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EM-Qualifikation: Stotterstart gegen Belgien

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Auftaktsieg gegen Belgien Löws Team besteht den Alltagstest

Kein Fußball-Rausch, aber gewonnen: Gegen spielstarke Belgier knüpfte die deutsche Nationalmannschaft nicht an die Gala-Auftritte bei der WM an. Doch eingespielt und selbstbewusst präsentierte sich das Team reif für den EM-Qualifikationsalltag. Mann des Abends war Torschütze Klose.

Es ist ein überaus gutes Zeichen, wenn Miroslav Klose kritischer ist, als seine Kritiker. Dem Münchner Stürmer war beim 1:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft in Belgien ein hervorragendes Fußballspiel gelungen, er hatte das Tor des Tages erzielt, war agil, entschlossen und körperlich präsent. Doch als er die ersten lobenden Worte hörte, da entfuhr ihm ein entschlossenes "Nein". Da sei noch "reichlich Luft nach oben", sagte Klose zu seiner Leistung.

Die WM hat den Stürmer verwandelt, kein Vergleich mehr zu jenem zögerlichen, gebeugten Klose des Frühjahrs, dessen Stimme leise war, der sich permanent gegen Kritik verteidigte, statt sie zu provozieren. Wie kein anderer verkörpert Klose die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Abends: Deutschland ist nach den Erlebnissen von Südafrika eine neue Fußballmannschaft, das Weltturnier war kein isoliertes Highlight, anders als nach anderen erfolgreichen Turnieren droht kein Einbruch.

Man konnte das an vielen Details beobachten. An der Ausstrahlung von Holger Badstuber zum Beispiel, der jetzt ohne Ehrfurcht spielt, oder an Torhüter Manuel Neuer, der inzwischen auch im Nationaltrikot jene souveräne Sicherheit ausstrahlt, die ihn im Verein schon lange auszeichnet. Per Mertesacker hat über die WM endgültig zurück zu jener Stärke gefunden, die während der Vorsaison zwischenzeitlich verloren gegangen war, und Kloses enorme Einsatzfreude war ein weiteres Indiz.

Dennoch war der Sieg im Schatten des Atomiums nicht zu vergleichen mit den rauschhaften WM-Nachmittagen. "Es war von vornherein klar, dass wir noch nicht auf dem Niveau sind, wie bei der WM", sagte Sami Khedira, "aber wir haben schon wieder die Ansätze gesehen". Mehr war nicht zu erwarten, Fußballfeste wie gegen England und Argentinien lassen sich nicht beliebig wiederholen, sie brauchen eine Vorgeschichte, und dass es in Südafrika auch schwache Spiele der Deutschen gab, darf auch nicht vergessen werden.

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Insofern bot das Team genau das, was Joachim Löw sich erhofft hatte. "Die Mannschaft hat ein bisschen gebraucht, um in Schwung zu kommen", sagte er Bundestrainer nach dem Kaltstart in die EM-Qualifikation, dann habe sie aber "einen guten Spirit bewiesen". Die DFB-Elf hat sich perfekt angepasst an den Alltag zwischen Baku, Göteborg und Astana, der während der kommenden 13 Monate bewältigt werden muss. "Sachlich" und "seriös" sei dieser Auftritt gewesen, fand Löw. Und das erfreute den Trainer, denn das Timing sieht vor, dass die großen Feste erst bei der Endrunde im Sommer 2012 in Polen und der Ukraine gefeiert werden.

Und auf dem Weg dorthin könnte dieser Sieg in Belgien wertvoller gewesen sein, als er auf den ersten Blick wirken mag. Vor zwei Jahren, zum Start der WM-Qualifikation, spielte das Team 3:3 in Finnland und lief diesen verlorenen Punkten über ein Jahr lang hinterher, weil die Russen all ihre Spiele gewannen. Das droht nun erstmal nicht. Außerdem scheinen die Belgier mal wieder eine wettbewerbsfähige Mannschaft beisammen zu haben, gut möglich, dass die Türken nicht beide Partien gegen das Team um Daniel van Buyten gewinnen, was den Wert von Deutschlands Sieg noch steigern würde. "Ich hoffe, dass die Belgier am kommenden Dienstag einen Punkt aus der Türkei mitbringen", sagte Philipp Lahm, der nach ein paar anfänglichen Problemen einen guten Kapitän abgab.

Linke Abwehrseite als Problemzone

Überhaupt wirkte die Kommandoebene der Mannschaft erneut homogen und eingespielt. Lahm trug die Binde und machte Druck über die rechte Seite, Bastian Schweinsteiger dirigierte nach anfänglichen Problemen, gab den Rhythmus vor und leistete mit einem gewonnen Zweikampf die Vorarbeit zum Siegtor. Und weil sich auch Khedira hartnäckig behauptete, bleibt es schwer vorstellbar, wie Michael Ballack seinen Platz in diesem bestens funktionierenden Kollektiv finden soll. In jedem Fall wird er sich nach seiner Rückkehr an eine neue Struktur anpassen müssen, und dieser Prozess ist viel interessanter als die Frage, ob Ballack die Kapitänsbinde trägt oder nicht.

Die Problemzone des Teams liegt nicht in der Mannschaftsführung, Löws große Baustelle bleibt die linke Abwehrseite. In der ersten Hälfte spielte Marcel Jansen auf dieser Position, es war ein Auftritt mit Licht und Schatten, was wohl auch mit der schwachen Leistung von Lukas Podolski im linken Mittelfeld zu tun hatte. Später spielte Heiko Westermann auf Jansens Position, und auch er gehörte nicht zu den Stärksten.

Vielleicht ist irgendwann Diego Contento so weit, oder Christian Pander beendet seine lange Verletzungsserie. Hier jedenfalls muss Löw noch arbeiten, im Großen und Ganzen wird die Kunst der kommenden 21 Monate jedoch darin bestehen, das Niveau über zwei Jahre zu halten. Und das ist eine ganz neue Herausforderung für eine deutsche Nationalmannschaft.

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