Augsburgs Premierensieg "Wir haben lange warten müssen"

Historischer Triumph im neunten Anlauf: Der FC Augsburg hat den ersten Bundesligasieg seiner Geschichte gefeiert. Die FCA-Spieler jubeln und geben sich erleichtert. Ganz anders sieht die Stimmungslage in Mainz aus - dort wird bereits der Abstiegskampf ausgerufen.

Jubelnde Augsburger Spieler: "Eine Riesenerleichterung"
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Jubelnde Augsburger Spieler: "Eine Riesenerleichterung"

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Hamburg - Es waren lange Minuten für die Fans des FC Augsburg. Nachdem Jan-Ingwer Callsen-Bracker in der 88. Minute einen Strafstoß verwandelt hatte, mussten die mitgereisten Anhänger noch etwas bangen, dann erst brach der große Jubel los. Schiedsrichter Marco Fritz pfiff die Partie des FCA beim FSV Mainz 05 ab und der historische Moment war perfekt: Die Augsburger hatten ihren ersten Sieg in der Fußball-Bundesliga eingefahren.

"Das ist eine Riesenerleichterung für uns alle", sagte Trainer Jos Luhukay, "wir haben lange warten müssen". In der Tat: acht Mal hatten es seine Spieler in dieser Saison bereits versucht, viermal spielte das Team Unentschieden, doch ein Dreier wollte einfach nicht gelingen. Der Treffer von Callsen-Bracker reichte zum knappen 1:0 (0:0)-Erfolg gegen die Mainzer, die immer tiefer in die Krise geraten.

"Ich war der erste am Ball und niemand hat ihn mir weggenommen", beschrieb der Torschütze später seinen geschichtsträchtigen Treffer: "Ich habe mich sicher gefühlt." Coach Luhukay lobte den Mann des Tages für dessen Mut: "Ich habe großen Respekt vor Jan, dass er diese Verantwortung übernommen hat."

"Den Kritikern die Mäuler gestopft"

Der Erfolg bringt den Augsburgern mehr als nur drei Punkte im Abstiegskampf. Viele FCA-Spieler hoffen nun auf weitere Erfolge in der Bundesliga - und eine Trendwende. "Unter der Woche hat jeder gefragt, wann es endlich klappt", beschrieb Kapitän Uwe Möhrle den Druck, der auf der Mannschaft lastete. "Wenn man immer mehr am Boden liegt, geht mit der Zeit auch die Motivation verloren."

Der Sieg stellt nun einen weiteren Meilenstein in der Augsburger Fußball-Geschichte dar: In der Saison 2009/2010 war der FCA noch in der Relegation am 1. FC Nürnberg gescheitert. In der vergangenen Spielzeit gelang dem Club dann als Zweiter hinter Hertha BSC der erstmalige Bundesliga-Aufstieg. Doch bereits vor dem schwachen Saisonstart mit lediglich vier Punkten aus acht Spielen galt Augsburg bei vielen Experten als Abstiegskandidat Nummer eins, derzeit liegt das Team auf Platz 17.

Dementsprechend forsch ging FCA-Abwehrspieler Axel Bellinghausen nach dem Sieg mit den Kritikern ins Gericht: "Ich hoffe, dass wir die vielen Mäuler jetzt endlich gestopft haben", sagte der Verteidiger. Auch die "Unkenrufe über unsere Bundesligatauglichkeit" sollten nach Bellinghausens Ansicht nun endlich aufhören.

Dass auch die Bundesliga-Zugehörigkeit der Mainzer in Gefahr geraten könnte, war nach der vergangenen Saison nicht unbedingt zu erwarten. Als Tabellenfünfter beendeten Thomas Tuchel und seine Mannschaft die Saison. Doch die Abgänge wichtiger Leistungsträger wie André Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs machen sich bemerkbar: Durch die fünfte Niederlage im neunten Saisonspiel ist Mainz noch tiefer in die Krise geraten.

Abstiegsängste bei den Mainzern

"Wir haben gegen einen direkten Konkurrenten verloren", sagte der enttäuschte Mainzer Andreas Ivanschitz, "wir dürfen uns nichts vormachen." Bis auf Platz 15 rutschte der FSV durch die Niederlage ab, da ist es verständlich, wenn nun die Spieler langsam den Abstiegskampf ins Visier nehmen.

Zur Geduld mahnte der frustrierte Präsident Harald Strutz. "Wir sind immer noch im Neuaufbau", sagte er mit Blick auf die namhaften Abgänge. Tuchel, der gefeierte Erfolgscoach aus der vergangenen Saison, muss sich nun in den raueren Gefilden der Bundesliga zurechtfinden. "Wir machen uns das Leben im Moment selbst schwer", sagte der 38-Jährige nach der Partie, blickte aber bereits in die Zukunft: "Wir haben in der nächste Woche die Möglichkeit, es wieder besser zu machen." Dann geht es zum nächsten Aufsteiger Hertha BSC.

Auch beim FC Augsburg wird bereits nach vorne geblickt. Während die meisten Spieler den ersten Bundesligasieg wild und lautstark in der Kabine feierten, mahnte FCA-Torschütze Callsen-Bracker zum Realismus: "Es bleibt ein langer Weg mit viel Arbeit." Als nächster Gegner ist Werder Bremen in Augsburg zu Gast.

FSV Mainz 05 - FC Augsburg 0:1 (0:0)
0:1 Callsen-Bracker (88. Foulelfmeter)
Mainz: Müller - Pospech, Bungert (46. Svensson), Noveski, Fathi - Kirchhoff - Baumgartlinger, Ivanschitz (80. Allagui) - Risse (66. Ujah), Nicolai Müller - Choupo-Moting
Augsburg: Jentzsch - Reinhardt, Möhrle, Sebastian Langkamp, Hosogai - Callsen-Bracker, Davids (64. Brinkmann) - Gogia (75. Werner), Baier (81. De Roeck), Bellinghausen - Mölders
Schiedsrichter: Marco Fritz
Zuschauer: 30.195
Gelbe Karten: Noveski, Ujah, Svensson (2) - Möhrle

Mit Material von sid, dpa und dapd

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