln nichts Besonderes. Rund zwei Monate später wurde während des deutlichen Sieges gegen Mainz derart enthusiastisch rheinisches Liedgut angestimmt, dass es sogar dem "kölschen Jung" zu viel wurde. "Als die Karnevalslieder kamen, habe ich gedacht: Mensch, lasst uns doch auf dem Teppich bleiben", verriet Schaefer hinterher. Der ehemalige Coach der Kölner U23-Mannschaft, mit Unterbrechungen seit über 20 Jahren für den Verein tätig, kennt das launische Umfeld und weiß es entsprechend einzuordnen: "Ich habe nicht zurückgeklatscht, weil ich die Stimmung nicht weiter anheizen wollte."

Verdient hätte er sich den Applaus. Schaefer macht seit seinem Dienstantritt Ende Oktober vieles richtig. So zum Beispiel bei Milivoje Novakovic: Der Stürmer hatte unter Soldo seinen Stammplatz verloren und stolperte als Einwechselspieler in den letzten Minuten lust- und erfolglos über das Feld. "Als er anfing, war ich ganz unten. Ich muss mich beim Coach bedanken. Er hat mit gezeigt, dass er mir vertraut", sagte Novakovic dem "Express" nach seinem Doppelpack gegen Mainz. Der Slowene traf bereits neunmal in dieser Saison, acht Treffer gelangen ihm, seit der Trainer Schaefer heißt.

Novakovic bildet zusammen mit Podolski derzeit eine der erfolgreichsten Angriffs-Formationen der Liga. Dabei war gerade den beiden die Fähigkeit und der Wille zur gemeinsamen Arbeit schon abgesprochen worden. Nun harmonieren sie plötzlich prächtig. Auch Podolski blüht unter Schaefer auf und traf wie Novakovic bereits neunmal.

Kapitänsbinde beflügelt Podolski

Im Jahr eins nach seiner Rückkehr vom FC Bayern München, einer Saison mit hohem Erwartungsdruck, schwachen Leistungen und nur zwei Toren spürt Podolski in Köln nun die uneingeschränkte Unterstützung, die für den Nationalspieler so wichtig ist. Schaefer machte den 25-Jährigen im Wintertrainingslager zum Kapitän, da er bei ihm "großes Potential" für dieses Amt sieht. Sein wichtigster Spieler zeigte nach diesem Ritterschlag eine Leistungsexplosion, schoss fünf Tore in fünf Spielen.

Die Mannschaft, die in den vergangenen Jahren mit biederem Defensiv-Fußball die Geduld ihrer Fans arg strapazierte, hat nicht nur dank ihres erfolgreichen Sturm-Duos die Offensive als Teil des Spiels für sich entdeckt. "Seine Idee vom aktiven Fußball basiert auf der unbedingten Laufbereitschaft des Einzelnen für den anderen. Gerade das setzen wir zu Hause um", beschreibt Podolski die Philosophie Schaefers.

Für den Aufschwung ist auch die gelungene Transferpolitik in der Winterpause verantwortlich. Torwart Michael Rensing und Außenverteidiger Christian Eichner sind ebenso ein Gewinn wie der polnische Nationalspieler Slawomir Peszko. Einzig der Japaner Tomoaki Makino ist nach seiner beim Asien Cup erlittenen Verletzung wegen fehlender Fitness noch nicht die erhoffte Verstärkung.

"Mannschaft darf keine Sicherheit verspüren"

Schaefer weiß, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Der 47-Jährige kennt aber auch die Probleme, die das Saisonziel Klassenerhalt gefährden. "Meine Erfahrung mit dieser Mannschaft ist, dass sie nie zu viel Sicherheit verspüren darf, auch einzelne Spieler nicht." Wie schnell der Höhenflug wieder beendet sein kann, zeigte das 0:3 beim FC St. Pauli. Seine Mannschaft fügte sich gegen den direkten Abstiegskonkurrenten ohne Gegenwehr in die bislang einzige Rückrunden-Niederlage.

Neben der fehlenden Konstanz ist die notorische Unruhe im Verein das größte Problem des Clubs, der nur allzu gerne wieder an glorreiche Europacup-Zeiten anknüpfen würde. In der Hinrunde sorgten die Trennungen von Soldo und Manager Michael Meier, unzufriedene Spieler wie Faryd Mondragon und Adil Chihi für unerwünschte Ablenkung.

Die Aufgabe des neuen Sportdirektors Volker Finke wird es sein, diese Störfeuer in Zukunft zu vermeiden. Der Nachfolger des bei den Fans in Ungnade gefallenen Meier war Trainer des SC Freiburg, bevor er nach einem Ausflug zum japanischen Erstligisten Urawa Red Diamonds in Köln eine neue Herausforderung suchte. "Er wird Werte wie Identifikation, Bodenständigkeit und strategisches Arbeiten vorleben", sagte FC-Präsident Wolfgang Overath bei dessen Vorstellung Anfang Februar.

Finke soll der von Schaefer gewünschte Ansprechpartner in sportlichen Dingen sein und sich um die zukünftige Zusammenstellung des Kaders kümmern. Der 62-Jährige will etwas anstoßen, "eine Spielidee wächst. Ich finde es toll, etwas zu entwickeln, was den Fußball attraktiv macht."

In Freiburg war Finke 16 Jahre Trainer und holte dort aus den bescheidenen Möglichkeiten oft das Maximale heraus. In Köln würde das auch reichen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.