Auftakt gegen Tschechien Schweiz verliert Spiel und Kapitän

Bitterer Abend für den EM-Gastgeber Schweiz: Das Team von Trainer Jakob Kuhn verlor erst seinen Kapitän Alexander Frei und anschließend das Eröffnungsspiel gegen schwache Tschechen. Für den Dortmunder Angreifer Frei könnte das Turnier damit bereits vorbei sein.

Hamburg - Für Gastgeber Schweiz hat die EM denkbar schlecht begonnen. Beim 0:1 (0:0) im Eröffnungsspiel in Basel gegen Tschechien kassierten die Eidgenossen nicht nur die erste Niederlage, sondern mussten auch den Ausfall ihres Rekordtorschützen Alexander Frei von Borussia Dortmund verkraften. Der frühere Bundesliga-Profi Vaclav Sverkos besiegelte in der 70. Minute die Auftaktpleite der Schweizer. "Die Schweizer waren ein bisschen besser als wir. Wir haben Glück gehabt und können deshalb glücklich sein", sagte der Siegtorschütze.

Schweizer Kapitän Frei: "Bitter für Alex"

Schweizer Kapitän Frei: "Bitter für Alex"

Foto: DPA

Die Schweizer begannen erstaunlich offensiv. Bereits in der dritten Minute hatte Frei die Möglichkeit zum 1:0, doch der Schuss des Stürmers verfehlte das Tor der Tschechen nur knapp. Das Team von Trainer Karel Brückner hatte die erste größere Chance nach 14 Minuten. Ein Bundesliga-Trio hätte beinahe für den ersten Treffer gesorgt. Der Hamburger David Jarolim flankte über die stärkere rechte Seite der Tschechen, Stuttgarts Verteidiger Ludovic Magnin fälschte den Ball per Kopf ab, doch der Wolfsburger Diego Benaglio im Tor der Schweizer Nationalmannschaft bekam noch eine Hand an den Ball.

Danach verflachte die Partie ein wenig. Die Schweizer waren zwar weiter im Vorwärtsgang, doch Tschechien zog sich immer mehr zurück. Das lag auch daran, dass vom Mittelfeld kaum Impulse ausgingen. Jarolim konnte auf der zentralen Position frühere Spielmacher wie den zurückgetretenen Pavel Nedved (Juventus Turin) oder Tomas Rosicky nicht ersetzen. Einziger Lichtblick im tschechischen Aufbauspiel war Rechtsaußen Libor Sionko vom FC Kopenhagen, der Magnin durch seine schnellen Antritte einen arbeitsreichen Abend bescherte.

Auf der anderen Seite beschäftigten besonders Leverkusens Tranquillo Barnetta und Frei die Abwehrspieler um den ehemaligen HSV-Star Tomas Ujfalusi. Die beste Möglichkeit hatte Dortmunds Stürmer in der 22. Minute, als er nach einem langen Abschlag von Benaglio frei vor Petr Cech auftauchte. Doch der Torhüter vom FC Chelsea reagierte glänzend und wehrte den Ball mit dem Fuß ab.

Kurz vor dem Seitenwechsel dann der Schock: Nach einem Zweikampf mit Juves Verteidiger Zdenek Grygera sackte Frei zu Boden und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht sein linkes Knie. Nach mehreren Minuten Behandlungspause dann die bittere Nachricht für die Gastgeber: Für Frei war das Eröffnungsspiel nach 42 Minuten gelaufen, der Kapitän verließ weinend das mit 40.000 Zuschauern ausverkaufte Stadion in Basel.

"Ich habe vor zwei Tagen mit ihm telefoniert, er war hochmotiviert und in Topform", sagte ZDF-Experte Jürgen Klopp, der nach der EM sein Traineramt in Dortmund aufnehmen wird, "das ist natürlich ganz bitter für Alex." Immerhin gab es eine gute Nachricht: Die Kreuzbänder des 28-Jährigen sind nach einer ersten Diagnose nicht gerissen, "alles deutet auf einen Innenbandriss hin", so Klopp.

Der erste Höhepunkt in der zweiten Hälfte war ebenfalls ein Wechsel: Brückner nahm Jan Koller in der 57. Minute aus dem Sturm und brachte den ehemaligen Gladbacher Vaclav Sverkos. Koller, der trotz des Abstieges in Nürnberg bleiben will, stapfte wütend auf die Bank und fluchte inmitten der anderen Auswechselspieler gegen die Entscheidung seines Trainers. "Das war ein taktischer Wechsel und er hat funktioniert", so Brückner.

Die Schweizer kompensierten Freis Ausfall erstaunlich gut und drängten weiter auf den ersten Treffer, während Tschechien kaum noch etwas für einen konstruktiven Spielaufbau unternahm. Die beste Chance hatte der für Frei eingewechselte Hakan Yakin, der allerdings eine präzise Flanke von Stephan Lichtsteiner knapp neben das Tor köpfte (66.).

Vier Minuten später leitete dann ein Kopfball auf der anderen Seite die entscheidende Szene des Abends ein. Die Schweizer Abwehrspieler hatten mit einem hohen Ball vor dem eigenen Strafraum geklärt und war gerade dabei, einen Konter einzuleiten, als Nürnbergs Tomas Galasek den Ball an der Mittellinie mit Wucht nach vorne köpfte. Sverkos mogelte sich durch die aufrückende Viererkette und schob den Ball an Benaglio vorbei zum schmeichelhaften 1:0 ins Netz. "Wir waren sehr defensiv eingestellt, im nächsten Spiel müssen wir offensiver werden. Am Ende haben wir etwas Glück gehabt", sagte Brückner.

Zehn Minuten vor dem Abpfiff stockte den Zuschauern erneut der Atem: Barnetta versuchte es aus 14 Metern mit einem Flachschuss, den Cech allerdings abwehren konnte. Der Abpraller landete jedoch genau vor den Füßen des eingewechselten Johan Vonlanthen. Doch der Stürmer von Red Bull Salzburg traf mit seinem eingesprungenen Volleyschuss lediglich die Latte - und besiegelte damit den bitteren Abend für sein Land.

"Mit dieser Leistung kann man erhobenen Kopfes vom Stadion weggehen. Es ist wirklich unverdient, aber wir hatten auch genügend Chancen, das Spiel mindestens auszugleichen, wenn nicht sogar zu gewinnen", sagte Kuhn. "Wir haben eine gute Leistung gezeigt, trotz des Ausfalls von Alex. Deshalb ist die Enttäuschung umso größer", sagte Barnetta. Dennoch äußerte der Mittelfeldspieler Optimismus vor dem vorentscheidenden Duell am Mittwoch (20.45 Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen die Türkei: "Mit so einer Leistung werden wir die Türken schlagen."

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