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Absagen vor DFB-Testspiel Hauptsache, Löw kommt

Es sollte ein Härtetest zum Jahresabschluss werden, doch das Testspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden hat kaum noch sportlichen Wert. Zu viele Spieler haben krank oder verletzt abgesagt. Trotzdem lässt der DFB keine Kritik an dem Termin zu - einzig der Eventgedanke zählt.

Das Handy von Joachim Löw war am Montagvormittag im Dauereinsatz. Zwei Tage vor dem Länderspiel gegen die Niederlande am Mittwoch (20.30 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) riefen ihn zwei weitere Nationalspieler an, um ihren Einsatz abzusagen. Mesut Özil zwickte plötzlich ein Muskel, Mirsolav Klose dagegen hatte nach dem anstrengenden Derby mit Lazio Rom endgültig das Fieber gepackt. Zuvor hatten sich schon Marcel Schmelzer (Fußprellung), Jérôme Boateng (Muskelfaserriss), Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos (beide grippale Infekte) abgemeldet. Die Verletzten Holger Badstuber und Sami Khedira waren gar nicht erst nominiert worden.

Welche Bedeutung diese Ausfälle haben, zeigt ein Blick auf die Europameisterschaft im Sommer. Im Halbfinale gegen Italien, das das DFB-Team gegen Italien 1:2 verlor, waren fast alle derzeit Kranken und Verletzten dabei - lediglich Schmelzer kam nicht zum Einsatz. Man könnte sagen, dass eine Elf gegen die Niederlande antritt, die sich zwar "deutsche Nationalmannschaft" nennen darf. Aber man könnte gleichzeitig die sichere Wette eingehen, dass es solch eine deutsche Nationalmannschaft kein zweites Mal geben wird.

Was hat dieses Duell mit den Niederländern dann überhaupt für einen Sinn, wenn ein Großteil der Stammmannschaft das Spiel von der Couch aus betrachten wird?

Bewährungschance für die Neuen

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Deutschland vs. Niederlande: Ein Testspiel ohne Testcharakter

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"Es ist ein sehr, sehr wichtiges Länderspiel", sagte der erstmals seit langer Zeit wieder nominierte Torwart René Adler. Er verwies dabei auf die "große Rivalität" und den "besonderen Stellenwert" der Partie. Reine Prestigegründe also. Zudem wird der DFB durch dieses Freundschaftsspiel und insbesondere durch die TV-Übertragung und Sponsorenvermarktungen wohl wieder einen satten Millionenbetrag als Gewinn verbuchen. Und, das muss man dieser Begegnung ebenfalls zugestehen, es werden womöglich Spieler wie Ilkay Gündogan, Lars Bender, Julian Draxler oder Lewis Holtby ihre Bewährungschancen im Nationaltrikot bekommen.

Für die Spieler ein Grund zur Freude - für ihre Vereine allerdings weniger. Wie in jedem Jahr mosern die Clubs über diesen Termin. Die Ansetzung liegt mitten in den englischen Wochen, in denen die Top-Teams alle drei Tage in der Bundesliga und im Europapokal antreten müssen. So schrieb der frühere Bundestrainer Rudi Völler in einem Gastbeitrag für das Fußballmagazin "Kicker": "In dieser Phase der Voll- oder besser Überbeschäftigung bedeutungslose, aber trotzdem brisante Länderspiele zu terminieren, halte ich für falsch."

Dass die abgemeldeten Spieler Krankheiten oder Verletzungen vorgetäuscht haben könnten, um sich in diesen wenigen Tagen während der Länderspielpause erholen zu können, glaubt DFB-Teammanager Oliver Bierhoff trotzdem nicht: "Wir haben großes Vertrauen in die Spieler und Vereine."

Schillernder Jahresabschluss

Bierhoff will auch nichts davon wissen, dass das Testspiel dem Bundestrainer kaum sportliche Erkenntnisse oder Neuigkeiten bringen wird. Er gibt zwar zu, dass "wir das Schweden-Spiel hier nicht aufarbeiten können. Dafür fehlen zu viele Spieler". Zugleich betont er vehement, dass etliche Spieler sich sehr auf dieses Spiel freuen würden und es vor allem den Fans Freude bereiten solle.

Möglicherweise hat Bierhoff damit tatsächlich die Gründe für das Spiel ausgemacht. Am Ende ist das Match gar nicht als echte Sportveranstaltung gedacht, sondern vielmehr als schillerndes Jahresabschlussevent. Am besten mit vielen Toren und einem ungeordneten Hauruckfußball.

Doch eine Frage bleibt: Warum äußern sich so wenige Spieler aus dem DFB-Kader, die Leidtragenden, nicht kritisch zu diesem Termin?

Einzig Bayerns Mittelfeldmann Thomas Müller brachte die Bedeutung der Partie mit einer gehörigen Portion Ironie auf den Punkt: "Ein klasse Termin, auf den wir uns alle freuen. Da werden wir mit voller Leidenschaft unser Land vertreten und werden das tun, wofür wir geboren wurden - für Deutschland Fußball zu spielen."

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