Aufsteiger Braunschweig Einkaufstipps vom Erzrivalen

Bundesliga-Neuling Eintracht Braunschweig steht vor einer harten Saison. Der Aufsteiger gilt als Absteiger Nummer eins, der Pokal-Auftakt gegen Bielefeld ging daneben. Und jetzt gibt es auch noch Ratschläge von Hannover 96, dem großen Konkurrenten in Niedersachsen.

Braunschweigs Coach Lieberknecht: "Wir haben unsere Philosophie"
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Braunschweigs Coach Lieberknecht: "Wir haben unsere Philosophie"


An die Häme, den Spott und so manche Niederlage wird sich Eintracht Braunschweig gewöhnen müssen. "Erste Liga, keiner weiß, warum", sang der Anhang des Zweitliga-Aufsteigers Arminia Bielefeld am Sonntag. Das frühe und verdiente Aus der Braunschweiger in der ersten Runde des DFB-Pokals in Bielefeld (1:2) dürfte ein Vorgeschmack darauf gewesen sein, was Braunschweig blüht.

"Für den Verein ist der Aufstieg ein riesiges Geschenk. Aber viel verändern wollen wir nicht", sagt Trainer Torsten Lieberknecht. Sein Versuch, mit dem bewährten Stammpersonal und fünf eher durchschnittlichen Neuzugängen den Klassenerhalt zu schaffen, dürfte zu den mit Abstand größten Abenteuern der 51. Bundesliga-Saison zählen.

Mini-Etat und wenig klangvolle Namen

"Wir haben unsere Philosophie und unsere Art. Dazu gehört, eine Mannschaft aufzubauen und ihr Vertrauen zu schenken. Die Identifikation der Spieler mit den Fans und der Stadt Braunschweig steht über allem Wirtschaftlichen", sagt Lieberknecht.

Braunschweig vertraut der Mehrheit jener Spieler, mit der Lieberknecht seit der Regionalliga zusammenarbeitet. Bundesweit wird das Vorhaben, mit einem Mini-Etat von lediglich 40 Millionen Euro und dem Glauben an ein eingeschworenes Kollektiv in die Saison zu starten, allerdings mehr belächelt als bewundert.

Dabei sind Braunschweigs, sind Lieberknechts Erfolge beachtlich, das Tempo verdient Applaus. Lieberknecht, vom einstigen Verlegenheitstrainer zum umjubelten Chefcoach aufgestiegen, wird der mit Abstand größte Anteil daran zugeschrieben, dass Braunschweig nach 28 Jahren in die Fußball-Bundesliga zurückkehrt. Doch nach fünf erfolgreichen Jahren bei den Niedersachsen mit einer verhinderten Insolvenz und zwei Aufstiegen steht der 40-Jährige vor dem ersten deftigen Knick in seiner Karriere.

Die Eintracht möchte ihre Mannschaft nicht umkrempeln, wie das Fortuna Düsseldorf im Vorjahr mit mehr als 20 Neuzugängen erfolglos getan hat. Aber man will auch nicht mit Greuther Fürth in Verbindung gebracht werden, die wenig eingekauft hatte und im Mai völlig chancenlos aus der Bundesliga abgestiegen war. Die defensive Personal- und Transferpolitik in Braunschweig rührt von der Überzeugung her, dass die Aufstiegshelden ihre Chance verdient haben.

Mit der Verpflichtung von Spielern wie Marco Caligiuri (Mainz 05), Jan Hochscheidt (FC Erzgebirge Aue), Torsten Oehrl (FC Augsburg), Timo Perthel (MSV Duisburg) und Simeon Jackson (Norwich City) gehorcht die Eintracht ihren finanziell begrenzten Möglichkeiten. Dabei ist Soeren Oliver Voigt als Geschäftsführer der Eintracht stolz darauf, den Jahresumsatz des Vereins innerhalb von fünf Jahren verfünffacht zu haben: von acht Millionen Euro in der dritten Liga auf 40 Millionen Euro in der anstehenden Bundesliga-Saison, davon entfallen rund 14 Millionen Euro auf den Profi-Kader.

Von Harmonie wenig zu sehen

Die Zahlen drücken die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aus. "Wir sind unserer Zeit voraus", gesteht Voigt. Er räumt ein, dass der Verein bei seinem Konsolidierungskurs von den erstaunlichen Erfolgen der Mannschaft zuletzt rechts überholt worden ist und auch deshalb keinen Spielraum für kostspielige Transfers haben kann.

Eigentlich ist der Ansatz der Braunschweiger Entscheider, zu denen Lieberknecht, Voigt und Manager Marc Arnold gehören, äußerst lobenswert. Wenn das Trio es schafft, eine kumpelhaft geprägte Elf die individuelle Klasse millionenschwerer Stars ausgleichen zu lassen, wäre das eine Sensation.

Dass es nur so gehen wird, ist eher unwahrscheinlich. Bei der Pokalpleite in Bielefeld standen vier von fünf Neuzugängen in der Startelf, mit Jackson wurde der fünfte eingewechselt. Von der Harmonie, die das Eintracht-Team zuletzt souverän durch die zweite Liga getragen hatte, war nur noch wenig zu sehen.

Manager Arnold griff zu den üblichen beschwichtigenden Worten, mahnte zur Geduld und rang mit der Frage, ob weiteres Personal zugekauft werde. Klare Worte dazu kommen ausgerechnet vom ungeliebten Nachbarn. Martin Kind, Präsident des Braunschweiger Erzrivalen Hannover 96, hat seinen Club auf hohem Niveau etabliert und kennt die branchenüblichen Fehler. "Meine Empfehlung wäre", sagt Kind mit Blick auf die Transferpolitik der Eintracht, "etwas offensivere Entscheidungen zu treffen."



insgesamt 12 Beiträge
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spiegelleser99 06.08.2013
1. Abstieg?
leider ja. Kumpelhaftigkeit und "11 Freunde müßt Ihr sein" zählt im Haifischbecken BL nicht mehr.
Niedersaxe 06.08.2013
2. Endlich Derby!
Mir wäre es auch lieber der Erzrivale bliebe drin und die Radkappen aus dessen Nachbardorf stiegen ab.
chrisfromm 06.08.2013
3. Wer zuletzt lacht
Zitat von sysopDPABundesliga-Neuling Eintracht Braunschweig steht vor einer harten Saison. Der Aufsteiger gilt als Absteiger Nummer eins, der Pokal-Auftakt gegen Bielefeld ging daneben. Und jetzt gibt es auch noch Ratschläge von Hannover 96, dem großen Konkurrenten in Niedersachsen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/aufsteiger-braunschweig-einkaufstipps-vom-erzrivalen-a-915063.html
Die Saison beginnt ja gerade erst. Da ist es vermessen jetzt schon solche Prognosen zu stellen. Klar wird es nicht einfach für die Eintracht, aber die Taktik hat Vorteile Finanzen hin oder her. Davon Abgesehen werden die Fans es dem Verein schon danken. Und wie sagt man so schön; Wer zuletzt lacht, lacht am Besten. In diesem Sinne, wünsche ich Braunschweig besten Erfolg. Am Ende der Saison sind wir schlauer.
hfftl 06.08.2013
4. .
Die Braunschweiger wurden schon vor der Saison 1966/67 von vielen Experten als möglicher Abstiegskandidat gehandelt. Die Rolle scheint ihnen also ausgezeichnet zu bekommen.
MHB, 06.08.2013
5. Auftakt gegen Bremen
Ist doch super, gleich 3 Punkte einsacken gegen nen anderen potentiellen Absteiger.
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