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WM 2014: Exoten in Brasilien

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WM-Auslosung in Brasilien Die Kleinen unter den Großen

Sie träumen vom ersten WM-Sieg oder sind sogar zum ersten Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft: Algerien, Honduras und Iran sind die Überraschungsteams, die heute bei der Auslosung in Brasilien gezogen werden. Ein Außenseiter aus Europa könnte richtig gefährlich werden.

Gijon. Den Fußball-Fans in Algerien ist dieser Name noch heute in bitterer Erinnerung. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien träumten die Afrikaner von der (damals noch ausgetragenen) zweiten Gruppenphase. Doch dann mussten sie mit ansehen, wie Deutschland gegen Österreich durch Horst Hrubesch früh 1:0 in Führung ging, sich beide Teams anschließend auf einen Nichtangriffspakt einigten und diesen bis zum Schluss durchzogen. Deutschland und Österreich kamen weiter, Algerien war ausgeschieden. Die Partie ging als die "Schande von Gijon" in die Fußball-Historie ein.

Nun steht die Auslosung zur WM im kommenden Sommer in Brasilien an (SPIEGEL ONLINE berichtet ab 17 Uhr mit Liveticker, Analysen und Reaktionen), Algerien wird wieder dabei sein. Es ist nach 1982, 1986 und 2010 das vierte Turnier des nordafrikanischen Landes. Und wieder träumt das Team davon, erstmals die erste Runde zu überstehen. Wobei schon die Qualifikation für die WM eine Überraschung ist.

"Es ist der schönste Moment meines Lebens", sagte Algeriens bosnischer Trainer Vahid Halilhodzic nach den Playoffs, als sich sein Team, das den Spitznamen "Fénnecs" (Wüstenfüchse) trägt, dank der Auswärtstor-Regel für Brasilien qualifiziert hatte. Einer 2:3-Niederlage in Burkina Faso folgte ein 1:0-Sieg zu Hause. Während die anderen afrikanischen Teilnehmer Kamerun, Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria Dauergäste bei WM-Turnieren sind, gilt Algerien als Exot aus Afrika.

Kapitän und Führungsfigur der Algerier ist der 31-jährige Madjid Bougherra, der fünf Jahre in England und Schottland spielte (Sheffield Wednesday, Charlton Athletic, Glasgow Rangers) und aktuell in Katar kickt. Aus der Bundesliga kann sich Mohamed Aoudia von Zweitligist Dynamo Dresden Hoffnung auf eine Nominierung machen.

Honduras hofft auf den ersten Sieg bei einer WM

Was Algerien für Afrika ist Honduras für Nord- und Mittelamerika: Das Land war ebenfalls 1982 erstmals bei einer WM dabei und qualifizierte sich jetzt überraschend für das Turnier in Brasilien. Dabei ließ das Team von Trainer Luis Fernando Suárez in der entscheidenden Gruppenphase die hoch gehandelten Mexikaner hinter sich, die sich über den Umweg Playoffs qualifizieren mussten.

Stars des Teams sind Linksverteidiger Emilio Izaguirre (Celtic Glasgow), der in Schottland zum Spieler des Jahres gewählt wurde, Mittelfeldspieler Wilson Palacios vom englischen Premier-League-Club Stoke City und Stürmer Jerry Bengtson, in der Major League Soccer für New England Revolution aktiv und mit neun Treffern Honduras' bester Torschütze in der Qualifikation. Er soll für den ersten WM-Sieg des Landes sorgen, das bei seinen Turnier-Teilnahmen 1982 und 2010 in sechs Spielen viermal verlor und zweimal unentschieden spielte.

Bei Iran ist der Trainer der Star

Einen Sieg bei einer WM konnte Iran schon verbuchen: 1998 in Frankreich besiegte das Team die USA 2:1, der damalige Bundesliga-Profi Mehdi Mahdavikia erzielte den entscheidenden Treffer. Auch Ali Daei, früher für den FC Bayern, Hertha BSC und Arminia Bielefeld aktiv, stand damals auf dem Platz. Ali Karimi, vor Jahren ebenfalls für die Münchner aktiv, ist ein weiterer bekannter Name.

