Augsburgs Hitz Wenn der Torwart selber schießt

Ausgleich in der Nachspielzeit, Torschütze: der Torwart! Augsburgs Marwin Hitz hat mit seinem Treffer gegen Leverkusen für Furore gesorgt. Fans und Team feiern - dabei wusste der Held lange nicht, ob er überhaupt spielen würde.

AP/dpa

Aus Augsburg berichtet Christoph Leischwitz


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Eine Minute nach seinem historischen Treffer war Marwin Hitz wieder zurück im eigenen Tor, den Oberkörper vorgeneigt. Mit den Händen auf den Knien sah er das Spiel vor sich an. Er versuchte, sich noch so gut es ging zu konzentrieren auf die verbleibenden Spielsekunden, während das ganze Stadion immer noch jubelte und seinen Namen schrie; an der Seite hatte der vierte DFB-Offizielle Christian Fischer große Mühe, die ausgeflippten Auswechselspieler wieder vom Feld zu schieben.

Der 27 Jahre alte Torwart des FC Augsburg hatte in der vierten Minute der Nachspielzeit gegen Bayer Leverkusen zum 2:2 für seine Mannschaft getroffen. Zunächst wollten sie ihn gar nicht zurücklassen an seine angestammte Position. "Ich bin festgehalten worden, und dann musste ich noch ein bisschen mitjubeln", erzählte Hitz später, und sagte: "Ich bin nicht der große Jubler." Aber er lasse sich jetzt etwas einfallen, fürs nächste Mal.

Hitz musste sich vielen Fragen stellen, mehr noch als Leverkusener Torschüssen während des Spiels. Der Schweizer ließ das alles über sich ergehen, ein Lächeln stand ihm dabei im Gesicht. Doch sein Blick verriet auch, dass er dieses Tor und den anschließenden Rummel um seine Person noch nicht ganz verarbeitet hatte. Nach seiner Ehrenrunde durch das Stadion wirkte er ein bisschen wie in Trance, in der Kabine wurde er von den Mitspielern auch noch mit Standing Ovations bedacht, wie Manager Stefan Reuter erzählte.

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Fußballbundesliga: ...und dann kam Hitz
"Es war ja schwierig für mich. Ich war lange verletzt", sagte Hitz über seine Kreuzbandverletzung, die er sich Ende November beim Spiel gegen den VfB Stuttgart zugezogen hatte, gegen Leverkusen stand er zum ersten Mal wieder zwischen den Pfosten. "Nach so einer Verletzung so aus der Drehung, das hätte man nicht besser machen können", schwärmte danach Mitspieler Halil Altintop, der kurz nach dem 2:2 beinahe noch das Siegtor erzielt hätte, aber nur den Pfosten traf.

Der Drehschuss über den Torwart-Kollegen Bernd Leno hinweg war eigentlich nur einer von mehreren Höhepunkten einer dramatischen Schlussphase gewesen. Und diese Schlussphase wiederum war nur der Höhepunkt eines unterhaltsamen Spiels. Das zugleich aber einiges über den aktuellen mentalen Zustand beider Mannschaften verriet.

"Extrem enttäuschend"

Die zunächst klar überlegenen und gnadenlos konternden Leverkusener hatten nach acht Minuten schon hochverdient geführt, als Josip Drmic einen Konter erfolgreich abschloss. Danach entwickelte sich vor allem ein Duell zwischen Leverkusens quirligem Stürmer Karim Bellarabi und Hitz, das der Augsburger Keeper dank starker Reflexe für sich entschied.

"Es ist extrem enttäuschend. Wir hatten mehrere Phasen, in denen wir das Spiel hätten entscheiden können", haderte Leverkusens Trainer Roger Schmidt. "Und Augsburg ist eben eine Mannschaft, die nie aufgibt". Bei diesen Worten des Trainers klang fast ein bisschen Neid mit. Zusammen mit der Nachspielzeit beim spektakulären 4:5 gegen den VfL Wolfsburg hat seine Mannschaft nun innerhalb einer Woche drei wichtige Punkte liegen lassen.

