Viertelfinale der Champions League Aus gegen Lyon - Le Sommers Geistesblitz überwindet starke Bayern-Abwehr

Bis zum Schluss schien die Überraschung gegen die Turnierfavoritinnen aus Lyon möglich. Am Ende hatten die Französinnen die eine entscheidende Idee mehr, der FC Bayern aber auch kaum Grund, mit sich zu hadern.
Hatte die beste Idee des Abends: Eugénie Le Sommer

Hatte die beste Idee des Abends: Eugénie Le Sommer

Foto: JAVIER SORIANO/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Vertauschte Rollen: Noch am Mittwochabend hatte der FC Bayern schon einmal in der Champions League gegen Olympique Lyon gespielt. Im Halbfinale des Herrenwettbewerbs aber sahen die Vorzeichen anders aus: Dort waren die Münchner der Superklub, Lyon der Außenseiter. In der UEFA Women's Champions League hingegen fielen die letzten vier Titel allesamt an Olympique. Auch ohne Topstürmerin Ada Hegerberg, die 2018 den Ballon d'Or gewann und seit Januar mit einem Kreuzbandriss ausfällt, liest sich die Lyoner Aufstellung mit Namen wie Lucy Bronze, Wendie Renard oder Dzsenifer Marozsán wie eine Weltauswahl.

Das Ergebnis: Am Ende stand es 2:1 (1:0) für Olympique Lyon im Estadio de San Mamés zu Bilbao. Das erste Pflichtspiel der Bayern gegen die vermeintliche Übermannschaft aus Frankreich geriet also zu einer durchaus knappen Angelegenheit.

Die erste Halbzeit: Verlief lange ereignislos. Was ein Kompliment an Jens Scheuer und seine Münchnerinnen ist, die taktisch diszipliniert aus einem tiefen Mittelfeldpressing heraus lange jede Gefahr vom eigenen Tor fernhielten. Beinahe wäre der FC Bayern sogar in Führung gegangen, Lea Schüller verpasste eine Hereingabe von Giulia Gwinn am Fünfmeterraum nur um wenige Zentimeter (23.). Die Angriffe der Französinnen endeten meist am Münchner Strafraum oder im Abseits. Am Ende reichte OL aber ein Geniestreich von Eugénie Le Sommer, den Nikita Parris zur Pausenführung veredelte (41.).

Szene des Spiels: Eben diese Idee von Le Sommer. Gute 30 Meter vor dem Bayern-Tor hatte die Französin Gelegenheit, sich zu überlegen, was man am besten mit einem hohen Ball macht, den man mit dem Rücken zum Tor verarbeiten muss. Le Sommers Antwort: Einfach über sich selbst und die Gegnerin lupfen, direkt in den Lauf von Parris. Bayern-Torhüterin Laura Benkarth ahnte die Idee zu spät, kam nicht rechtzeitig von der Linie und erwischte Parris beim Herauseilen im Gesicht. Dafür gab es Gelb - wäre der Ball nicht ins Tor gerollt, hätte OL wohl einen zweiten Versuch vom Elfmeterpunkt bekommen.

Kurz vor dem Einschlag, kurz vor dem Aufprall: Nikita Parris köpft zum 1:0 ein.

Kurz vor dem Einschlag, kurz vor dem Aufprall: Nikita Parris köpft zum 1:0 ein.

Foto: Alvaro Barrientos/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Die zweite Halbzeit: Verlief weit weniger ereignislos. Die Münchnerinnen mussten nun selbst stürmen, Lyon eröffneten sich Räume. Besonders die schnelle Delphine Cascarino wusste das zu nutzen, vergab erst aus spitzem Winkel gegen Benkarth (52.), ließ sich wenig später nur durch ein Foul von Lina Magull stoppen. Den Freistoß aus 17 Metern verwandelte Amel Majri (59.). Auf der Gegenseite erwischte ein von Carolin Simon vom rechten Flügel flach reingetretener Ball OL-Keeperin Sarah Bouhaddi auf dem falschen Fuß, die Kugel kullerte ins lange Eck (64.). Sydney Lohmann hatte die beste Chance auf den Ausgleich, ihr Distanzschuss streifte die Latte (79.).

Eine Faust gegen Rassismus: Die Spiele beim Finalturnier im Baskenland beginnen zeremoniell. Schon vor der Partie zwischen Glasgow und Wolfsburg hatte es erst eine Gedenkminute für die Opfer der Covid-19-Pandemie gegeben. Danach waren beide Teams auf die Knie gegangen - eine Solidaritätsbekundung mit den Opfern von Polizeigewalt, Rassismus und rassistischer Polizeigewalt. Das sind schöne Gesten, aber sie wirkten mitunter choreographiert. Nicht so der Auftritt Renards - Lyons Kapitänin kniete nicht nur, sie reckte ihre Faust empor. Das Symbol ist seit den Olympischen Spielen 1968 ikonisch: Damals hatten die Sprinter Tommie Smith und John Carlos auf diese Weise ihre Unterstützung für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ausgedrückt.

Vive la France: Im Parallelspiel setzte sich Paris Saint-Germain gegen den WFC Arsenal durch. Damit steht Lyons Halbfinalgegner fest - und eine französische Mannschaft sicher im Finale am 30. August. Deren Gegner wird am Dienstag um 20 Uhr ermittelt: Dann trifft der VfL Wolfsburg auf den FC Barcelona.