Zweitliga-Aufstieg Platzsturm in Duisburg - Polizistin verletzt

Der MSV Duisburg ist wieder zweitklassig. Doch beim Feiern im Stadion ging es nicht nur friedlich zu, ein Feuerwerkskörper verletzte eine Polizistin. Auch beim zweiten Aufsteiger Arminia Bielefeld stürmten die Fans den Platz.

DPA

3:1 lag der MSV Duisburg kurz vor Schluss im Spitzenspiel gegen Holstein Kiel vorne, die Rückkehr in die Zweitklassigkeit nach dem Lizenzentzug 2013 war damit so gut wie sicher. Es wurde getanzt, erste Bengalos wurden gezündet.

"Das ist sensationell! Der MSV Duisburg lebt wieder!", schrie "Zebras"-Legende Bernard Dietz kurze Zeit später in das WDR-Mikrofon, umzingelt von mehr als 3000 Fans.

Die Anhänger hatten den Platz gestürmt, dabei sorgten sie auch für unschöne Szenen: Mit einer Leuchtraketen trafen sie eine Polizistin. Die Frau musste mit Brandverletzungen im Nacken vom Notarzt behandelt werden. Darüber hinaus verlor sie einen Großteil ihrer Haare.

Auf dem Platz hatte sich der MSV zuvor schwergetan, musste durch Maik Kegel das 0:1 in der zehnten Minute hinnehmen. Doch in nur 17 Minuten konnten die Duisburger durch Treffer von Enis Hajri (20. Minute) und einem Doppelschlag von Michael Gardawski (21. und 27.) die Partie drehen.

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In Bielefeld gab es um 15.21 Uhr kein Halten mehr: Arminia-Coach Norbert Meier und seine Spieler feierten mit 25.000 Fans, viele von ihnen waren auf den Platz gestürmt. Vergessen war in diesem Moment das Drama des Vorjahres, als Darmstadt in der Relegation nach einer 1:3-Hinspielniederlage 4:2 auf der Alm gewonnen hatte - in der zweiten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung.

Doch auch dieses Mal mussten die Fans wieder zittern, bis der kurz vor Schluss eingewechselte Pascal Testroet die Bielefelder in der 87. Minute mit dem Ausgleich gegen Jahn Regensburg erlöste. Der direkte Wiederaufstieg war mit dem 2:2 (1:1) endgültig perfekt, nachdem die Arminia ihn bereits um zwei Wochen verschoben hatte, weil es gegen Holstein Kiel (2:2) und Wehen Wiesbaden (1:1) jeweils nur zu einem Remis gereicht hatte.

"Warum einfach, wenn's auch schwer geht?", fragte Trainer Meier rhetorisch, "aber wenn sich ein Team den Aufstieg verdient hat, dann sind wir das!"

Anschließend gab es Bierduschen, andere tranken einen kräftigen Schluck aus den übergroßen Gläsern, Anhänger schnitten sich ein Stück Rasen vom Spielfeld und nahmen es als Souvenir mit nach Hause, die Konfetti-Kanonen liefen auf höchster Stufe. Bielefeld feierte, und das heftig.

Mit starken Fans im Rücken zum Aufstieg

In Bielefeld, wo die Aufstiegsfeier am Rathaus weiter ging, war man überglücklich. Der Abstieg in die Dritte Liga hatte den Verein doch nicht so schwer getroffen, wie befürchtet. Die Arminia hatte Zeit, ein neues, hungriges Team aufzubauen und vor allem: wieder warm mit den Fans zu werden. Nach und nach wurden mehr Dauerkarten verkauft und nach dem dramatischen K.o. in der Relegation gegen Darmstadt herrschte eine Jetzt-erst-recht-Stimmung auf der Alm.

Es war schon ziemlich beeindruckend, wie die Anhänger ihre Truppe nach einem 0:4 im Pokalhalbfinale gegen den VfL Wolfsburg trotzdem feierten. Nun, wo es nach dem ersehnten Zweitliga-Aufstieg auch einen Grund dazu gab, hatte das Jubeln keine Grenzen mehr.

