Aufstiegsfinale in der zweiten Liga Diese Mittelstürmer machen den Unterschied

Werder Bremen, der HSV und Darmstadt kämpfen noch am letzten Spieltag um den Aufstieg. Das Zweitligafinale verspricht Spannung wie selten. Der Schlüssel zum Erfolg der Topklubs: außergewöhnliche Torjäger.
Bremens Marvin Ducksch ist der drittbeste Torschütze der Liga

Bremens Marvin Ducksch ist der drittbeste Torschütze der Liga

Foto: IMAGO/Teresa Kröger / IMAGO/Kirchner-Media

Wer in diesen Tagen in die Torjägerliste der zweiten Fußball-Liga blickt, könnte meinen, er habe sich verirrt und die Zweitligatabelle vor Augen. Ein Schalke-Logo steht bei den besten Angreifern der Saison ganz oben, so wie in der echten Tabelle. Dahinter folgen nah beieinander die Wappen vom Hamburger SV und Werder Bremen.

Simon Terodde, 29 Saisontreffer, ist der beste Torjäger der Liga – und mit Schalke 04 bereits einen Spieltag vor Saisonende in die Bundesliga aufgestiegen. Es folgen Robert Glatzel vom HSV (21 Tore) und Marvin Ducksch von Werder Bremen (20). Beide kämpfen am Sonntag mit ihren Teams um den direkten Sprung in Liga eins, die Relegation, einer dieser Klubs könnte sogar leer ausgehen und nur Vierter werden. Auch Darmstadt hat noch Aufstiegschancen.

Diese Zweitligasaison lebt von großer Spannung. Zustande kommt die enge Konstellation an der Tabellenspitze auch deswegen, weil die Teams geprägt wurden von für Zweitligaverhältnisse herausragenden, klassischen Torjägern wie Terodde, Ducksch und Glatzel. Sie waren im vergangenen Sommer die »Königstransfers« ihrer Klubs. Und sie werden womöglich das Aufstiegsrennen entscheiden.

Die Tabelle vor dem Saisonfinale

Hier ist eine Übersicht über die Chancen der Aufstiegskandidaten – und die Rolle ihrer jeweiligen Torjäger. Besonders deutlich wird der Einfluss der Stürmer an einem Mann, der bereits aufgestiegen ist: Simon Terodde.

Die Zweitliga-Maschine: Simon Terodde

Simon Terodde ist das Gesicht des Schalker Aufstiegs und bei der Party ein gefragter Mann

Simon Terodde ist das Gesicht des Schalker Aufstiegs und bei der Party ein gefragter Mann

Foto: Martin Meissner / AP

Bei Schalkes Terodde wusste man, dass er für 20 und mehr Tore in einer Saison steht. In der Vorsaison erzielte er 24 Treffer für den HSV, in der Saison 2018/2019 waren es 29 für den 1. FC Köln. Diese Marke könnte Terodde am letzten Spieltag gegen Nürnberg sogar noch einmal überbieten. In dieser Saison legte Terodde zudem vier Treffer auf, das macht 33 Torbeteiligungen – bei insgesamt 70 Schalker Toren. Sein Anteil am Schalker Aufstieg ist enorm.

In bisher 282 Zweitligaspielen hat Terodde 171 Treffer erzielt, gemessen an seiner tatsächlichen Einsatzzeit (22.171 Minuten) trifft er im Schnitt alle 129 Minuten. In der Bundesliga waren es hingegen nur zehn Tore in 58 Spielen, damit erzielte er im Oberhaus im Schnitt alle 294 Minuten einen Treffer.

Terodde ist für die zweite Liga wahrscheinlich zu gut, in der ersten Liga ist er einer von vielen. Der Vertrag des 34-Jährigen läuft bei Schalke noch ein Jahr; womöglich wird Terodde im Spätherbst seiner Karriere noch einmal den Nachweis antreten wollen, auch ein starker Bundesligastürmer zu sein.

Hannovers Fehler: Marvin Ducksch

In der Bundesliga hat sich Marvin Ducksch bisher noch nicht durchsetzen können

In der Bundesliga hat sich Marvin Ducksch bisher noch nicht durchsetzen können

Foto: IMAGO/Teresa Kröger / IMAGO/Kirchner-Media

Auch Werders Stürmertransfer Ducksch hatte seine hohe Qualität zuvor bereits nachgewiesen, ebenfalls in Liga zwei. 2018 wurde er Zweitligatorschützenkönig in Kiel; bislang spielte er meist bei individuell schwächer besetzten Vereinen.

Im Vorjahr erzielte Ducksch immerhin 16 Treffer für Hannover 96. Vor wenigen Wochen gab Hannovers Klubchef Martin Kind zu, es sei ein Fehler gewesen, Ducksch an den Konkurrenten nach Bremen zu verkaufen. 3,5 Millionen Euro Ablöse überwies Werder nach Hannover.

Anders als die meisten Stürmer seiner Statur ist Ducksch kein bloßer Verwerter im Strafraum. Er bleibt dem Gedränge im Sechzehner meist fern, schießt lieber die Ecken, als sich in Kopfballduelle zu schmeißen. Weil Ducksch aber gleichzeitig die unwahrscheinlichsten Schlenzer in den Winkel setzt, sich kreativ in den Spielaufbau einschaltet und bereits neun Treffer vorgelegt hat, verzeihen die Werder-Fans ihm seine Schwächen.

