Ausrüster-Poker DFB-Ehe mit Adidas vor der Scheidung
Frankfurt am Main Ja, es gab auch eine gute Nachricht für Adidas an diesem Tag. Sie lautet: Der Ehemann will sich eigentlich gar nicht scheiden lassen. Der Sportartikler Adidas, in dieser Musterehe 50 Jahre lang die treue Ehefrau, könnte also durchatmen. Eigentlich.
Leider gab es auch jede Menge schlechte News. Das Herz des DFB, also des Gatten, ist gebrochen, sehr stark hingezogen fühlt er sich zu dieser sexy jungen Frau namens Nike, die da vor ein paar Monaten aufgetaucht ist mit diesen wunderschönen Augen. Und der riesigen Mitgift. Es wird also teuer für Adidas, will sie den Mann weiter an sich binden, auch das ist eine Nachricht. Jedenfalls ist das die Meinung des Gatten, denn die Ehefrau denkt, dass er ihr das Eheversprechen bereits für weitere drei Jahre gegeben habe. Die Zeichen stehen jedoch eher auf Trennung. Aber der Reihe nach.
"Wir wünschen uns eine Fortsetzung mit Adidas unter den neuen Bedingungen des Nike-Angebots", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger heute Nachmittag, nachdem er sich mit Adidas-Chef Herbert Hainer zusammengesetzt hatte und über die Eheprobleme gesprochen hatte. Diese waren entstanden, nachdem Nike dem DFB im Dezember ein Angebot unterbreitet hatte, ab 2011 für acht Jahre 500 Millionen Euro auf die Konten des gemeinnützigen Verbandes zu überweisen, zuzüglich einmalig 50 Millionen Euro für den Vertragsabschluss ("Signing fee") und 50 Millionen Euro für Frauen- und Mädchenfußball. Macht zusammen 600 Millionen Euro für acht Jahre. Von der "schwersten Entscheidung" als DFB-Präsident sprach Theo Zwanziger dann noch, der ein sehr großer Fan von Frauen- und Mädchenfußball ist.
Adidas zahlt bisher elf Millionen Euro pro Jahr - zuzüglich 340.000 Markierungshemden und 85.000 "Teamgeist"-Bälle im Rahmen der "Schuloffensive". Zwanziger ist das deutlich zuwenig, was nicht verwundert angesichts dessen, was ab 2011 möglich wäre. "Ich habe nicht ohne weiteres das Recht, mit Blick auf die Gemeinnützigkeit ein gutes Angebot zu verraten", erklärte der 61-Jährige heute. Zwanziger ist als DFB-Präsident auch treuhänderischer Verwalter des Verbandsvermögens, das zu mehren seine Aufgabe ist. Er könne deshalb nicht sagen, "ich verkaufe ein Produkt für ein Sechstel von dem, was ein anderer mir bietet".
"Es gab keine abschließende Einigung"
Das zweite Problem der Verbindung Adidas-DFB ist aber: Der eine Partner (Adidas) ist davon überzeugt, das Produkt bereits gekauft zu haben. Der zweitgrößte Sportartikelkonzern der Welt beruft sich dabei auf mündliche Zusagen, die der Verband nach dem "Schuhkrieg" gemacht habe. Damals, Ende August 2006, teilte der DFB selbst in einer Pressemitteilung mit, "er und sein langjähriger Partner und Sportartikel-Ausrüster Adidas" hätten "beschlossen, den bestehenden Vertrag bis mindestens 2014 zu verlängern". Und: "Die Verhandlungen über die Details werden zügig abgeschlossen."
Dem sei aber nicht so gewesen, betonte Zwanziger heute. "Es gab aus unserem Blickwinkel noch keine abschließende vollständige Einigung über die wirtschaftlichen Daten." Weder die Details wurden also geklärt noch geschah dies zügig. Sogar ein Rechtsgutachten wurde vom Verband vor einiger Zeit in Auftrag gegeben. Der Mainzer Rechtsprofessor Mathias Habersack sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der DFB "derzeit nicht über 2011 hinaus an Adidas gebunden" sei und auf die "vom selben Jahr aus geltende Nike-Offerte eingehen" könne.
Die Anwälte von Adidas, die dieses Gutachten heute mit nach Hause nahmen, werden es nun prüfen. Sollte anschließend keine Einigung zwischen den langjährigen Partnern erzielt werden, soll nach DFB-Angaben ein Schiedsgericht eine Lösung herbeiführen. "Wir müssen Klarheit haben", so Zwanziger.
Alles läuft auf eine Trennung hinaus, auf eine Scheidung der mehr als 50 Jahre währenden Ehe. Nur wenn Adidas sein finanzielles Angebot der Nike-Offerte in etwa anpassen würde (was als unwahrscheinlich gilt), könnte der Verband noch umschwenken. Im DFB-Präsidium gibt es schon eine schweigende Mehrheit pro Nike, auch die Deutsche Fußballliga DFL wird sich dem Geldregen aus den USA nicht widersetzen. Sie partizipiert mit 18 Prozent an den Ausrüstereinnahmen.