Ausraster gegen Stuttgart Guerrero redet Frust-Foul klein

Reue hört sich anders an: "Ehrlich gesagt kann ich die ganze Aufregung nicht verstehen", sagt HSV-Stürmer Paolo Guerrero nach seiner üblen Grätsche gegen Stuttgarts Torwart Sven Ulreich. Während die Hamburger auf ein mildes Urteil hoffen, fordert der DFB eine harte Strafe für den Peruaner.
HSV-Profi Guerrero, VfB-Torwart Ulreich: "Solche Sachen passieren nicht nur mir"

HSV-Profi Guerrero, VfB-Torwart Ulreich: "Solche Sachen passieren nicht nur mir"

Foto: DPA

Hamburg - Acht Spiele Sperre für Paolo Guerrero: Das fordert der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Aktion des Stürmers von Fußball-Bundesligist Hamburger SV. Der Peruaner hatte am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (0:4) Gäste-Torhüter Sven Ulreich brutal gefoult.

Kurz nach der Halbzeit, beim Stand von 0:3, trat Guerrero dem Keeper an der Eckfahne gegen den linken Unterschenkel, Schiedsrichter Peter Sippel zeigte ihm daraufhin die Rote Karte. Der Kontrollausschuss wertete die Tat als grobe Tätlichkeit, die "mit unheimlicher Aggressivität und übergroßer Rücksichtslosigkeit" ausgeführt worden sei. Der HSV hat gegen das geforderte Strafmaß Widerspruch eingelegt, damit kommt es zu einer Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht.

Guerrero selbst versuchte gar nicht erst, nach Ausreden für seinen Ausraster zu suchen. "Ich kann nicht behaupten, dass ich den Ball spielen wollte. In diesem Moment habe ich nicht nachgedacht, ich war frustriert", gab der 28-Jährige zu. Dennoch wollte er die Aktion nicht überbewerten: "Ehrlich gesagt kann ich die ganze Aufregung jetzt nicht so ganz verstehen. Solche Sachen passieren nicht nur mir."

Als Indikator für die Schwere seines Frust-Fouls zog er Ulreichs Gesundheitszustand heran: "Der Torwart ist doch aufgestanden und konnte weiterspielen. Er hat sich nicht verletzt." Kein Wort davon, dass der Tritt gegen Ulreichs linken Unterschenkel auch eine mehrmonatige Pause des Torwarts hätte nach sich ziehen können.

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer übte beim TV-Sender Sky harsche Kritik an Guerreros Verhalten: "Er hat einen unverzeihlichen Fehler gemacht. Wenn das passiert ist, sollte man mit Abstand die Größe aufbringen zu argumentieren, dass die Dinge einem leidtun. Deshalb ist es unverzeihlich." Auch Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund, sagte: "Das ist nicht zu entschuldigen. Die Aktion war völlig wahnsinnig. Da muss jetzt eine richtige Strafe her." Und Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann forderte: "Den muss man aus dem Verkehr ziehen. Es ist angebracht, dass man ihn in dieser Saison gar nicht mehr sieht."

HSV-Trainer Thorsten Fink plädierte hingegen für eine maßvolle Sperre seitens des DFB: "Natürlich werden wir Paolo bestrafen. Wenn einer eine Rote Karte bekommt, wird er immer bestraft. Aber es war seine erste und er hat nicht nachgetreten und nicht nachgeschlagen", sagte der Coach und betonte: "Wir wollen ihn nicht in Schutz nehmen, aber er ist kein Wiederholungstäter. Wir wollen nichts verharmlosen, aber wir wollen es auch nicht schlimmer machen, als es ist."

Beim HSV hatte man auf eine kurze Sperre gehofft. Sportchef Frank Arnesen sagte: "Ich denke, es war ein ähnliches Foul wie vor drei Wochen bei Herthas Ottl gegen Stuttgart." Der Berliner war VfB-Profi Tamás Hajnal von hinten in die Beine gegrätscht und für drei Spiele gesperrt worden. Daher sagte Arnesen nach Bekanntwerden der DFB-Forderung: "Ich bin über das Urteil sehr enttäuscht. Ich verzeihe dieses Foulspiel nicht, aber wenn ich es mit anderen Fouls vergleiche, hätte ich nie erwartet, dass es zu einer so harten Strafe kommt."

ham/sid/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.