Bielefeld ist bekannt als Fahrstuhlverein, früher waren sie Pendler zwischen erster und zweiter Liga, nun eben etwas tiefer. 2013 war die Arminia nach dem Aufstieg direkt wieder abgestiegen. Doch das soll - nach Ansicht der Fans - nicht so bleiben. Denn Bielefeld und Duisburg, das sind Traditionsklubs des deutschen Fußballs, deren Wohnzimmer zumindest die zweiten Liga sein sollte.

zaf/sid



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
qubert 16.05.2015
1. Mit...
... Duisburg und Bielefeld trifft es zwei Mannschaften, die ihren finanziellen Abstieg zu einem nicht unerheblichen Teil dem selben Mann verdanken: Roland Kentsch. Irgendwie lustig, dass es jetzt beide gleichzeitig geschafft haben.
nordwand47 17.05.2015
2. in duisburg
wurden nur bengalos von kieler Fans gezündet. Es wurde 3 leuchtspurmonitionen inden kieler block geschossen und beim platzsturm auf den rasen 4 böller gezündet. von seiten der msv Fans kamen pfiffe gegen diese Chaoten. Gute besserung der Polizistin, bin immernoch besoffen :D nur der msv
miroll 17.05.2015
3. Ich habe mich für den MSV geschämt...
Nachdem der MSV nach langer Zeit mal wieder ein Vereinsumfeld geschaffen hat, mit dem man sich identifizieren kann, bringen einige Fans all das wieder zum Einsturz. Als die Ordner den in den Innenraum drängenden Fans die Tore öffneten und der Schiedsrichter das Spiel beendete, hatten 200-300 Chaoten nichts besseres im Sinn als unmittelbar, vorbei an den feiernden Spielern, auf den Block der Kieler Fans zuzulaufen. Obszöne Gesten, Bierbecherwürfe und drei Abschüsse von Leuchtspurmunition, willkürlich in die Menge der Gästefans, Väter die im Beisein ihrer Kinder mit freiem Oberkörper masturbierende Gesten in Richtung der Gästefans vollziehen... Dass die eigene Mannschaft soeben mit kleinem Etat den Wiederaufstieg erreicht hatte, vollkommen irrelevant. Ein Aufmarsch von Polizeikräften hat die Fans davon abgehalten den Kieler Block zu stürmen. Das hat der Beamtin, die von der Leuchtspurmunition am Kopf getroffen und schwer verletzt wurde aber wenig geholfen... Der MSV Duisburg hat wieder einmal die Chance vertan, endlich wieder als sympathischer Verein mit tollen Anhängern wahrgenommen zu werden. Auf dem Hinweg hatte ich ein MSV-Trikot an. Auf dem Rückweg habe ich nicht nur wegen der Abendkälte einen Pullover übergezogen...
Tobias Gimpel 17.05.2015
4. Unterschiede Duisberg - Bielefeld
Wow, was ein "Qualitätsjournalismus". Komplett fehlt der Hinweis, dass in Duisburg die Ordner die Fans nicht mehr auf den Rängen halten konnten und diese bis an die Werbebande vorlassen mussten. Mit dem Satzteil "viele von ihnen waren auf den Platz gestürmt", wird dann nahe gelegt, dass es in Bielefeld ähnlich tumulte Szenen gab. Tatsächlich wurden in Bielefeld die Tore erst NACH dem Abpfiff geöffnet, um die Trainerzone war da schon ein Sicherheitskordon aufgebaut, den die Fans auch respektierten. In Duisburg standen diese um die Fernsehteams herum und störten die Interviews. Die Sicherheitszone in Bielefeld hielt so gut, dass Klos dort einen Jungen, der seine Eltern im Trubel verloren hatte, in Ruhe interviewen konnte. Hat der Artikel-Schreiber die (Nach-)Spiele überhaupt gesehen?
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