Sie alle sind mittlerweile abgetreten, und so ist der Star des Teams der Trainer. Carlos Queiroz trainierte einst Real Madrid und führte sein Heimatland Portugal zur WM 2010 in Südafrika, wo es im Achtelfinale am späteren Weltmeister Spanien scheiterte (0:1). Er bezeichnete die WM-Qualifikation, bei der Iran die favorisierten Südkoreaner hinter sich ließ, als "fantastischen Erfolg". Queiroz will Iran bei dessen vierter WM-Teilnahme nach 1978, 1998 und 2006 erstmals über die Vorrunde hinausführen. Bekanntester Spieler im Team ist der frühere Bundesliga-Profi Ashkan Dejagah, der in der Premier League für den FC Fulham aufläuft.

Bosnien mit mehreren Bundesliga-Profis zur WM

Im Trikot des VfL Wolfsburg wurde Dejagah 2009 Deutscher Meister - und trifft in Brasilien womöglich zwei seiner damaligen Teamkollegen wieder: Edin Dzeko (Manchester City) und Zvjezdan Misimovic (Guizhou Renhe/China) haben sich mit Bosnien-Herzegowina für Brasilien qualifiziert. Es ist der einzige aller 32 Teilnehmer, der sein WM-Debüt feiert.

In der Qualifikation setzte sich das mit namhaften Spielern besetzte Team in Gruppe G gegen Griechenland durch. Den entscheidenden Sieg gab es am letzten Spieltag mit einem 1:0 in Litauen. Vedad Ibisevic erzielte den entscheidenden Treffer und sagte anschließend: "Das ist überwältigend."

Der Stürmer vom VfB Stuttgart ist einer von sechs Profis, die in der ersten oder zweiten Bundesliga spielen und die als WM-Fahrer in Frage kommen. Sejad Salihovic (1899 Hoffenheim) dürfte ebenso wie Ibisevic und Kapitän Emir Spahi (Bayer Leverkusen) gesetzt sein. Zudem hoffen Ermin Bicakcic (Eintracht Braunschweig), Adnan Zahirovic (VfL Bochum) und Mensur Mujdza (SC Freiburg) auf eine Nominierung von Trainer Safet Susic.

Der 58-Jährige nahm mit Jugoslawien an zwei Weltmeisterschaften teil, 1982 und 1990. Bei dem Turnier vor 31 Jahren in Spanien hofften Susic und seine Mitspieler auf den Einzug in die nächste Runde, es gab nur wenige Konstellationen, die dies verhindert hätten. Eine Niederlage der hoch favorisierten Spanier gegen Nordirland mit einem Tor Differenz hätte ein Weiterkommen beider Teams und ein Scheitern Jugoslawiens zur Folge gehabt. Spanien verlor 0:1.

WM-Teilnehmer 2014

EUROPA (13 Teilnehmer)
- Belgien (Sieger Gruppe A)
- Italien (Sieger Gruppe B)
- Deutschland (Sieger Gruppe C)
- Niederlande (Sieger Gruppe D)
- Schweiz (Sieger Gruppe E)
- Russland (Sieger Gruppe F)
- Bosnien-Herzegowina (Sieger Gruppe G)
- England (Sieger Gruppe H)
- Spanien (Sieger Gruppe I)

Durch die Playoffs:
- Portugal
- Frankreich
- Griechenland
- Kroatien

SÜDAMERIKA (6 Teilnehmer)
- Brasilien (Gastgeber)
- Argentinien (Gruppensieger)
- Kolumbien
- Chile
- Ecuador
- Uruguay

NORD- und MITTELAMERIKA und KARIBIK (4 Teilnehmer)
- USA (Gruppensieger)
- Costa Rica
- Honduras
- Mexiko

AFRIKA (5 Teilnehmer)
- Nigeria
- Elfenbeinküste
- Kamerun
- Ghana
- Algerien

ASIEN (4 Teilnehmer)
- Iran (Sieger Gruppe A)
- Japan (Sieger Gruppe B)
- Australien (2. Gruppe B)
- Südkorea (2. Gruppe A)



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