Ausrüsterstreit DFB-Manager Bierhoff droht mit Rücktritt

Oliver Bierhoff wehrt sich: Im Streit um den Ausrüstervertrag für die Fußball-Nationalmannschaft zwischen den Sportartikelherstellern Adidas und Nike fühlt er sich zu unrecht attackiert. Der DFB-Manager spricht von Rücktritt. DFB-Präsident Theo Zwanziger stellte sich hinter Bierhoff.

Hamburg - Er sehe sich in der Affäre als Prügelknabe missbraucht, sagte Bierhoff in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe): "Ich habe das beim DFB auch schon angesprochen, und wenn es so sein sollte, dass ich das Problem bin, dann habe ich damit auch kein Problem. Dann lasse ich den Job sein, dann gehe ich halt", sagte Bierhoff.

DFB-Präsident Zwanziger stellte sich ausdrücklich hinter den Ex-Nationalspieler. "Ich denke überhaupt nicht daran, Oliver Bierhoffs Position zu überdenken. Er hat diesem Posten überhaupt erst ein Gesicht und ein Profil gegeben. Und er erfüllt seine Aufgaben zu 100 Prozent", sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung. Er wolle noch lange mit Bierhoff zusammenarbeiten. "Es wäre doch nicht im Sinne des DFB gewesen, wenn solch ein Angebot wie von Nike von uns fern gehalten worden wäre. Auf die Entscheidung hat Oliver Bierhoff keinen Einfluss", betonte der Verbandschef.

Der 38-jährige Bierhoff, der vor seinem DFB-Engagement jahrelang Nike- Repräsentant war, bemängelte indes, dass ihn der DFB aus den Ausrüsterverhandlungen heraushalte, obwohl diese auch in seine Zuständigkeit fielen. Bierhoff räumte ein, die 500-Millionen-Euro-Offerte Nikes an den Verband im November 2006 persönlich beim DFB abgegeben zu haben. "Nike kam im November auf mich zu und sagte: Wir wollen dem DFB ein Angebot machen. Ich habe gesagt: Bevor Ihr einen Brief per Post schickt, der dann irgendwo landet, mache ich das lieber selbst", erklärte der ehemalige Nationalstürmer: "Ich habe das Angebot weitergereicht, das gehört auch zu meinen Aufgaben als Manager, und ich sehe nicht ein, dass ich mit Nike nicht mehr reden soll, nur weil ich mal acht Jahre einen Vertrag als Testimonial hatte. Die Entscheidung, ob das Angebot in Frage kommt, liegt doch nicht bei mir. Ich bin nur Übermittler."

Er selbst habe keine "Details, aber die Eckpunkte" des Angebots gekannt. "Mich erbost die Dreistigkeit all der Unterstellungen. Eigentlich ist es doch ein Kompliment, wenn man mir zutraut, das ich einem großen Konzern eine halbe Milliarde aus dem Kreuz leiere", so Bierhoff zur "SZ".

Aus seiner Sicht sei noch kein rechtsverbindlicher Vertrag zwischen dem DFB und Adidas ab 2011 zu Stande gekommen, sagte Bierhoff. Vielmehr sei Ausgangspunkt der Verhandlungen im Sommer 2006 der Schuhstreit in der Nationalmannschaft gewesen. Damals habe Adidas "auf den Deal 'Schuhfreigabe gegen Vertragsverlängerung' spekuliert". Er sei auch in diese Verhandlungen nicht eingebunden worden.

Die Anschuldigungen von Bayern Münchens Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge, der ihm unseriöses Verhalten vorgeworfen und ihn als "Ich-AG am Starnberger See" bezeichnet hatte, weist Bierhoff als "lächerlich" zurück. Vielmehr sei Rummenigges Drohung, keine Bayern-Spieler mehr fürs Nationalteam abzustellen, "respektlos" gegenüber anderen Vereinen, die gleichfalls andere Ausrüster hätten, jedoch keine solche Drohungen ausstießen.

Erhöhung des Adidas-Angebots steht nicht zur Debatte

Adidas beharrt unterdessen darauf, dass die Vereinbarungen bis 2014 gültig sind. "Wir gehen auch nach dem Gutachten des DFB davon aus, dass der Vertrag bereits verlängert wurde", sagte Unternehmenssprecher Jan Runau heute der dpa. Adidas werde zu dem von dem Mainzer Rechtsprofessor Mathias Habersack erstellten Gutachten innerhalb der nächsten zwei Wochen Stellung nehmen.

Habersack war zu dem Schluss gekommen, dass der DFB nicht über 2011 hinaus an Adidas gebunden ist. Der Verband könnte dann die 600- Millionen-Euro-Offerte des US-Konkurrenten Nike annehmen. Nike bietet 500 Millionen Euro für acht Jahre, Adidas zahlt derzeit nur elf Millionen Euro. Eine Vereinbarung mit Adidas für die Jahre 2011 bis 2014 war nicht schriftlich besiegelt worden.

Eine Erhöhung des Adidas-Angebots stehe derzeit nicht zur Debatte, unterstrich Runau. Vorstandschef Herbert Hainer hatte der "Financial Times Deutschland" gesagt, eine Aufstockung "könnte ein Diskussionsthema werden". Zuvor werde Adidas aber rechtliche Fragen der Laufzeit des derzeit geltenden Vertrages prüfen. "Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir mit dem DFB einen Vertrag bis 2014 haben", bekräftigte Hainer.

pav/dpa

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