Nach dem Augsburger 1:1 durch den eingewechselten Caiuby da Silva (59.) hatte Leverkusen auch noch Glück gehabt, als der eingewechselte Stefan Reinartz mit einem abgefälschten Schuss zur erneuten Führung traf (84.). Doch die klaren Chancen blieben ungenutzt, weil selbst Bellarabi Konzentrationsschwächen im Abschluss offenbarte. In der 80. Minute schoss er in bester Position mehrere Meter über das Tor.

Dafür traf bei den Augsburgern sogar der Torwart mit dem ersten Torschuss seiner Karriere. "Ich habe zum Trainer geguckt, und der hat nach vorne gewinkt", erzählte Hitz später über seinen Ausflug. Doch er hatte sich dabei auch bewusst einen freien Raum gesucht, wie er später erzählte, er hatte einen kühlen Kopf bewahrt. So wie seine Mitspieler, die mit zunehmender Spieldauer ihr schnörkelloses Angriffsspiel immer besser aufzogen.

Einen kühlen Kopf hatte auch Weinzierl, als er sich vor dem Spiel zum ersten Mal wieder für Hitz entschieden hatte. Auf die Gründe angesprochen, sagte er: "Weil er fußballerisch der Bessere ist." Er dachte dabei natürlich ausschließlich an den Spielaufbau. Dann kam die vierte Minute der Nachspielzeit.

FC Augsburg - Bayer Leverkusen 2:2 (0:1)
0:1 Drmic (8.)
1:1 Caiuby (59.)
1:2 Reinartz (84.)
2:2 Hitz (90.+4)
Augsburg: Hitz - Kohr (86. Shawn Parker), Callsen-Bracker, Klavan, Baba - Baier - Bobadilla, Højbjerg (90.+2 Djurdjic), Altintop, Tobias Werner - Ji (46. Caiuby)
Leverkusen: Leno - Castro, Toprak, Kyriakos Papadopoulos, Wendell - Calhanoglu, Rolfes - Brandt (58. Reinartz), Son (74. Hilbert) - Drmic (87. Kießling), Bellarabi
Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)
Zuschauer: 28.154
Gelbe Karten: - Kyriakos Papadopoulos (3), Bellarabi (3), Hilbert (3)



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
thegoodwife 22.02.2015
1.
Beide Torschützen übrigens ehemalige Wolfsburger. Ein Schelm, der dabei Böses denkt...
Holperik 22.02.2015
2.
Zitat von thegoodwifeBeide Torschützen übrigens ehemalige Wolfsburger. Ein Schelm, der dabei Böses denkt...
Was ist das denn für ein merkwürdiger Kommentar? Erstmal ist es völlig wurscht bei Torschützen, wer mal wo gespielt hat und außerdem waren es vier Torschützen in dem Spiel.
bernardo0 22.02.2015
3.
Christoph Leischwitz ist zwar "nur" Sportjournalist, ein besseres Deutsch stünde aber dem Sport wohl an, um von seinem low-IQ Image los zu kommen. Es ist gibt Sprachschnitzer in Deutsch, von denen man annehmen sollte, dass sie schon längst ausgerottet sind. Sehr geehrter Herr Leischwitz, das Deutsch ist die Visitenkarte des Journalisten. Der Torwart hat das Tor selbst geschossen.
RugbyLeaguer 22.02.2015
4. Jetzt...
flippt mal wieder die "Fußballwelt" aus. In den Medien übertrifft man sich mit den Schlagzeilen. Dabei bleibt das Spiel langweilig.... auch wenn ein Torhüter mal trifft....
Golengo 22.02.2015
5. Sehe ich genauso
@Holperik Ich sehe das genauso, dass es egal von welchem Verein die Spieler kommen oder welche Position sie spielen. Beim "Fußball" geht es ja darum möglichst wenig Gegentore zu bekommen und aber auch möglichst viele Tore zu schießen. Somit kann in einem Spiel auch ein Abwehrspieler besser sein als ein Stürmer , der 4 Tore geschossen hat.
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