Insgesamt kommt Ducksch auf 29 Torbeteiligungen bei 63 Bremer Toren.

Für Ducksch, 28 Jahre, wäre Werders Aufstieg eine gute Gelegenheit, sich noch einmal in der Bundesliga zu beweisen. Zu Beginn seiner Karriere konnte er sich beim BVB nicht durchsetzen. Später, in Paderborn und Düsseldorf, kam er gerade einmal auf zwei Treffer in den 25 Bundesliga-Einsätzen für diese Teams.

So steigt Werder auf

  • Gewinnen die Bremer ihr Heimspiel gegen Jahn Regensburg (Sonntag, 15.30 Uhr), ist der Aufstieg perfekt. Auch ein Remis würde bereits für die Bundesligarückkehr reichen.

  • Im Falle einer Niederlage könnte aber sogar Platz vier drohen. Bremen hat im Vergleich zum HSV und Darmstadt die deutlich schlechtere Tordifferenz. Gewinnen die Konkurrenten und Bremen verliert, dann muss Werder ein weiteres Jahr in der zweiten Liga spielen.

Der Bayern-Schreck: Robert Glatzel

Der HSV hat die beste Tordifferenz der Liga – auch ein Erfolg von Robert Glatzel

Der HSV hat die beste Tordifferenz der Liga – auch ein Erfolg von Robert Glatzel

Foto: Martin Rose / Getty Images

Der HSV-Topangreifer Glatzel wechselte im Sommer 2019 von Heidenheim nach England zu Cardiff City, die Ablöse: immerhin sechs Millionen Euro. Wenige Monate zuvor hatte er mit Heidenheim im DFB-Pokal einen Hattrick gegen den FC Bayern erzielt.

Hamburgs Glück war, dass Glatzels Karriere in England und während eines Ausleihgeschäfts nach Mainz ins Stocken geriet. So gelang es dem HSV, den 28-Jährigen im vergangenen Sommer für die Ablöse von einer Million Euro zu verpflichten. Beim HSV profitierte Glatzel unter anderem vom überragenden Ballverteiler Sonny Kittel, der ihm sechs Treffer auflegte. Insgesamt war Glatzel an 24 (21 Tore, drei Vorlagen) von 64 HSV-Toren beteiligt.

Wie Terodde und Ducksch hat auch Glatzel seine Qualitäten in der Bundesliga bisher kaum zeigen können. Allerdings hat der HSV-Stürmer deutlich weniger Bundesliga-Erfahrung als die beiden anderen Stürmer, in 13 Erstliga-Partien für Mainz kam er auf zwei Tore.

So steigt der HSV auf

  • Um im vierten Zweitliga-Jahr die Bundesligarückkehr zu schaffen, müsste der HSV am Sonntag bei Hansa Rostock gewinnen, zeitgleich müsste Bremen gegen Regensburg verlieren.

  • Aktuell scheint eine Hamburger Relegation am wahrscheinlichsten. Aber auch um diese ganz sicher zu haben, sollte der HSV bei Hansa gewinnen. Bei einem Remis könnte Darmstadt vorbeiziehen – und der HSV ein fünftes Jahr in Liga zwei spielen.

  • Sollte das punktgleiche Darmstadt sein Heimspiel gegen Paderborn allerdings verlieren, wäre sehr wahrscheinlich auch eine eigene Niederlage für den HSV verschmerzbar. Die Hamburger haben die klar bessere Tordifferenz.

Terodde, Ducksch, Glatzel, und zu der Stürmer-Erzählung gehört auch noch Niclas Füllkrug, der mit 18 Treffern Werders zweitbester Angreifer ist: Solch eine Zuspitzung von Topzweitligastürmern hat man in den vergangenen Jahren selten gesehen. Aber sind sie auch gut genug für die Bundesliga? Die Vergangenheit hat Zweifel gesät.

Die Torjäger aus Darmstadt: Pfeiffer (l.) und Tietz

Die Torjäger aus Darmstadt: Pfeiffer (l.) und Tietz

Foto: Blatterspiel / Jan Huebner / IMAGO

Gute Angreifer findet man übrigens auch in Darmstadt. Philipp Tietz und Luca Pfeiffer haben bisher 30 der 68 Darmstädter Treffer erzielt. Ein ebenso ausgeglichenes Sturmduo hatte im vergangenen Jahr auch der VfL Bochum in seinen Reihen – und der Klub stieg auf.

So steigt Darmstadt auf

  • Aus eigener Kraft kann Darmstadt den Aufstieg oder die Relegation nicht mehr schaffen, dafür ist die Tordifferenz im Vergleich zum HSV nicht gut genug.

  • Möglich ist die Relegation oder der direkte Sprung in die Bundesliga aber. Sollte Bremen zu Hause gegen Regensburg verlieren und der HSV nur einen Punkt in Rostock holen, wäre Darmstadt im Fall eines eigenen Sieges direkt aufgestiegen.

Der FC St. Pauli wird mit dem Aufstieg nichts mehr zu tun haben. Der Einbruch nach phänomenaler Hinrunde hat wohl viele Gründe. Auch die Torflaute von Guido Burgstaller dürfte dabei eine Rolle spielen, nach 14 Hinrundentreffern traf er in der Rückserie nur noch viermal – und St. Pauli brach ein.

In diesem Jahr führt der Erfolg in Liga zwei über eine Tormaschine.